8. Kapitel: Rechtfertigung und Einschüchterung

8 Rechtfertigung und Einschüchterung *

8.1 Das wahre, tragische Erbe Russells sind die unerfüllten Zeitprophezeiungen!
8.1.1 Das selbst ernannte „Mundstück Gottes“ nahm den Mund zu voll!

„Je mehr einer redet, desto leichter versündigt er sich; wer Verstand hat, hält seine Zunge im Zaum“ (Sprüche 10:19, Die Bibel in heutigem Deutsch).

Charles Taze Russell, der sich als „Gottes Mundstück“ bezeichnet hatte, starb 1916. Er hinterließ ein Erbe von Zeitprophezeiungen, von denen nicht eine einzige sich so erfüllt hatte, wie er es gesagt hatte. Des weiteren hinterließ er Tausende verwirrter Anhänger.

Im Buch Licht (Band Eins), veröffentlicht 1931, Seite 199, wird diese Situation wie folgt beschrieben:

„Das ganze Volk des Herrn blickte dem Jahre 1914 mit freudiger Erwartung entgegen. Als diese Zeit gekommen und vorübergegangen war, da bemächtigte sich seiner große Enttäuschung, Kummer und Traurigkeit, und das Volk des Herrn wurde sehr geschwächt. Es wurde besonders von der Geistlichkeit und deren Bundesgenossen verhöhnt und mit Spott überhäuft, weil es so viel über 1914 ausgesagt hatte, was da alles geschehen werde, und sich seine Prophezeiungen nicht erfüllt hätten.“

Als 1914 und 1915 vorbei und die menschlichen Reiche und Institutionen nicht sämtlich gestürzt waren, das Königreich Christi nicht die Herrschaft über die ganze Erde angetreten hatte, die Gesalbten nicht zu himmlischem Leben verwandelt worden waren, „Babylon die Große“ nicht vernichtet und das Volk Israel nicht zum christlichen Glauben bekehrt war- all das war für 1914 vorhergesagt worden –, erhoben sich bei den Watch-Tower-Anhängern schwere Zweifel. Den Ausbruch des 1. Weltkriegs hatte es zwar gegeben, doch zu der vorausgesagten weltweiten Anarchie hatte er nicht geführt. Russell versuchte kurz vor seinem Tode im Oktober 1916 in einem Vorwort zu einer Neuausgabe von Die Zeit ist herbeigekommenherunterzuspielen, daß sich die Vorhersagen für 1914 nicht erfüllt hatten, es war nicht mehr so wichtig. Folgender Auszug läßt gut erkennen, wie er die Sache sah:

Der Autor gibt zu, dass er in diesem Buch den Gedanken nahe legt, dass des Herrn Heilige erwarten dürfen, am Ende der Zeiten der Nationen bei ihm zu sein in Herrlichkeit. Dies war ein Fehler, den zu machen sehr natürlich war, Doch der Herr überwaltete ihn zum Segen seines Volkes. Der Gedanke, dass die Kirche vor Oktober 1914 in Herrlichkeit vereint sein würde, übte zweifellos einen anspornenden und heiligenden Einfluss auf Taufende aus, von denen demgemäss alle den Herrn preisen können, selbst um des Fehlers willen. Viele können allerdings ihrer Dankbarkeit gegenüber dem Herrn auch deshalb Ausdruck verleihen, dass die Hoffnungen der Kirche nicht in der von uns erwarteten Zeit erfüllt werden, und dass wir, des Herrn Volk, weiterhin Gelegenheit haben, unsere Heiligung zu vollenden und mit unserem Herrn seinem Volke seine Botschaft zu bringen.

8.1.2 Gott und Christus die Schuld am eigenen Fehler der Spekulation zugeschoben!

Es war ein bequemer Ausweg, sich aus der Verantwortung zu stehlen, indem man Gott und Christus mit hineinzog in die Fehler und sagte, Gott „überwaltete“ einige Voraussagen, wenn man doch eigentlich selbst Schuld daran war, fälschlich als „Gottes Daten“ ausgegeben zu haben, was gar nicht die Daten Gottes, sondern schlicht Produkte unbefugten menschlichen Spekulierens waren. Durch ihren „anspornenden und heiligenden Einfluß“ werden selbst verkehrte Voraussagen noch verdienstvoll, so daß „alle den Herrn preisen können, selbst um des Fehlers willen“. Nach dieser Methode könnte man auch weiterhin falsche Voraussagen machen, wegen der „anspornenden“ Wirkung. Man muß dabei an die Aussage eines wahren Propheten in der Bibel denken, der Gottes Worte wie folgt wiedergibt:

„Wehe denen, die sagen, daß Gutes böse sei und Böses gut sei, denen, die Finsternis als Licht hinstellen und Licht als Finsternis, die Bitteres als Süßes hinstellen und Süßes als Bitteres“.[1]

Solange Russell am Leben war, und auch noch einige Jahre nach seinem Tod, blieben seine Anhänger zuversichtlich. Als aber der Krieg aus war und das Leben sich normalisierte, stiegen mit jedem ablaufenden Jahr neue Fragen über die von ihm vorgelegte Zeitrechnung auf.

Das war das Erbe, das Richter Rutherford antrat. (Im Januar 1917 war er auf der Jahreshauptversammlung der Gesellschaft zu deren Präsident gewählt worden.) Zwei Möglichkeiten standen ihm zur Wahl: Entweder machte er reinen Tisch und gab freimütig den Irrtum zu, oder er versuchte, die Voraussagen seines Vorgängers zu rechtfertigen. Er entschied sich für das Rechtfertigen. Um den Vertrauensschwund in den Reihen der Wachturm­-Leser wettzumachen, handelte Rutherford rasch und ließ 1917, im Jahr nach Russells Tod, ein Buch mit dem Titel Das vollendete Geheimnis heraus­bringen.

In diesem Buch wurde versucht, einige der Dinge, die für 1914 erwartet worden waren, auf 1918 zu verschieben, indem man eine Parallele zur Niederschlagung des jüdischen Aufstandes durch die Römer zog. Die Römer zerstörten Jerusalem im Jahr 70, doch der Kampf kam erst im Jahr 73, dreieinhalb Jahre später, zum Abschluß. So hing man diese Zeitspanne an das Jahr 1914 an und präsentierte in dem Buch Das vollendete Geheimnis nunmehr das Jahr 1918 als Datum von höchster Bedeutung.

8.1.3 Kann man etwas hineinlesen, das offen und deutlich verkündet wird?

Was sich dann ereignen sollte, ist in den folgenden Auszügen unterstrichen worden. Man beachte beim Durchlesen, welche Sprache verwendet wird, [162] und frage sich, ob man etwas in das Buch hineinliest, was nicht darin steht, wenn man sagt, es enthalte klare Voraussagen und wecke Erwartungen, die niemals erfüllt wurden.

„Die weiter zu Off. 2:1 gegebenen Erklärungen zeigen, daß die Eroberung Judäas nicht vor dem Passah des Jahres 73 n.Chr. stattgefunden hat, und die oben angeführten Schriftstellen deuten darauf hin, daß der Frühling 1918 ein noch größeres Maß von Bedrängnis über die Christenheit bringen wird, als dies im Herbst des Jahres 1914 der Fall war. Auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit, bei brausendem Meer und Wasserwogen (die aufbrausenden unzufriedenen Völkermassen), indem die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen. (Luk. 21:25-26) Prüfe die Tabellen über die Parallelen der Heilszeitordnungen der Schriftstudien, Band II, S. 238-239; ändere 37 in 40, 70 in73 und 1914 in 1918, wie vorstehend begründet, so wird es, wie wir glauben, richtig sein und sich in der Bälde mit großer Macht und Herrlichkeit erfüllen (Mark. 13: 16-20) Es war bis nach Oktober 1915 ganz unmöglich, vorauszusehen, ob unser Herr das Jahr 70 oder 73 n.Chr. als unseren Wegweiser in Bezug auf den Abschluß des jüdischen Staatswesens bestimmt hatte.

Überdies sehen wir nun auch mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit die vorausgesagten Zeichen und des Herrn Wort versichert uns, daß, wenn wir dies geschehen sehen, wir daran erkennen sollen „daß sein Königreich nahe ja vor der Tür ist und unsere Erlösung naht.“ (Luk. 21:25-36; Mark. 13:27-30.)
Möglicherweise bringt auch das Jahr 1980 etwas, das für das natürliche Israel von besonderem Interesse sein mag. Es wären dann gerade 70 Jahre nach 1910, da Pastor Russell sein großes Zeugnis von den Juden im Hippodrome in New York ablegte.
Wenn nun die Wehen im Frühling 1918 über die Namenchristenheit kommen sollen (Jes. 66:8), und wir unmittelbar vor diesem, von dem Propheten erwähnten Ereignis stehen, was sollte da die Erwartung der kleinen Herde sein? – Das in der Weissagung genannte symbolische „Weh“ ist eine Bezugnahme auf die Zeit großer Trübsal; dieses „Weh“ kommt auf die Namen-Christenheit, die „große Babel“, aus welcher zu entfliehen etliche würdig geachtet sind. (Luk 21:36)“

Die Nationen der Christenheit sollten 1918 also eine „Bedrängnis“ erleiden, die größer wäre als die zu Beginn des 1. Weltkriegs im Jahr 1914. In Wahrheit wurde in jenem Jahr der Krieg durch einen Waffenstillstand beendet. Außerdem wird in dem Buch vorausgesagt, der Überrest der „Gesalbten“, die „letzten Glieder der Eliasklasse“, würden in jenem Jahr zu himmli­schem Leben verwandelt, wie auf Seite 71 und 72 zu lesen ist:

Die Himmelfahrt fand 40 Tage nach Christi Auferstehung statt. Das bestätigt die Hoffnung der Kirche hinsichtlich ihrer Verherrlichung – 40 Jahre (Ein Jahr für einen Tag) nach der Auferweckung der schlafenden Heiligen im Frühjahr 1878. Die sieben Tage vor der Flut mögen sieben Jahre darstellen und zwar von 1914-1921, eine Jahrwoche, in deren Mitte die letzten Glieder des Messias hinter den Vorhang gehen. Die „große Schar“-Klasse wird am Schluß dieser Woche eingegangen sein; den die Tatsache, das die erste Hälfte derselben so besonders gekennzeichnet ist, läßt uns ein um dreieinhalb Jahre verlängertes Zeugnisablegen ….“ [163]

„… durch diese große Schar-Klasse erwarten. Es scheint des himmlischen Vaters Art und Weise zu sein, sein Werk von den ersten Anfängen der Schöpfung an in halben und ganzen Wochen zu vollbringen. Das Datum des Bundes mit Abraham, 2045 v.Chr. bildet die Mitte (jeder Teil derselben derselben von 2081 Jahren Dauer), zwischen dem Fall Adams (4127 v.Chr.) und der Bekehrung des Cornelius, 36 n.Chr. [72]
Das letzte noch gehaltene vorbildliche Jubeljahr Israels 626. v.u.Z. steht in der Mitte (jeder Teil 2500 Jahre) zwischen Adams Fall 4127 v.Chr. und dem Anfang der Zeiten der Wiederherstellung, 1874 n.Chr. (Siehe B.)
Die Gefangenschaft 606 v.Chr. bezeichnet den Anfang der Zeiten der Nationen als Mittelpunkt (von zweimal 2500 Jahren Länge) zwischen dem Schluß des Tausenjahrtages Adams, 3127 v.Chr. und dem Ende der Zeiten der Nationen, 1914 n.Chr.

Die Gefangenschaft markiert die Mitte (jeder Teil 3520 Jahre) zwischen dem Fall Adams, 4127 v.Chr. und der vollen Wiederherstellung zu göttlicher Gnade, 2914 nach Chr.
Christi Tod (33 n.Chr.) bezeichnet die Mitte (jeder Teil von 1845 Jahren Länge), zwischen Jakobs Tod, 1813 v.Chr. und dem Wiederbeginn der Gnade für Israel, 1878 n.Chr.
Der Tod Christi 33 n.Chr. bildet die Mitte (jeder dreieinhalb Jahre) zwischen seiner Taufe 29 n.Chr. und der Bekehrung des Kornelius, 36 u.Z.
Die Auferweckung der schlafenden Heiligen im Jahre 1878 fand genau in der Mitte (dreieinhalb Jahre) zwischen dem Anfang der Zeiten der Wiederherstellung im Jahre 1874, und dem Schluß der hohen Berufung, im Jahre 1881, statt. Somit dürfen wir die Erwartung hegen, daß die Verherrlichung der kleinen Herde im Frühling des Jahres 1918 stattfinden wird. Das wäre wiederum die Mitte zwischen dem Schluß der Zeiten der Nationen und dem Ende des himmlischen Weges, 1921 n.Chr.“
Wie schon bei der Prophezeiung über 1881 geschah auch diesmal nichts. Wohl am drastischsten wurde die Vernichtung der Kirchen der Christenheit und ihrer Mitglieder für das Jahr 1918 beschrieben. Ihre Leichname sollten herumliegen, ohne daß sie beerdigt würden. Zwei von mehreren Stellen, an denen diese Prophezeiung steht, finden sich im zweiten Teil des Buches auf den Seiten 181 und 182:

„Die Kirchen müssen aufhören zu sein
24, 20-21: Und ich sprach zu ihnen: Das Wort Jehovas ist zu mir geschehen also: Sprich zum Hause Israel. So sprach der Herr , Jehova: Siehe, ich werde mein Heiligtum entweihen, den Stolz eurer Stärke, die Lust eurer Augen und das Verlangen eurer Seele; und eure Söhne und eure Töchter, die ihr zurückgelassen habt, werden durchs Schwert fallen. – Gott gibt die Erklärung: Es war ein Bild oder Gleichnis von dem, was mit der Namenchristenheit geschehen sollte. Bis 1878 ist die Namenkirche in gewissem Sinne Gottes Heiligtum oder Tempel gewesen, aber von dann an beseitigte er sie durch einen Schlag oder eine Plage von zugelassenen Irrlehren und Verfehlungen.“

An dieser Stelle erscheint in der englischen Ausgabe folgender Einschub, der in der deutschen Ausgabe weggelassen wird: „Dies sollte 1918 seinen Höhepunkt erreichen.“ [164] Weiter heißt es dann in der deutschen Ausgabe:

„Die Kirche war die Stärke der Christenheit, das, worin ihr Leben sich vereinigte, und woraus ihre Einrichtungen aufgebaut wurden. Sie war die Lust der Augen des Volkes. Sie war das, was alle Christen liebten. Nichtdestoweniger mußte Gott den Mißbrauch offenbar machen, welchen das Kirchentum mit der christlichen Lehre getrieben hatte, und er mußte die Kirchenorganisationen ihm gegenüber zu einer Toten werden lassen, zu etwas Unreinem, das nicht berührt und nicht betrauert werden sollte. Und die „Kinder der Kirche“ werden umkommen durch das Schwert des Krieges, der Revolution und Anarchie; und durch das Schwert des Geistes sollen sie leben lernen, daß ihre Hoffnung auf ein Leben auf geistiger Stufe verloren, – daß die Tür geschlossen ist.
24, 22. Dann werdet ihr tun, wie ich getan habe: den Bart werdet ihr nicht verhüllen und Brot der Leute nicht essen. – So weltenweit und furchtbar werden die Unruhen sein, daß die Toten buchstäblich unbegraben und unbeweint herumliegen werden.

Pastor Russell tot, aber wieder sprechend
24, 25-26. Und du, Menschensohn, siehe, an dem Tage, da ich von ihnen wegnehmen werde ihre Stärke, die Freude ihrer Pracht, die Lust ihrer Augen und die Sehnsucht ihrer Seelen, ihre Söhne und Töchter: an jenem Tag wird ein Entronnener zu dir kommen, um es deine Ohren vernehmen zu lassen. – Und nach dem Jahre 1918, wenn Gott die Kirchen insgesamt und die Kirchenmitglieder zu Millionen vernichtet, da wird es sein, daß Entronnene die werke Pastor Russells bekommen werden und durch dieselben die Bedeutung des Sturzes der „Christenheit“ erfahren.
24, 27. An jenem Tag wird dein Mund aufgetan werden gegen den Entronnenen, und du wirst reden und nicht mehr verstummen. Und so sollst ihnen zu einem Wahrzeichen werden; und sie werden wissen, daß ich Jehova bin. – Pastor Russells Stimme ist im Tode verstummt; im Vergleich zu dem, was kommen wird, ist seine Stimme stumm. In der Zeit der Revolution und Anarchie wird sie sprechen und sie wird denen, die der Vernichtung jenes Tages entrinnen, nicht mehr stumm sein. Pastor Russell wird „ihnen zu einem Wahrzeichen sein“, wird ihnen von der göttlichen Bestimmung der Trübsal erzählen, wenn sie seine Bücher befragen, die in der Anzahl von zehn Millionen über die Christenheit verbreitet wurden. Seine Worte werden ihnen ein Zeichen der Hoffnung sein, die sie befähigt, die glänzende Seite der Wolke zu erkennen und mit einem Vorempfinden hinzuschauen auf das glorreiche Königreich Gottes, welches hergestellt werden soll. Dann „werden sie Jehova erkennen“.“[2] [165]

Nicht nur die Kirchen der Christenheit, auch ihre Regierungen gingen einem katastrophalen Untergang entgegen:

31, 15. So spricht der Herr, Jehova: An dem Tage, da er in den Scheol hinabfuhr, machte ich ein Trauern: Ich verhüllte um seinetwillen die Tiefe, und ich hielt dessen Fluten zurück, und die großen Wasser wurden gehemmt; und den Libanon hüllte ich in Schwarz um seinetwillen, und seinetwegen verschmachteten alle Bäume des Feldes. – Nach dem Jahre 1918, wenn die Christenheit als System  mit ihn folgenden revolutionären Republiken in die Vergessenheit (Scheol) hinabsinken soll, wir Gott Trauern verursachen. Er Word für kurze Zeit die drohenden Wogen der Anarchie zurückhalten und die Nationen wegen der Christenheit trauern lassen, und alle durch Menschenhand gemachten Systeme (Bäume) der Welt (Feld) werden dahinsiechen wegen des Falles der Christenheit. – S. 384, 364.

31, 16. Von dem Getöse seines Falles machte ich Nationen erbeben, als ich ihn in den Scheol hinabfahren ließ zu denen, welche in die Grube hinabgefahren sind. Und alle Bäume Edens, das Auserwählte und Beste des Libanon, alle Wassertrinkenden, trösteten sich in den untersten Örtern der Erde. – Gott Word die Nationen durch die riesenhaften Revolutionen erschüttern lassen, wenn er die weltliche Christenheit als organisiertes System niederwerfen Word in die Vergessenheit (wie er es mit den Juden in dem Gleichnis vom reichen Mann tat).
31, 17. Auch sie fuhren mit ihm in den Scheol hinab zu den von dem Schwert Erschlagenen, die als Seine Helfer in seinem Schatten saßen unter den Nationen. – Aber auch sie sollen mit der Christenheit in die Vergessenheit (Scheol) (S. 384, 364) hinabfahren, so gut wie diejenigen, welche ihre Macht bildeten, welche inmitten des Volkes unter ihrem Schutze wohnten.“
In der englischen Ausgabe wurde dies alles für 1918 vorausgesagt. Dort beginnt der Kommentarteil zu Kapitel 31, Vers 15, mit den Worten: „Im Jahr 1918 … “ In der deutschen Fassung wird daraus: „Nach dem Jahr 1918 … “ Doch weder das eine noch das andere trat ein. Aber auch für das Jahr 1920 wurden gewaltige Dinge vorausgesagt: Die gigantischen Revolutionen, die 1918 ausbrechen sollen, würden 1920 ihren Höhepunkt erreichen im Verschwinden jeglicher geordneten Regierungsgewalt. Nach der englischen Ausgabe heißt es (Originaltext siehe Anhang):

„16:20 Und jede Insel entfloh. – Selbst die Republiken werden im Herbst des Jahres 1920 verschwinden.
Und Berge wurden nicht gefunden. – Jedes Königreich auf Erden wird vergehen, von der Anarchie verschlungen werden.“ [166]

Die deutsche Ausgabe sagt hingegen:

„16:20. Und jede Insel entfloh. – Selbst die Republiken, die in der Bibelsprache als Inseln dargestellt werden, werden nicht zu bestehen vermögen in diesem grossen Erdbeben.
Und Berge wurden nicht gefunden. – Berge symbolisieren in der Bildersprache der Heiligen Schrift stets Königreiche. Alle Königreiche der Erde werden untergehen, so wie im Bilde ein riesenhaftes Erdbeben alle in seinem Bereich liegenden Berge verschlingen würde. Nach dem Erdbeben wird man sie nicht mehr finden, sie werden aufgehört haben zu existieren. Wie gewaltig sind doch diese Bilder, und die Menschheit wird erzittern, wenn sie sehen wird, mit welch mathematischer Genauigkeit sie sich erfüllen.
16:21. Und grosse Hagelsteine … fallen aus dem Himmel. – Wahrheiten, grosse gewaltige, unleugbare und unwiderlegbare Wahrheiten, kernig und zermalmend in ihrer Wucht. Das wird eine letzte Manifestation sein, wie Band VII der „Schriftstudien“ sich bei den Verehrern des Tieres und seines Bildes fühlbar machen wird. – Off. 11:19; Jes. 30:30; Hes. 13:11; Jos. 10:11.

Wie ein Talent schwer.- Ein Zentner schwer (Mal. 3:10.) Eine andere Vorstellung vom Eindruck, den Band VIII auf die Anbeter des Tieres und seines Bildes machen mag, gibt die Betrachtung der letzten der ägyptischen Plagen: Das Sterben aller Erstgeburt, aufgezeichnet in 2.Mose 11 und 12. Sobald die Plage angefangen hatte, was das ägyptische Volk, von Pharao an bis hinab zum letzten Untertanen, ängstlich bemüht, die scheidenden Gäste ja nicht mehr aufzuhalten und bereit, alle Kostbarkeiten an Silber (die grosse Schar) und an Gold (die kleine Herde) dran zu geben. Sie werden dann in der furchtbaren Drangsal erkennen, dass Jehova mit diesem Volke (den wahren gegenbildlichen Israeliten) ist. Die drei Tage, während welcher Pharaos Heerscharen das Volk Israel in die Wüste verfolgten, dürften die drei Jahre darstellen, während welcher Zeit alle Diener Satans im Meere der Anarchie schliesslich untergehen werden. Die Räder werden von ihren Wagen – Organisationen – fallen.“[3]
So sollten also selbst die radikalen Elemente, die 1918 die Revolutionen im Bereich der Christenheit angezettelt und die arbeiterfreundlichen und sozialistischen Regierungen hervorgebracht hätten, den Untergang ihrer Bewegungen erleben. Dies geschähe im Jahr 1920 durch anarchistische Kräfte, genauso, wie sie zuvor selber den Sturz der bestehenden Regierungen innerhalb der Christenheit herbeigeführt hatten.

„35, 11. Darum, so war ich lebe, spricht der Herr, Jehova, werde ich handeln nach deinem Zorn und nach deiner Eifersucht, und wie du infolge deines Hasses gegen sie gehandelt hast; und ich werde mich unter ihnen kundtun, sobald ich dich gerichtet habe. – Darum wird Gott“ … [167]

… „mit der sozialistischen Arbeiterordnung der Dinge ebenso verfahren, wie sich die Sozialisten usw. gegen das Kirchentum und die Christenheit in Zorn und Wut und mit gehässigem Neide richten werden. Wie sie mithelfen, die Christenheit niederzuwerfen, so werden die Anarchisten sie niederwerfen.
35, 12. Und du wirst wissen, daß ich, Jehova, alle deine Schmähungen gehört habe, welche du gegen die Berge Israels ausgesprochen hast, indem du sagst: Sie sind verwüstet, uns sind sie zur Speise gegeben! – Die Arbeiter usw. werden erfahren, daß Gott herrscht in den Angelegenheiten der Menschen, und daß der Allmächtige auf ihre Äußerungen gegen die Nationen (Gebirge) der Christenheit (Israel) achten wird, wenn die Arbeiter nach dem Falle des Kirchentums sprechen werden: „Die Nationen sind verwüstet worden und uns und dem arbeitenden Volk zur Aufteilung übergeben worden.“ [268]
35, 13. Und ihr habt mit eurem Munde gegen mich groß getan und eure Worte gegen mich gehäuft; ich habe es gehört. – Während die Sozialisten und die mit den ihrigen verwandten Bewegungen grausam gegen den Kapitalismus und heimlich gegen die Christenheit reden, so haben sie in Wirklichkeit gegen eine von Gott zugelassene Ordnung gesprochen, in welcher Gott war – durch das Vorhandensein seines Heiligen Geistes in solchen treuen Christen, die in den Systemen waren. Indem sie sagen, daß sie die Welt aus dem Dunkel der bösen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zustände herausführen sollen, rühmen sie sich, ohne es zu wissen, gegen Gott, indem sie sich anmaßen, das auszuführen, was Gott schon vorher durch seine getreue Kirche hinauszuführen beabsichtigte, und was durch irgendein geringeres Werkzeug absolut unmöglich vollführt werden kann. Gott wird an den Worten der Sozialisten, Syndikalisten, Arbeiter usw. nicht achtlos vorübergehen. Er wird sie hören und sich ihrer zwecks gerechter Vergeltung erinnern.

35, 14. So spricht der Herr Jehova: Wenn die ganze Erde sich freut, werde ich die Verwüstung bereiten. – Wenn die Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge kommen, wird ein Ding, das nicht wiederhergestellt wird, der Sozialismus, die Arbeiterbewegung sein. Wenn die ganze Gesellschaft sich über die Neuordnung der Dinge, die von Gott verordnet ist, freuen wird, dann wird der sozialdemokratische Staat gänzlich und für immer vergangen sein.
35, 15. Wie du deine Freude hattest an dem Erbteil des Hauses Israel, darum, daß es verwüstet war, ebenso werde ich dir tun: Eine Wüste sollst du werden, Gebirge Seir und ganz Edom insgesamt! Und sie werden wissen, daß ich Jehova bin. – Wie die geistig gesinnten Abtrünnigen der Christenheit, die für die Radikalen und Revolutionären Partei ergreifen werden, sich freuen werden über das Erbe der Verwüstung, das nach 1918 über die Christenheit kommen wird, so wird Gott mit der erfolgreichen revolutionären Bewegung verfahren: Sie wird gänzlich vernichtet werden, „insgesamt“. Keine einzige Spur soll die Verwüstung der weltenweiten , allumfassenden Anarchie voraussichtlich um das Jahr 1921 herum überdauern. (Off. 11, 7-13)“ [168]

Von einer „weltenweiten, allumfassenden Anarchie voraussichtlich um das Jahr 1921 herum“ ist die Rede. Im englischen Original wird sie sogar für den Herbst 1920 angekündigt, ohne den Zusatz „voraussichtlich“. Doch der eindrucksvollen, aufrüttelnden Sprache und der großen Zuversicht zum Trotz erfüllte sich gar nichts. Wie 1914, so verstrichen auch 1918, 1920 und 1921, ohne daß es zu der vorhergesagten „Bedrängnis“ für die Christenheit, dem Sturz ihrer Regierungen und der Vernichtung ihrer Kirchen oder der Aufnahme der Gesalbten in den Himmel gekommen wäre.

Stattdessen wurden 1918 Präsident Rutherford und sechs weitere leitende Mitarbeiter der Gesellschaft angeklagt und unter den verschärften Bedin­gungen des Kriegsrechts zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil das Buch Das vollendete Geheimnis und andere Veröffentlichungen umstürzlerische Äusserungen enthalten haben sollen. Im darauffolgenden Jahr, 1919, wurden sie entlassen und in allen Anklagepunkten freigesprochen.

So konnten sie das Jahr 1920 in Freiheit erleben, das Jahr, in dem bis zum Herbst alle Republiken und „jedes Königreich auf Erden … von der Anarchie verschlungen“ sein würden, wie es in der englischen Fassung des Buches Das vollendete Geheimnis heißt. Als dieses Jahr anbrach, hatte man aber bereits neue Voraussagen erarbeitet und verkündet. Ohne den Ablauf des Jahres 1920 überhaupt abzuwarten, wurde ein neues Jahr genannt, dem jetzt entgegengeblickt werden sollte.

8.2 „Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben“: Die Lügen rund um das Jahr 1925
8.2.1 Propheten die nicht von Gott gesandt sind und doch von sich aus prophezeien!

„Ich habe die Propheten nicht gesandt, dennoch sind sie gelaufen. Ich habe nicht zu ihnen geredet, dennoch haben sie prophezeit“ (Jeremia 23:21).

Im Jahr 1920 veröffentlichte der Präsident der Watch Tower Society, Rutherford, eine Broschüre mit dem Titel Millionen jetzt lebender Men­schen werden nie sterben. Die Organisation gebraucht diesen eingängigen Slogan bis zum heutigen Tage. Damals aber war er Teil einer neuen Voraussage durch den Watch-Tower-Präsidenten. Der ganze Kern dieser Behauptung, Millionen damals lebender Menschen würden nie sterben, war gestützt auf ein neues Datum: 1925. Man beachte, was die unterstrichenen Passagen dieser Broschüre aus den Seiten 79, 80, 81, 87 und 88 (Ausgabe Zürich und Bern 1920) über dieses Jahr sagen:

„Eine einfache Berechnung dieser Jubeljahre bringt uns zu dieser wichtigen Tat­sache: Siebenziq Jubeljahre zu je fünfzig Jahren würde uns zu einer Gesamtanzahl von 3500 Jahren bringen. Da diese Zeitperiode 1573 vor dem Jahre 1 beginnt, würde notwendigerweise im Herbst des Jahres 1925 zu Ende gehen. Zu welcher Zeit das Vorbild endet und das große Gegenbild beginnen muß. Was sollten wir also zu jener Zeit erwarten? Im Vorbilde mußte eine volle Wiederherstellung stattfinden; daher muß das große Gegenbild den Beginn der Wiederherstellung [169] aller Dingemarkieren. Das menschliche Geschlecht zum Leben zurückzubringen ist es haupt­sächlich, was wiedergebracht werden soll; und da an­dere Schriftstellen der Tatsache bestimmt Ausdruck geben, daß eine Auferstehung Abrahams, Isaaks, Jakobs und anderer treuen des allen Bundes stattfinden wird, und daß diese die erste Gunsterweisung empfan­gen werden, können wir erwarten, im Jahre 1925 Zeuge zu sein von der Rückkehr dieser treuen Männer Israels dem Zustande des Todes, indem sie auferweckt und zur vollkommenen Menschlichkeit wiederhergestellt sein werden, um gemacht. zu werden zu sichtbaren gesetzlichen Vertretern der neuen Ordnung der Dinge auf Erden.

Wenn das Messianische Königreich einst aufgerichtet ist, werden Jesus und seine verherrlichte Kirche diese zusammen den grossen Messias bilden werden, die Segnungen dem Volke zuwenden, die es so lange ersehnt und erhofft und um dies gebeten hat, Und wenn jene Zeit kommt, wird Frieden da sein und nicht Krieg, wie der Prophet es so schön ausdrückt: Es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Jehovas feststehen auf dem Gipfel der Berge und erhaben sein über die Hügel. Und Völker werden zu ihm strömen; und viele Nationen werden hingehen und sagen; Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berge Jehovas und zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln auf seinen Pfaden. Denn von Zion wird ausgehen das Gesetz, und das Wort Jehovas von Jerusalem. Und er wird richten zwischen vielen Völkern und Recht sprechen mächtigen Natio­nen bis in die Ferne. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden. und ihre Speere zu Win­zermessern: nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. Und sie werden sitzen. ein jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und niemand wird sie aufschrecken. Denn der Mund Jehovas der Heerscharen hat geredet“. – Micha 4, 1-4.
Irdische Herrscher.

Wie wir hier vorausgehend dargelegt haben, ist der Beginn des grossen Jubeljahr-Züklus mit dem Jahr 1925 fällig. Zu jener Zeit soll die irdische Phase des Königreiches vorhanden sein. Im elften Kapitel des Hebräerbriefes nennt der Apostel Paulus eine lange Reihe von glaubenstreuen Männern, die vor der Kreu­zigung des Herrn und vor dem Beginn der Herauserwählung [170] der Kirche starben. Diese können niemals einen Teil der himmlischen Klasse bilden; sie hatten keine himmlischen Hoffnungen; aber Gott hält etwas Vorzügliches für sie in Bereitschaft. Sie sollen als vollkommene Menschen auferweckt werden und gemäss seiner Verheissung, die Fürsten oder Herrscher auf Erden bilden. (Psalm 45, 16; Jesaja 32, 1; Mat­thäus 8, 11.) Daher können wir vertrauensvoll erwar­ten, dass mit 1925 die Rückkehr Abrahams, Isaaks, Jakobs und der Glaubenstreuen Propheten des alten Bundes eintreten wird, besonders derjenigen, deren Namen von dem Apostel in Hebräer 11 genannt werden – zu dem Zustande menschlicher Vollkommenheit.

Wiederum sagt er: „Der da lebt und an mich glaubt wird nicht sterben in Ewigkeit“. Johannes 11, 26.) Glauben wir dem Ausspruch des Meisters? Wenn dem so ist, dann haben (wenn die Zeit für die Welt gekommen ist, es zu erfahren) diejenigen, welche glau­ben und natürlich den Bedingungen Gehorsam leisten, die absolute und positive Aussage Jesu, dass sie nie­mals sterben werden.

Auf das zuvor dargelegte Argument gestützt, das also die alte Ordnung der Dinge, die alte Welt, zu Ende geht und daher verschwindet, und dass die neue Ordnung hereinbricht, und dass das Jahr 1925 die Auferweckung der treuen Überwjnder des alten Bundes und den Beginn der Wiederherstellung markiert, ist es vernünftig zu schliessen, dass Millionen jetzt auf Erden lebender Menschen im Jahre 1925 noch auf Erden sein werden. Sodann auf die Verheissungen, die in dem Worte Gottes niedergelegt sind, gestützt, müssen wir zu dem positiven und unbestreitbaren Schluss kommen, dass Millionen jetzt Lebender nie sterben werden.

Natürlich bedeutet es nicht, dass jeder leben wird: denn einige werden sich weigern, dem göttlichen Ge­setz zu gehorchen; aber solche, die böse gewesen sind und sich wieder der Gerechtigkeit zuwenden und ihr gehorchen, werden leben und nicht sterben. Hierzu haben wir die positive Darlegung des Propheten Jeho­vas, der sagte: „Wenn aber ein Gesetzloser umkehrt von seiner Gesetzlosigkeit. die er begangen hat, und Recht und Gerechtigkeit übt: er wird seine Seele am Leben erhalten. Sieht er es ein und kehrt um von allen seinen Übertretungen, die er begangen hat, so soll er gewisslich leben, er soll nicht sterben“. ­Hesekiel 18,. 27. 28.“

Das war die Grundlage für den sogenannten „Millionenfeldzug“, eine zweijährige weltweite Kampagne, durch die der Inhalt dieser Broschüre bekanntgemacht werden sollte. Im Buch Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben [171] (Seite 98) steht darüber: „In allen Großstädten wurden große Plakate aufgestellt, auf denen in auffallender Schrift die Worte standen: ,Millionen jetzt Lebender werden nie sterben!'“

8.2.2 Ein neues Jahr prophetischer Erfüllungen wurde für 1925 weltweit vorhergesagt

Unterstützt wurden diese Aktivitäten durch Zeitungsanzeigen. Alle öffent­lichen Vorträge von Wachtturm-Rednern drehten sich um dieses Thema.[4] Noch heute spricht die Gesellschaft von dieser weltweiten Aktion, bei der alle Kräfte mobilisiert wurden. Sogar den spektakulären Slogan verwendet sie ab und an noch. Worüber sie ihre Leserschaft nicht informiert, ist die Tatsache, daß, die eigentliche Grundlage und der zentrale Gehalt der Behauptung, „Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben“, die Voraussagen über das Jahr 1925 waren, die sich als vollständig falsch erwiesen.

Im Jahr 1921 brachte Rutherford sein erstes richtiges Buch heraus, betitelt Die Harfe Gottes. (erste deutsche Ausgabe 1922). Darin betonte er, wie zuversichtlich die Gesellschaft weiterhin glaubte, 1799 stelle den Beginn der „Zeit des Endes“ dar, sowie daran, daß Christus seine unsichtbare Gegen­wart im Jahr 1874 begann. In den folgenden Ausschnitten (aus der deutschen Ausgabe von 1926) werden die für jene Zeiten charakteristischen Entwick­lungen, Erfindungen und Zustände auf Erden als unbestreitbare Beweise zur Bestätigung dieser Jahreszahlen herangezogen:

„Es liegt nicht in der Absicht dieser Abhandlung auf eine ins Einzelne gehende Auseinandersetzung biblischer Chronologie einzugehen. Der Wahrheitssucher kann eine umfassende Betrachtung über diese Frage im Band 2 und 3 der Schrift-Studien finden. (Nähere Empfehlung siehe hinten) Die Absicht hier ist die, auf gewisse, wichtige geschichtliche Daten hinzuweisen und dann zu sehen, wieviel und welche biblische Prophezeiung innerhalb dieser Zeitpunkte erfüllt worden ist. Chronologie hängt in gewissem Masse wenigstens von genauer Berechnungen ab, und es liegt immerhin eine gewisse Möglichkeit vor, Versehen zu machen. Erfüllte Prophezeiung ist das wirkliche Geschehen vorausgesagter Dinge, die nun in Wirklichkeit existieren und endgültig festgelegt sind. Wahrnehmbare Tatsachen [217] widersprechen sich nicht. Sie stehen als stumme und doch beredte Zeugen da, deren Zeugnis als unbestreitbar angenommen werden muss.

Zwei wichtige Zeitpunkte gibt es hier, die wir nicht durcheinander werfen dürfen, sondern klar auseinanderhalten müssen, nämlich den Beginn „der Zeit des Endes“ und die „Gegenwart des Herrn“. „Die Zeit des Endes“ umfaßt einen Zeitraum vom Jahre 1799 an, wie zuvor angedeutet, bis zur Zeit des vollständigen Sturzes von Satans Reich und der Einsetzung des Königreiches des Messias. Die Zeit der zweiten Gegenwart des Herrn aber datiert von 1874 an, wie zuvor bemerkt. Die letzte Periode liegt natürlich innerhalb der Erstgenannten und fällt in den letzten Teil der Periode, die wir als die „Zeit des Endes“ kennen.“ [172]

8.2.3 Wie viel Phantasie und Dummheit ist erträglich, um so genannte „Wahrheit“ zu dokumentieren?

I“Seit jener Zeit hat es in starkem Vorwärtsstreben eine entsprechend große Zunahme an Kenntnis auf allen Gebieten gegeben, und in der Tat ist das Gleiche der Fall auf allen Gebieten des menschlichen Wissens. Die öffentlichen Schulen, lange vom Papsttum, bekämpft, haben Mittel in die Hand bekommen, allgemeine Bildung unter den Massen zu verbreiten und dem Volke in allen Lebenslagen eine Mehrung an Wissen und Erkenntnis zugänglich zu machen. Höhere Schulen und Universitäten sind in der ganzen Welt Allgemeingut des Volkes geworden. Mit der Zunahme von Wissen auf allen möglichen Gebieten gingen zahlreiche Erfindungen Hand in Hand die dem Menschen jetzt zur Verfügung stehen, Zeit und Arbeit sparende Maschinen usw.
Vor 1799 waren z.B. die Transportmittel derart, daß man nur eine kurze Strecke am Tage reisen konnte. Man mußte entweder mit Pferden oder Ochsen fahren oder zu Fuß wandern; und wenn man das Meer durchkreuzen wollte, mußte man sich des Segelschiffes, das nur langsam vorankam, bedienen. Im Jahre 1831 wurde die erste Lokomotive erfunden. Solch wunderbarer Fortschritt ist seitdem in dieser Beziehung gemacht worden, dass man jetzt fast jeden Teil der Erde in schneller Fahrt mit einem Eisenbahnfahrzeug bereisen kann. Später kamen die elektrischen Maschinen und elektrischen Motorwagen und Gasmaschinen, und heute gibt es ein gewaltiges hin und herreisen auf jedem Teil der Erde. Es ist nichts ungewöhnliches mehr, daß man mit einer Geschwindigkeit von 120 und 160 Kilometern die Stunde fährt, und besonders trifft dies auf das Flugzeug zu, welches eine völlig moderne Erfindung ist.

Gottes Prophet bezeichnete diese Zeit als „den Tag des Rüstens Gottes.“ In Nahum 2:1-6 beschreibt der Prophet eine Vision eines Eisenbahnzuges in schneller [220] Fahrt als ein anderes Anzeichen der Vorbereitung für die Einsetzung von Christi Königreich.
Im Jahre 1844 wurde der Telegraph erfunden und später das Telephon. Diese Instrumente wurden zuerst unter Anwendung von Leitungsdrähten benutzt, mittels elektrischen Stromes kann man bekanntlich durch Drähte gesprochene Botschaften über die ganze Erde senden. Jetzt aber können aufgrund späterer Erfindungen sogar die Drähte völlig entbehrt werden, und Meldungen schwirren durch die Luft über die ganze Erde hinweg unter Benutzung von Instrumenten ohne Drähte.
Die große Mehrung von Wissen und Erkenntnis und das gewaltige Hinundherrennen der Menschen auf verschiedenen Teilen der Erde ist ohne Frage eine Erfüllung der Prophezeiungen, die über die „Zeit des Endes“ Zeugnis gibt. Diese physischen Tatsachen können nicht bestritten werden und sind genügend, um jeden vernünftig denkenden Menschen davon zu überzeugen, daß wir seit 1799 in der „Zeit des Endes“ leben.
Den letzten Teil der „Zeit des Endes“ bezeichnet Jesus als eine Zeit der Ernte, weil er sagt: „Die Ernte ist das Ende der Welt [Zeitalter].“ Er erklärte, daß er zu jener Zeit gegenüber sein würde. Mit dem Jahre 1874 beginnt der letzte Teil der „Zeit des Endes“. Mit dem Jahre 1874 beginnt, wie zuvor ausgeführt, die Zeit der“ … [173]

.. „zweiten Gegenwart des Herrn. Der Apostel Paulus zählt in einem seiner Briefe viele Dinge auf, die in Bezug auf Israel geschahen, und sagt, dass „sie geschrieben wurden zu unserer Ermahnung, auf welche das Ende der Welt (des Zeitalters) gekommen ist.“ (1. Korinther 10:11) Es muss somit angenommen werden, dass diese Dingen in der „Zeit des Endes“ verstanden werden würde.
Das vom Herrn angewandte Sinnbild der im Osten aufgehenden Sonne, das er gebraucht, um zu zeigen wie er zur Zeit seiner Gegenwart sein würde, ist ein weiterer Beweis für das immer mehr zunehmende Licht in der Zeit seiner Gegenwart, und gemäss der Prophezeiung hat dies auch stattgefunden. Die arbeitenden Klassen sind bisher stets niedergetreten und von finanziellen, kirchlichen und politischen Machthabern in Unterwürfigkeit geholten worden. Es war im Jahre [221] 1874, beim Beginn der zweiten Gegenwart unseres Herrn, als die ersten Arbeiterorganisation der Welt ins Leben gerufen wurde.

Von diesem Zeitpunkt an hat es eine wunderbare Zunahme an Licht und Kenntnis gegeben, und die seitdem gemachten Erfindungen und Entdeckungen sind zu zahlreich, um sie hier alle aufzählen zu können, doch seien einige derer, die seit 1874 ans Licht gekommen sind, als weiterer Beweis der Gegenwart des Herrn seit jener Zeit genannt, wie folgt. Additionsmaschinen, Aluminium, antiseptische Chirurgie, automatische Bahnkuppelung, automatische Pflüge, Automobile, bewegliche Bilder, drahtlose Telegraphie. Des dunklen Airila, Dynamit, Eisenbahnsignale, elektr. Eisenbahnen, elektr. Schweissmethoden, Erntemaschinen, Isolatoren, feuerlose Kochapparate, Gasmaschinen, grosse Erkenntnis über den göttlichen Plan der Zeitalter, Induktions-Motoren, korrespondenz-Schulen, künstliche Farben, Leuchtgas, Luftschiffe, Nordpol, Panamakanal, pasteursche Schutzimpfung, Radium, Rahm-Separatoren, rauchloses Pulver, riesenhohe Geschäftsgebäude, Röntgen-Strahlen, Schreibmaschine, Schuhnähmaschine, Setzmaschine, Sprechmaschine, spezielle Eisenfabriken, Streichholzmaschine, Südpol, Telefon, Untergrundbahn, Unterseeboote, Vakuum-Teppichreiniger, Zelluloid, Zweiräder usw. usw.“

8.2.4 Sind dies „ohne Frage Erfüllung biblischer Prophezeiungen“ im Zusammenhang mit der Endzeit?

Besonders bemerkenswert ist die Aussage auf Seite 220, wo nach der Aufzählung von Dingen wie dem Entstehen von Bibelgesellschaften, der Zunahme der Höheren Schulen und Universitäten, der modernen Trans­portmittel, des Telegrafen und des Telefons, die alle zu einer großen Mehrung des Wissens und zu einem „gewaltigen Hinundherrennen“ geführt hätten, gesagt wird:

„(Dies) ist ohne Frage eine Erfüllung der Prophezeiung, die über die ‚Zeit des Endes’ Zeugnis gibt. Diese physischen Tatsachen können nicht bestritten werden und sind genügend, um jeden vernünftig denkenden Menschen davon zu überzeugen, dass wir seit 1799 in der ‚Zeit des Endes’ leben.“

Was „ohne Frage“ ist, ist logischerweise unfehlbar. Zwar wird nicht direkt gesagt, es sei unfehlbar, doch im Grunde wird genau das behauptet. Und falls jemand zweifelt oder nicht überzeugt ist, so gehört er eben nicht [174] zu den „vernünftig denkenden Menschen“. Auch das ist Einschüchterung durch Argumente. Die klare, stabile Wahrheit hat es nicht nötig, solche Waffen einzusetzen.

Diese neuen Voraussagen und wortreichen Bekräftigungen einiger alter Jahreszahlen mögen vielleicht einen gewissen „anspornenden und heiligen­den“ Effekt gehabt haben, doch das Vertrauen zu den Endzeitterminen der Gesellschaft, das viele einmal gehabt hatten, war 1922, acht Jahre nach 1914, ziemlich aufgebraucht. Die Methoden, mit denen die Weltzentrale jetzt versuchte, dieses Problem zu lösen, sind sehr aufschlußreich. Sie bilden ein Muster, nach dem auch in neuerer Zeit verfahren wurde, als nämlich 1975 vorbei war.

Statt ihre Ansprüche hinsichtlich der Bibelauslegung zu reduzieren oder die eigene Autorität etwas bescheidener zu sehen, verlangte die Organisation noch viel nachdrücklicher, daß jeder auf ihrer Linie blieb; immer dogmati­scher wurden die Behauptungen über die Genauigkeit ihrer Zeitrechnung. Die Losung hieß Loyalität gegenüber den Lehren des „treuen und klugen Knechts“ (womit damals ausdrücklich Pastor Russell gemeint war], Wer die auf seinen Lehren basierende Chronologie anzweifelte (die ihrerseits auf den Lehren von N. H. Barbour, John Aquila Brown und anderen aufbaute), der wurde als jemand hingestellt, dem es nicht nur an Glauben mangelte, sondern der sich etwas auf seine eigene Weisheit einbildete, der stolz, egoistisch, ehrgeizig, eigensinnig und vom Teufel in die Irre geführt war und den Herrn verleugnete. Wer dem Zeugnis der Geschichtsschreiber der alten Zeit eine gewisse Berechtigung nicht absprechen mochte, wenn dieses den Daten der Organisation widersprach, der verließ sich auf „Vertreter des Reiches Satans“.

Wer das nicht glauben kann, der lese die Äußerungen, die in schöner Regelmäßigkeit im Wachturm der Jahrgänge 1922 und 1923 auftauchen. Beachtenswert ist der wiederholte Gebrauch von Ausdrücken wie „unbe­streitbar“, „über jeden Zweifel hinaus richtig“, „von Gott bestätigt“, „absolut und uneingeschränkt zutreffend“, „unbestreitbar feststehend“, „feststehende Gewißheit“, „göttlichen Ursprungs“ – alles Ausdrücke, die auf die Zeitrechnung bezogen waren, unter anderem auf 1799 (den Beginn der letzten Tage), 1874 (den Beginn der unsichtbaren Gegenwart Christi), 1878 (den Beginn der Auferstehung der Gesalbten), 1881 (die Zeit, zu der Russell in vollem Umfang Gottes Verwalter wurde), ebenso wie für 1914, 1918 und das neueste prophetische Datum 1925, von dem es im Wacht­Turm vom (1.) Januar 1923 auf Seite 15 heißt, es werde „sogar noch schärfer von der Bibel gekennzeichnet“ als 1914. Die wichtigsten Passagen sind als Hilfe zum schnellen Auffinden unterstrichen.

Aus dem Wacht-Turm vom Juni 1922:

„Die Zeit der Ernte
Jesus sagte, dass das Zeitalter mit ernte endigen würde, und dass er zu jener Zeit gegenwärtig sein und seine Boten aussenden würde, die Auserwählten zu sammeln“ … [175]

… „(Matthäus 13, 24-30; 24, 31.) Es war zu erwarten, daß der Herr einen Zeugen auf der Erde haben würde, der zur Zeit der Ernte die Tatsache seiner Gegenwart sowie der Ernte, verkündigte. Hier ist ein weiterer Beweis, der entscheidend ist. Diese Tatsachen reden lauter als Worte. Es war Br. Russell, der die Zeit der Ernte und die Gegenwart des Herrn der Ernte verkündigte. Er war es, der zuerst durch das Land ging und ausrief: die Ernte ist gekommen; gehet auf das Feld der Arbeit. Und Tausende die den Kriegsruf vernommen haben, stimmen mit ein in die Verkündigung dieser Botschaft.
Jesus sagte deutlich, daß er zur Zeit seiner Gegenwart einen klugen [engl. Übers. weisen] und getreuen Knecht haben würde, um durch ihn dem Haushalt des Glaubens die Speise zur rechten Zeit auszuteilen. Jeder der heute eine Erkenntnis des göttlichen Planes der Zeitalter hat, muß wahrheitsgemäß antworten, daß er diese Erkenntnis dem Bibelstudium anhand von Br. Russells Schriften verdankt, und daß er vorher nicht wusste, daß Gott einen Heilsplan hat. Jeder, der sich heute des Lichts über Gottes Wort erfreut, erkennt, daß der Herr ihm die Wahrheit brachte durch die Dienstbarkeit und das Werk, welches Br. Russell unmittelbar nach erfolgter Wiederkunft des Herrn begann.“

8.2.5 Von welchem Gott stammte Russells „Weisheit“? Vom „Vater der Lüge“?, bestimmt aber nicht vom dem „Gott, der nicht lügen kann“ (Tit 1:2)

Unter der Überschrift“ Weise vor Gott“ (was auf Russell gemünzt war) ist in dem Artikel abfällig von denen die Rede, die „glauben, daß sie mehr Weisheit als andere besitzen“, und es heißt, solche äußerten gewöhnlich „Behauptungen in dogmatischer Form“. Wenige Absätze weiter fängt man an, „unbestreitbare Tatsachen“ über 1799 und 1874 vorzutragen. Was bei anderen unter Dogmatismus fällt, ist offenbar aufrichtige Überzeugung, wenn es von den Schreibern der Zeitschrift praktiziert wird.

„Weise von Gott
War Bruder Russell weise? Was die Welt unter weise versteht, besonders die weltliche Geistlichkeit, so war er es nicht. Gott sei Dank, dass er es nicht wahr. Hätte er grosse weltliche Weisheit besessen, solche wie sie von seinen Verleumdern angewandt wird, würde ihn der Herr niemals gebraucht haben. Es ist zu bemerken, dass die sogenannten, studierten Geistlichen Bruder Russell beschuldigen, dass er nicht griechische und hebräische Sprache studiert habe. Diese Anschuldigung ist wahr. Die Tatsachen beweisen ohne Zweifel, dass die Mehrzahl der Männer, die eine Kenntnis des Griechischen und Hebräischen besitzen, sich selbst zu wichtig nehmen. Sie fangen an zu denken, dass sie soviel wissen, dass sie unbedingt etwas tun müssen, was das über den Haufen wirft, was ein anderer getan hat. Sie verlassen die Wege des Herrn und vertrauen ihrem eigenen Verstand, dem Worte Gottes entgegen (Sprüche 3, 5.6) Sie sprechen und schreiben gewöhnlich in folgenden Phrasen, dass ein gewöhnlicher Verstand es nicht fassen kann; dadurch wünschen sie mit ihrem eigenen Wissen vor den Augen anderer zu glänzen. Weil sie glauben, dass sie mehr Weisheit als andere besitzen, so machen sie ihre Behauptungen in dogmatischer Form, ohne Rücksicht, ob sie richtig oder falsch sind; sie vertrauen darauf, dass ihre Aussagen von anderen heruntergeschluckt werden, weil diese nicht fähig sind, die vermutliche Weisheit zu beurteilen.“ [176]

„Unbestreitbare Tatsachen beweisen deshalb, dass die „Zeit des Endes“ im Jahre 1799 begann, dass des Herrn zweite Gegenwart 1874 begann, und dass die Ernte darauf folgte und helleres Licht auf das Wort Gottes fiel. In Verbindung hiermit lasst uns auf die Worte Jesu merken: „Wer ist nun der treue und kluge [engl. weise] Knecht, den sein Herr über sein Gesinde [engl. Haushalt] gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit? Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, also tuend finden wird. (Matthäus 24, 45. 46.)“

8.3 Wehe denen, die an der „offiziellen Wahrheit“ Zweifel zu zeigen beginnen!
8.3.1 Verunglimpfung all jener als „Ehrgeizige“, die Zweifel an der „offiziellen Wahrheit“ hegen

Einen Monat später, in der Ausgabe vom Juli 1922, zog man wieder gegen Leute zu Felde, die an den Lehren der Organisation zweifelten, und zwar mit derselben Taktik:

Dann und wann erhebt sich auch unter den Menschen irgend jemand, der dem Herrn, wenigstens für einige Zeit nachgefolgt ist, ein Mass von Schönheit der Ordnung und des Charakters und möglicherweise auch des Ansehens besitzt, der zuviel von sich selbst hält. Er wird immer mehr davon überzeugt, dass der Herr ihn berufen hat, die göttlichen Dinge zu verwalten und das Volk Gottes aus der Wüste zu führen. Wenn er auf diesem Wege fortfährt, so kommt er in seinen eigenen Gedanken zu der Überzeugung, dass der Herr einen Fehler beging, indem er Bruder Russell als jenen Knecht erwählte und dieser Zweifel führt endlich zu dem Schluss, dass Bruder Russell überhaupt nicht „jener Knecht“ war. Er beginnt anzuzweifeln, was Bruder Russell schrieb und er hebt sich selbst hervor. Er missachtet das Wort des Herrn: „Vertraue auf Jehova mit deinem ganzen Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand. Erkenne ihn auf allen deinen Wegen und er wird gerade machen deine Pfade.“ – Sprüche 3, 5. 6

Indem ein solcher die Mahnung nicht beachtet und durch den schlauen Einfluss des Widersachers geleitet wird , redet er sich selbst ein, dass es seine erste Pflicht sei, alles zu verwerfen, was Bruder Russell gelehrt hat, dass es seine Pflicht sei, den Blick der Kirche in die rechte Richtung zu lenken. Er beginnt zu schreiben und das Geschriebene durch Darstellungen auf Karten zu unterstützen, um seine Ansichten festzusetzen. Wenn er dieses anderen unterbreitet und dann darüber belehrt wird, dass seine Gedanken falsch sind, so bildet er sich ein, dass man ihn hindern will, sein Licht scheinen zu lassen und verwirft solche Belehrung.  Er ist so durchaus davon überzeugt, dass er das Volk zu belehren hat und verwerfen muss, was bisher gelehrt worden ist, indem er beginnt seine Gedanken zu veröffentlichen und die Schriften an die Geweihten zu senden. Seine Beweise scheinen solchen, die sie nur oberflächlich prüfen, passend zu sein, und zwar sind das besonders solche,  die vergessen haben, was sie gelehrt worden sind. So steigen in den Gemütern einiger derer, die solche Dinge lesen, Zweifel auf. Jetzt ist die Prüfung da.“

8.3.2 Steht die Loyalität gegenüber Russell auf selber Stufe mit Loyalität gegenüber Jesus und Gott?

Loyalität gegenüber den Lehren der Gesellschaft, die von Russell übernom­men worden waren, wurde gleichgestellt mit Loyalität gegenüber Gott und Christus. Wer die Lehren Russells ablehnt, hieß es, verwirft damit Christus. So unglaublich das klingt, diese Behauptung wird in derselben Ausgabe des Wacht-Turms genau so aufgestellt: [177]

„Jesus sagte deutlich, daß er während seiner zweiten Gegenwart in der Kirche einen treuen und klugen Knecht habe, durch welchen er dem Haushalt des Glaubens die Speise zur rechten Zeit geben würde. Wir haben überwältigende Beweise von der zweiten Gegenwart des Herrn, von der Zeit der Ernte und auch davon, daß der Dienst „jenes Knechtes“ von Bruder Russell ausgefüllt wurde. Das ist durchaus keine Menschenverehrung. Es hat nichts zu sagen, was Bruder Russell war, ob er ein Doktor, ein Mörtelträger oder ein Hemden-Verkäufer war. Petrus war ein Fischer, Paulus ein Rechtsgelehrter. Aber das ist ganz unwesentlich. Vor allen Dingen waren diese Männer auserwählte Gefäße des Herrn, unbeachtet seines irdischen Berufes war Bruder Russell vor allen Dingen der Knecht des Herrn. Darum, wenn er und sein Werk verworfen werden, so ist es gleichbedeutend mit einer Verwerfung des Herrn, nach dem Grundsatz, der vorher erwähnt wurde.“

8.3.3 Ist wirklich jeder ein Abtrünniger, der der Gesellschaft und ihrer Chronologie mißtraut? Missbrauch mit biblischen Begriffen!

Ein halbes Jahrhundert später, in den 1980er Jahren, wurde genau derselbe Gedankengang auf sogenannte „Abtrünnige“ angewendet. Damals wie heute ging es vor allem um die Zeitrechnung; sie bildete die Glaubensprü­fung, die erweisen sollte, ob jemand wirklich ein wahrer Christ war. In derselben Ausgabe des Wacht-Turms wurde auch die Warnung ausgesprochen, daß ein Anzweifeln der Chronologie der Gesellschaft, einschließlich der Jahreszahlen 1799, 1874, 1914 und 1925 schließlich „zu einer Verwer­fung Gottes und unseres Herrn Jesus Christus und des Blutes, womit wir erkauft sind“, führen würde:

„Wieder ist eine Prüfung da. Diesmal ist es wegen der Chronologie; und wer dieser Führung folgt, wird finden, daß der weg des Zweifels und des Widerspruchs zum Bezweifeln der Gegenwart des Herrn, der Zeit der Ernte, des Dienstes „jenes Knechtes“ und dessen, der diesen Dienst ausführte, der Beweis des Endes der Welt, der Aufrichtung des Königreiches, der Nähe der Wiederherstellung des Menschen und schließlich zu einer Verwerfung Gottes und unseres Herrn Jesus Christus und des Blutes, womit wir erkauft sind, führt.“

8.3.4 Dummdreiste Verteidigung der gezinkten Chronologie mit äußerst zweifelhaften Argumenten!

In jeder Nummer ging es jetzt um die Chronologie der Gesellschaft. Jeder gegenteilige Beweis wurde niedergemacht und dafür die Genauigkeit des Zeitrechnungssystems der Gesellschaft gepriesen. Das Jahr 1914 war ledig­lich ein Baustein in dem Berechnungssystem, und im Wacht-Turm hieß es hartnäckig, daß alle Jahreszahlen stimmten (einschließlich der in Verbin­dung damit erhobenen Behauptungen); sie seien das Ergebnis göttlicher Führung. Daher gebe es keinen Grund, ein einziges von ihnen anzuzweifeln. Ein Zitat aus dem Wacht-Turm vom August 1922:

„Chronologie
Wir haben in der Chronologie zweifellos das, was man nur haben kann, bezüglich der Daten 1874, 1914, 1918 und 1925. Einige erheben den Anspruch, neues Licht gefunden zu haben, und zwar in Verbindung mit der Periode, der „70 Jahre der Verwüstung und Israels Gefanggenschaft“ … [178]

… „in Babylon“; und trachten nun eifrig danach, anderen Glauben zu machen, dass Bruder Russell im Irrtum war.“

Die Leser wurden gewarnt, sich nicht leichtfertig Beweisen weltlicher Geschichtsschreibung zu öffnen, die der Chronologie der Gesellschaft widersprachen. Hervorhebenswert ist der Schluß des folgenden Absatzes:

„Einige ihrer besten Autoritäten, wie z.B. Josephus und Ptolomäus, werden manchmal als ganz unzuverlässlich erfunden. Diese Männer lebten während der ersten zwei Jahrhunderte nach Christi Geburt. Man hatte viel Schwierigkeit, ihre Urkunden in Zusammenhang zu bringen, denn vollständige Daten waren nicht zu bekommen. Zweifellos haben die Gelehrten das Beste unter den jeweiligen beschränkte Umständen getan; und ihre Arbeit wird als das Beste, was die Weltgeschichte nur zu bieten vermag, angenommen. Geschichtsschreiber haben von diesen und von anderen gewisse Daten entnommen; aber die allgemeine Annahme bedeutet keineswegs absolute Genauigkeit. Um dem Leser jedoch von ihrer Weisheit eine gewisse Überzeugung zu geben, wurden ihre Schlußfolgerungen oft in sehr positiver Sprache gemacht, und der Forscher ist geneigt, diese dann ohne weitere Prüfung anzunehmen, als wären sie Tatsachen.“

8.3.5 Welcher Gott gab Russell nun wirklich den Stempel der Anerkennung?

Man vergleiche diese Worte mit der Sprache, die dann im Wacht-Turm gebraucht wird, um andere zur Annahme des eigenen Zeitrechnungssy­stems zu bewegen:

„Der Stempel mit Gottes Anerkennung
Es war nach dieser Rechnungsweise, daß die Daten 1874, 1914, und 1918 festgelegt wurden, und Gott hat den Stempel seines Siegels über jegliche Erwartung einer Zeitrechnung aufgedrückt, Welchen weiteren Beweis hätten wir noch nötig?
Bei der Anwendung desselben Maßstabes, anfangend mit dem Einzuge der Kinder Israels in Kanaan, und die vollen 70 Zyklen von 50 Jahren zusammenzählend, wie es klar durch Jehovas Sendung der Juden nach Babylon für volle 70 Jahre angedeutet wurde, da fällt es uns nicht schwer, 1925, wahrscheinlich im Herbst, als den Anfang des gegenbildlichen Jubeljahres festzulegen. 1925 kann ebensowenig bezweifelt werden, als wie das Jahr 1914.

Die Tatsache, daß sich 1914 nicht alles verwirklichte, nach welchem ausgeschaut wurde, ändert die Chronologie nicht im geringsten. Es war sehr leicht für den begrenzten Geist, größere Schlußfolgerungen zu ziehen, daß sich nämlich alles um diesen Zeitpunkt drehe, weil dieses Datum so außerordentlich bedeutungsvoll war, und so haben viele die Neigung gehabt, mehr zu erwarten, als wie wirklich vorausgesagt worden war. So geschah es 1844, 1874, 1878 sowohl als auch 1914 und 1918. Zurückschauend können wir nun leicht erkennen, daß jene Daten, welche klar in der heiligen Schrift enthalten waren, vom Herrn zweifellos nur gegeben wurden, um Gottes Volk zu ermutigen, wie sie es auch getan haben. Andererseits waren aber auch Prüfungen und Sichtungen damit verknüpft, wenn nicht alles sich ereignete, was einige erwartet hatten, 1925 wird, als Datum, sich wiederum nicht verschieben, selbst wenn wiederum nicht alles sich ereignen wird, was einige zu erwarten sehen“ [179]

Wieder einmal wurde der Herr dafür verantwortlich gemacht, daß sich die Erwartungen hinsichtlich früherer. Endzeitprophezeiungen nicht erfüllt hatten, als ob jene Daten „vom Herrn zweifellos nur gegeben wurden, um Gottes Volk zu ermutigen“. Man sieht nichts Verkehrtes in der Annahme, Gott und Christus gebrauchten Lügen zur Ermutigung ihrer Diener. Dabei sagt uns die Bibel, daß „Gott Licht ist, und in Gemeinschaft mit ihm gibt es gar keine Finsternis“.[5] Der Gedanke, Gott oder sein Sohn könnten sich des Irrtums bedienen, um die Christen zu leiten, ist der Bibel fremd. Er dient einzig dem Zweck, die Zweifelnden einzuschüchtern und als Menschen hinzustellen, die sich über Gott beklagen.

8.3.6 Die Verschiebung nur eines einzigen Jahres innerhalb der Chronologie sei verhängnisvoll!

Großes Aufheben wurde davon gemacht, daß eine Verschiebung in der Zeitrechnung der Gesellschaft selbst um nur ein einziges Jahr verhängnis­voll wäre, daß sie „das ganze System der Chronologie über den Haufen werfen würde“.[6] Tatsache ist, daß die Gesellschaft die meisten Jahreszahlen für die vorchristliche Zeit in neuerer Zeit wesentlich verschoben hat.

Um die Korrektheit der damals als „Chronologie gegenwärtiger Wahrheit“ bezeichneten Darstellungen zu beteuern, schien kein Eigenschaftswort extrem, keine Behauptung verstiegen genug. Beim Lesen der nun folgenden Behauptungen aus dem Wacht-Turm vom Oktober 1922 muß man im Sinn behalten, daß der weitaus überwiegende Teil inzwischen verworfen wurde:

„Weiterer Beweis für die Chronologie gegenwärtiger Wahrheit
Auf mathematischem Gebiet gilt eine wohlbekannte Regel, welche man „das Gesetz der Wahrscheinlichkeiten“ nennt. Im täglichen Leben stößt man häufig auf eine Anwendung dieser Regel in solchen Fällen, in denen es sich darum handelt, zweifelhafte Fragen zu schlichten. Wenn in einer Familie mit mehreren Kindern eine gewisse Art von Unfug verübt wird, so sprechen die Wahrscheinlichkeiten – in der Tat die Gewißheit – dafür, daß ein bestimmtes Kind den Unfug verübt hat und daß die anderen es gewiß nicht getan haben. Wenn zur Nachtzeit ein einzelnes Haus in einer eigenartigen weise beschädigt wird, dann kann es nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit ein reiner Unfall oder Zufall gewesen sein; wenn aber zwei Häuser auf dieselbe Art beschädigt werden, so war es wahrscheinlich nicht ein Zufall oder Unfall, sondern die beabsichtigte Tat irgendeiner Person; wenn der Schaden aber drei oder mehr Häusern in derselben Weise zugefügt ist, so tritt die Sache aus dem Bereich der Möglichkeiten des Zufalls oder Unfalls in die Gewißheit einer beabsichtigten Tat.

   Die Chronologie gegenwärtiger Wahrheit möchte vielleicht nur ein Zufall sein, wenn nicht die Wiederholung in den zwei großen Zyklen von 1845 und 2520 Jahren da wären, welche die Sache aus dem Bereich des Zufalls herausnehmen und in das der Gewißheit bringen. Wenn es in diesen Zyklen nur ein oder zwei einander entsprechende Daten oder Zeitpunkte gäbe, so möchte dies möglicherweise ein bloßes zufälliges Zusammentreffen sein; wo sich aber die Übereinstimmung von Zeitpunkten und Ereignissen zu Dutzenden zeigen, da kann dies unmöglich“ … [180]

„durch Zufall kommen, sondern muß seinen Grund in den Plan oder Vorsatz des einen persönlichen Wesens haben, der eines solchen Planes fähig ist – Jehova selbst: und die Chronologie selbst muß richtig sein.
In den Gängen der großen Pyramide von Gizeh möchte das Übereinstimmen von ein oder zwei Messungen mit der Chronologie gegenwärtiger Wahrheit vielleicht eine Sache des Zufalls sein, aber das Übereinstimmen von Dutzenden von Messungen beweist, daß derselbe Gott sowohl die Pyramide als auch den Plan ersann – beweist aber auch zugleich die Richtigkeit der Chronologie.
Das Übereinstimmen der Chronologie mit den Messungen der Stiftshütte und des Tempels Hesekiels , stempelt ferner die Chronologie als wahr.
Auf Grund solcher und so vieler Übereinstimmungen – im Einklang mit den solidesten und erprobtesten Gesetzen, von denen die Wissenschaft Kenntnis hat – bekräftigen wir es, dass vom Standpunkt der Schrift, der Wissenschaft und der Geschichte die Chronologie gegenwärtiger Wahrheit über jeden Zweifel hinaus richtig ist. Ihre Zuverlässigkeit ist durch die Daten oder Zeitpunkte und Ereignisse der Jahre 1874, 1914 und 1918 überreichlich bestätigt worden. Die Chronologie gegenwärtiger Wahrheit ist eine sichere Grundlage, auf welche sich das geweihte Kind Gottes stützen mag, um kommende Dinge zu ergründen. 1. Petri 1, 11. 12; Johannes 16, 13.“

8.3.7 Eine Chronologie die auf den Sand der Lüge, statt auf den Fels biblischer Wahrheit gebaut ist!

In dem Artikel hieß es, die Chronologie stehe „fest und unbeweglich wie ein Fels, gestützt auf das Wort Gottes“, und es wurde betont, es handle sich hier „um Glauben an Jehova und an sein inspiriertes Wort“.[7] Beharrlich wurde der göttliche Ursprung der heute weitgehend verworfenen Chronologie hervorgehoben, und zwar seien nicht nur einzelne Teile, sondern alle“absolut zutreffend“. Sie trug den „Stempel der Anerkennung Gottes, des Allmächtigen“. So sagte der Watch Tower vom 15. Juli 1922 unter der Überschrift „Der feste Strang der Chronologie“ (Originalwortlaut siehe Anhang):

„Als erstes läßt sich feststellen, daß die Chronologie der gegenwärtigen Wahrheit­ – wie andere Chronologien – eine Kette von Jahreszahlen ist. Das heißt, man weiß, um wieviel Jahre jedes Datum nach dem vorhergehenden und vor dem folgenden liegt, wobei jeder Schritt durch die zuverlässigsten verfügbaren Beweise abgesi­chert ist. Wäre das aber schon alles, was an Beweis für die Glaubwürdigkeit der Chronologie vorzubringen ist, dann könnte man sie nicht mit Recht als zuverlässi­ger als die weltlichen Chronologien bezeichnen. Bis hierher ist sie eine Kette, die nicht starker ist als ihr schwächstes Glied. Die Jahreszahlen der Chronologie der gegenwärtigen Wahrheit stehen aber, so läßt sich nachweisen, in einem festen Verbund miteinander. Diese inneren Zusammenhänge verleihen der Chronologie eine viel größere Stabilität, als das bei anderen der Fall ist. Zum Teil sind sie von so bemerkenswerter Art, daß daraus klar erkennbar wird, hier handelt es sich um eine Chronologie von Gott lind nicht von Menschen. Dadurch, daß die Chronologie der gegenwärtigen Wahrheit göttlichen Ursprungs ist und von Gott bestätigt wurde, bildet sie eine Kategorie für sich allein, als absolut und uneingeschränkt zutreffend. [181]

UNBESTREITBAR FESTSTEHEND
Wenn eine Jahreszahl durch mehrere Beweislinien gestützt wird, dann steht sie als gesichert fest. Das wissenschaftliche Gesetz der Wahrscheinlichkeiten verleiht den Strängen der Chronologie eine viel größere Festigkeit, als dies mehrere einzelne Beweislinien insgesamt tun könnten. Auf diese Gesetzmäßigkeit verläßt man sich in wichtigen Fragen uneingeschränkt. Gibt es nämlich für einen Sachverhalt nur einen einzigen Indizienbeweis, so könnte es sich auch um einen Zufall handeln; liegen zwei Beweise vor, so kann man ihn fast sicher als wahr annehmen; und gibt es mehr als zwei Beweise, so ist es gewöhnlich unmöglich, daß es sich um ein Zufallsergebnis handelt oder daß der Sachverhalt nicht wahr ist. Liegen zusätzlich noch andere Beweise vor, so wird aus der Wahrscheinlichkeit feststehende Gewißheit. Vor Gericht findet dieser Grundsatz in den gewichtigsten Angelegenheiten tagtäg­lich von neuem Anwendung. Die Aussage eines einzelnen Zeugen läßt sich anzweifeln, doch die von zwei oder drei hißt die Wahrheit als unbestreitbar feststehen. ,Durch zweier oder dreier Zeugen Mund soll jede Sache festgestellt werden‘ (2. Korinther 13:1). Bei der Chronologie der gegenwärtigen Wahrheit gibt es zwischen den Jahreszah­len so viele Verknüpfungen und Wechselbeziehungen, daß es sich nicht mehr lediglich um eine Kette, sondern umeinen starken Strang von Jahreszahlen handelt. aus einzelnen kleineren Strängen fest zusammengefügt. Da“ Ganze ist ein von Gott zu einer Einheit verwobenes System, in dem die meisten Jahreszahlen eine auffällige Beziehung zu anderen haben. Damit ist erwiesen, daß das System nicht von Menschen stammen kann.

BEWEIS FÜR GÖTTLICHEN URSPRUNG
Es wird klar gezeigt werden, daß die Chronologie gegenwärtiger Wahrheit unbe­streitbare Beweise für das Vorauswissen Gottes um die Hauptdaten bietet und daß darin der Beweis für ihren göttlichen Ursprung liegt, sowie damit, daß es sich bei dem System nicht um eine menschliche Erfindung, sondern um die Entdek­kung einer göttlichen Wahrheit handelt. Der Beweis besteht in den vielen inneren Beziehungen zwischen den Daten. Ohne diese Beziehungen bestünde kein Unterschied zwischen dieser Chronologie und weltlichen Systemen, doch mit ihnen, so glauben wir, trägt sie den Stempel der Anerkennung Gottes, des Allmächtigen.“ Um den göttlichen Ursprung des vorgelegten chronologischen Systems zu beweisen, stützte man sich vor allem auf Parallelen. Dabei wandte man parallele Zeitabläufe von 1845 Jahren und von 2520 Jahren auf etliche Jahreszahlen und geschichtliche Ereignisse an. In der eben zitierten Ausgabe des Watch Tower heißt es über dieses System der Parallelen: „Parallelen dieser Art beweisen den göttlichen Ursprung der Chronologie gegenwärtiger Wahrheit, denn in ihnen zeigt sich ein Vorherwissen. Im angeführten Beispiel sind die Spaltung Israels und die der Christenheit, die 2520 Jahre auseinander liegen, ein Beweis dafür, daß bei der Zulassung der ersteren die letztere vorhergewußt wurde. Dem ist so, weil zwischen den beiden Ereignissen eine Beziehung hinsichtlich des Zeitpunkts und der Art besteht. Findet man heraus, daß es eine ganze Reihe oder ein System paralleler Daten gibt, von denen jeweils zwei 2520 Jahre auseinander liegen, wird das Vorherwissen offensichtlich. Es wäre absurd, wollte man behaupten, der aufgedeckter Zusam­menhang sei nicht das Ergebnis göttlicher Fügung, Gott allein verfügt über ein solches Vorauswissen, und das beweist, daß er die Zeiten und Ereignisse überwaltete, [182] so daß sie zu einem wunderschönen, harmonischen Ganzen verwoben wurden, zu großartig, um das Ergebnis eines Zufalls oder eine Erfindung von Menschen zu sein“

Obwohl das System von Parallelen so offensichtlich dem göttlichen Vorher­wissen entstammte und es „absurd“ wäre, dessen Zuverlässigkeit und Bedeutung zu leugnen, hat die Organisation es inzwischen gänzlich ver­worfen.

8.4 Lügen bedingen stets neue Lügen, wenn die alten sich als das erweisen, was sind!
8.4.1 Die zentrale Rolle der Organisation Watchtower am Kongreß in Cedar Point 1922 ins rechte Licht gerückt: Die alleinigen Vertreter des Königs, der seit 1878 „gegenwärtig“ sei! Nun wird aber das Jahr 1914 ins Zentrum gerückt.

Alle diese Artikel, in denen man sich so bemühte, jeden Zweifel an den Endzeitvoraussagen zu unterdrücken, die eine so zentrale Rolle in den Lehren der Organisation spielten, sollten die Leser des Wachtturms anscheinend auf ein bevorstehendes Ereignis vorbereiten. Offenbar sollte damit eine bestimmte Erwartungshaltung vor dem Kongreß in Cedar Point (Ohio) aufgebaut werden, der in jenem Jahr stattfand. Auf diesem Kongreß im Jahr 1922, der immer wieder als Meilenstein in der Geschichte der Organisation hervorgehoben wird, ging es im Hauptvortrag um genau die Dinge, für die in den Artikeln im Wachtturm bereits der Grund gelegt war. Die Organisation zitiert heute einen kleinen Ausschnitt aus diesem Vortrag, um damit das Jahr 1914 zu stützen. Dabei unterschlägt sie die Tatsache, daß die Jahre 1799 und 1874 in den Gedankengängen eine ebenso große Rolle spielten und die Zuhörerschaft genauso zu den angestrebten Schlußfolgerungen führen sollten. Das zeigen die folgenden Redeauszüge, die dem Wacht-Turm vom 15. Januar 1923 entnommen wurden:

„Biblische Prophezeiungen zeigen, daß zweite Geschehen des Herrn im Jahre 1874 zu erwarten sein würde. Die in Erfüllung gegangenen Prophezeiungen zeigen über jede Zweifel hinaus, daß er im Jahre 1874 wirklich zurückkehrte. Die Erfüllung von Prophezeiungen zeigt sich in offenkundigen Erscheinungen oder Tatsachen, und diese Tatsachen sind unbestreitbar. Alle treuen Wächter sind mit diesen Tatsachen vertraut, wie sie in der Schrift dargelegt, und wie sie in der von dem besonderen Knecht des Herrn gegebenen Auslegung klargemacht sind.
Jesus selbst erklärte, daß er in der Zeit seiner Gegenwart unter dem Volke ein Erntewerk leiten, während dessen er die Treuen und ihm Gegebenen zu sich einsammeln würde. Seit einer Reihe von Jahren ist dies Werk im Gang gewesen und nähert sich seiner Vollendung. Jesus erklärte ferner, daß er während seiner Gegenwart jemanden haben werde, welcher das Amt eines treuen und klugen Knechtes ausfüllte, durch welchen der Herr seinem Volke Speise zur rechten Zeit bringen würde. Alle Tatsachen beweisen, daß diese Prophezeiungen in Erfüllung gegangen sind.

Tag der Vorbereitung
Warum ist der König gekommen? In dem Zweck, um sein Königreich aufzurichten und als König zu herrschen. Er hatte aber ein besonderes Werk zu tun, ehe seine Herrschaft begann, und dies besondere Werk ist ein Werk der Vorbereitung. Da die Glieder seines Leibes mit ihm an seiner Herrschaft teilhaben sollen, so müssen diese vorher eingesammelt werden. Die Zeiten der Nationen unter der Kontrolle des Fürsten dieser Welt endeten endeten am 1. August 1914. Vor diesem Zeitpunkt wäre es für den Herrn, den König der Herrlichkeit, nicht richtig und nicht gut möglich gewesen, seine große Macht an sich zu nehmen und zu herrschen (Hesekiel 21:32 – nach der Elberfelder Bibel; Parallelbibel, Luther und Schmoller 21:27.) Da der Herr seit 1874 gegenwärtig gewesen ist, so geht aus den tatsächtlichen Beweisen, wie wir sie jene erkennen, hervor, daß die Zeit von 1874 bis 1914 der Tag der“ … [183]

„Vorbereitung ist. Dies vergrößert in seiner Weise gegen den Gedanken, daß die “Zeit de Endes” von 1799 bis 1914 läuft. Betreffs der Zeit von 1799 bis 1874 konnte nicht gesagt werden, daß es ein Tag der Vorbereitung war, sondern ein Tag zunehmenden Lichtes. Es ist vernunftwiedrig zu dem Schluß zu kommen, daß der König mit dem Werk der Vorbereitung begann, ehe er gegenwärtig war.
Sechstausend Jahre lang hat Gott dieses Königreich vorbereitet. Seit neunzehnhundert Jahren hat er die Königreichsklasse aus der großen Menschenwelt herausgesammelt. Seit 1874 ist der König der Herrlichkeit gegenwärtig gewesen , und während dieser Zeit hat er ein großes Erntewerk verrichtet und hat die Tempelklasse zu sich eingesammelt, Seit 1914 hat der König der Herrlichkeit seine Macht an sich genommen und herrscht. Er hat die Lippen der Tempelklasse geläutert und sendet sie hinaus mit der Botschaft. Die Wichtigkeit der Botschaft des Königreiches kann nicht stark genug hervorgehoben werden. Es ist die Botschaft aller Botschaften. Es ist die Botschaft des Tages, ja, die Botschaft der Stunde. Es ist die Pflicht derer, welche des Herrn sind, sie in alle Welt hinauszurufen. Das Königreich der Himmel ist nahe gekommen; der König regiert; Satans Reich bricht zusammen; Millionen jetzt Lebender werden nie sterben.

Glaubt ihr es? Glaubt ihr, daß der König der Herrlichkeit gegenwärtig ist, und daß er seit 1874 gegenwärtig gewesen ist? Glaubt ihr daß er während dieser Zeit sein Erntewerk geleitet hat? Glaubt ihr, daß er während dieser Zeit einen treuen und klugen Knecht gehabt hat, durch welchen er sein Werk leitete und den Haushalt des Glaubens mit geistiger Speise versorgte? Glaubt ihr, daß der Herr jetzt in seinem Tempel ist, die Nationen der Erde richtend? Glaubt ihr, daß der König der Herrlichkeit seine Herrschaft begonnen hat?
Dann zurück in das Feld o ihr Söhne des höchsten Gottes! Umgürtet euch mit eurer Waffenrüstung! Seid nüchtern, seid wachsam, seid tätig, seid tapfer! Seid treue und glaubensstarke Zeugen für den Herrn! Seht mutig vorwärts in dem Kampfe, bis jede Spur Babylons wüst und öde gemacht ist! Verkündet die Botschaft weit und breit! Die Welt muß es wissen, daß Jehova Gott ist, und daß Jesus Christus König der Könige und Herr der Herren ist! Dies ist der Tag aller Tage. Siehe, der König regiert! Ihr seid seine öffentlichen Verkündiger, um seine Botschaft überallhin bekannt zu machen, Deshalb verkündet, verkündet, verkündet den König und sein Königreich.
Diese Ansprache mit ihren glühenden Aufrufen zur Loyalität gegenüber den Lehren und der Chronologie Pastor Russells ist bedeutsam, da sich in ihr allen Beschwörungen zum Trotz gerade die ersten Anzeichen eines allmäh­lichen Abrückens von diesen Lehren zeigen. Russell hatte in Band 2 derSchriftstudien, betitelt Die Zeit ist herbeigekommen, gelehrt:
„Da das Jahr 1878 die Parallele der Zeit ist, da er (Christus I im Vorbilde seine Macht und Autorität [an) sich nahm, so bezeichnet es die Zeit für das thatsächliche Ansichnehmen der Gewalt als König der Könige von seiten unseres gegenwärtigen, unsichtbaren Herrn – die Zeit, da er seine große Gewalt an sich nahm, um zu herrschen.““

Diese – unsichtbaren – Ereignisse verschob Rutherford in seiner Ansprache in Cedar Point von 1878 auf 1914, ein Jahr, das nichts von dem gebracht hatte, was man vorausgesagt und erhofft hatte. Damit war der Anfang gemacht. Nach und nach sollten fast alle Ereignisse, denen man Jahreszah­len vor 1914 zugewiesen hatte, auf 1914 oder danach verschoben werden.

8.4.2 Der Jubeljahrzyklys von je 50 Jahren sollte auf das Jahr 1925 fallen: Das grosse Jubeljahr! Den Juden wurde Hoffnung gemacht Gottes Wohlwollen erneut zu erlangen

Gemäß der Broschüre Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben lehrte die Organisation nun, daß der Jubeljahrzyklus (der nach dem [184] mosaischen Gesetz aus Abschnitten zu je 50 Jahren bestand, von denen jeweils das fünfzigste ein Jubeljahr war), auf das Jahr 1925 als den Zeitpunkt hinwies, in dem die Herrschaft Christi vollständig offenbar werden und die Propheten der alten Zeit auf die Erde zurückkehren sollten. Im Jahr 1924 veröffentlichte die Organisation ein Buch für junge Menschen, betitelt Der Weg zum Paradiese. Man beachte, in welch zuversichtlichem Ton dort den jungen Leuten diese Voraussagen vorgetragen wurden, auch die Wiederherstellung des irdischen Jerusalem als Hauptstadt für die Menschheit gehörte dazu:

„214 Der Weg zum Paradiese
Demütigung für die Juden sein, wenn sie erkennen werden, was sie verfehlt haben
Das Bürgerliche oder zivile Jahr der Juden beginnt im Herbst, ungefähr an unserem 1.Oktober. Das Jahr 1926 würde darum ungefähr am 1.Oktober 1925 beginnen. Es würde darum ganz vernünftig sein, zu erwarten, daß kurz nach diesem Zeitpunkt die Gnade Gottes zum jüdischen Volke zurückkehrt. Viele Juden schauen heute schon voller Verlangen nach ihrem alten Heimatlande Palästina. Gottes Zeit , für welche er die Herrschaft der Nationen zugelassen hatte, war, wie wir bereits gesehen haben, im Jahre 1914“ … [185]

8.4.3 Auferstehung von vorchristlichen Fürsten für 1925 auf der Erde vorausgesagt

„Fürsten auf der ganzen Erde 215

abgelaufen. Da nun das jüdische Volk als Nation die Gunst Gottes verlor, als es Jesus kreuzigte, und seit 1914 die Nationen von Gott nicht mehr als Nationen anerkannt werden, wird Christus bald beginnen, mit jedem einzelnen Menschen zu handeln, und zwar wird er zuerst mit den Juden durch die alten Überwinder beginnen. Wir dürfen darum bald nach 1925, dem letzten vorbildlichen Jubeljahr, die Auferweckung von Abel, Henoch, Noah, Melchisedek, Abraham, Isaak, Jakob, Hiob, Moses, Samuel, David, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, Johannes dem Täufer und vielen anderen erwarten, die im 11. Kapitel des Hebräerbriefes erwähnt werden.
Diese werden gewissermaßen auf der Erde den Kern des neuen Königreiches bilden. Eines der ersten Dinge die geschehen müssen, wird sein, Jerusalem zur Hauptstadt der Welt herzurichten. Das wird ein großes Werk sein, aber es wird auch viele willige Arbeiter geben. Die Zeitungen berichten uns, wie sich die Aufmerksamkeit bereits auf Palästina richtet und wie Tausende von Juden versuchen dorthin zurückzukehren. Durch Anlegen besserer Straßen und Anbau von Feldern ist bereits ein beträchtliches Werk getan worden. Wir dürfen jedoch nicht erwarten, daß viel systematische Arbeit begonnen werden wird, ehe die „Fürsten“ auferstanden sind und ihren Platz eingenommen haben.

Von der Hauptstadt eines Landes sollte es eine breite und schnelle Verbindung nach allen Teilen des Landes geben. Wenn Jerusalem die Hauptstadt der Welt sein wird, muß es von dort eine schnelle Verbindung nach allen Richtungen geben. Das Königreich Christi soll in 1000 Jahren alles Böse entfernen, das in 6000 Jahren entstanden ist. Die althergebrachten Methoden werden dabei nicht genügen. Schon sehen wir große Veränderungen vor sich gehen. Mittels der drahtlosen Telegraphie und des Radios können jetzt Botschaften um die ganze Erde getragen [216] werden und bis die Fürsten auferstanden sein werden, werden diese Erfindungen noch bedeutend vervollkommnet sein.
Es wird dadurch die ganze Menscheit sozusagen „in einem Raume“ sein. Was soll das heißen? Wenn wir Jesaja 2:3 und Sacharja 14:16, 17 lesen, sehen wir, daß es ein Leichtes für alle Völker sein wird „nach Jerusalem hinauf zu ziehen“. Die Fürsten werden leicht ihre Anweisungen in alle Teile der Erde senden können. Wir können uns vorstellen, dass alle Völker, wenn z.B. Abraham einige allgemeine Belehrungen zu geben haben wird, aufmerksam seinen Worten lauschen werden, ganz als ob“… [186]

… „er in einem Saale von einer Rednertribüne aus zu ihnen reden würde.
Wenn jemand wünschen wird, Jerusalem zu besuchen und die Fürsten von Angesicht zu sehen, oder wenn die Fürsten andere Erdteile besuchen wollen, werden vollkommene Fahrzeuge, vielleicht Aeroplane bereit sein, in denen man in kürzester Zeit von allen Teilen der Erde nach Jerusalem oder umgekehrt gelangen kann. Es wird in der Tat eine neue Welt sein, herrlich gemacht, in jeder Beziehung – Sacharja 14:20, 21; Offenbarung 21; Psalm 72 und 145.
Die Alttestamentlichen Überwinder werden aber auch, wenn es nötig ist, „die eiserne Rute“ gebrauchen, um die Eigensinnigen und Ungehorsamen zurecht zu bringen. Alle werden lernen müssen, daß keine Ungerechtigkeit mehr zugelassen ist, denn Gerechtigkeit wird die Grundlage des neuen Königreiches sein. – Psalm 37:1, 2, 9, 10, 38.

Zweifellos werden viele Knaben und Mädchen, die dieses Buch lesen, es erleben, wenn Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Moses und viele andere der treuen Männer der alten Zeit in der Herrlichkeit ihrer „besseren Auferstehung“ hervorkommen werden, vollkommen an Geist und Leib. Es wird nicht lange dauern, bis sie der Christus ihrer Macht- und Ehrenstellungen als seine irdischen Vertreter [217] einsetzen kann. Zwar wird ihnen die Welt mit ihren Einrichtungen zuerst fremd sein, aber sie werden sich bald an alle Neuerungen gewöhnen. Zuerst werden sie viele merkwürdigen Überraschungen erleben, denn sie sahen nie zuvor Dampfmaschinen, Automobile, elektrisches Licht, Telephon, Flugmaschinen, Luftschiffe, Radio und viele andere Dinge, an die wir gewöhnt sind.
Welch ein Vorrecht haben wir, zu dieser Zeit leben und das Ende der alten Ordnung , sowie das Kommen der neuen Weltordnung sehen zu dürfen! Von allen bisherigen Zeiten der Geschichte der Erde ist die heutige die Wunderbarste.“

Es ist wohl nicht nötig, eigens zu betonen, daß die Jugendlichen, an die diese Schrift gerichtet war, heute alte Menschen sind, Männer und Frauen von weit über siebzig oder achtzig Jahren.

8.4.4 Erneuter Reinfall im Jahre 1925: Zieht ein chronischer Lügner daraus Rückschlüsse?

Wenn auch die Gesellschaft ab und zu den griffigen Slogan „Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben“ noch verwendet und darauf hin­weist, daß die Zahl der Zeugen Jehovas jetzt in die Millionen geht, so verfälscht sie damit doch das Gesagte. Die Behauptung, „Millionen jetzt le­bender Menschen werden nie sterben“, bezog sich nicht auf Menschen in den 1990er Jahren, sondern in der ersten Hälfte der 1920er Jahre, Damals lebte nur ein Bruchteil der über fünf Millionen Zeugen Jehovas von heute. Nur wenn die Zahl der über 70 Jahre alten Zeugen Jehovas heute über zwei Millionen läge, ließe sich dieser Voraussage ein Anschein von Richtigkeit geben. [187]

Das Jahr 1925, auf das sich der Slogan und die Voraussagen stützten, brachte nichts von den vorhergesagten Dingen. Die Lehre hatte keinen Gehalt, sie war reine Schaumschlägerei, ein prophetisches Phantasiegebilde.

Und trotzdem war alles, was im Wachtturm und anderen Schriften erschien, angeblich „Speise zur rechten Zeit“, die Gott durch seinen Mitteilungskanal zur Verfügung stellte, der behauptete, er stünde unter der besonderen Leitung und Billigung Jesu Christi, des jetzt regierenden Königs. Man sprach, so hieß es, als Gottes“ wahrer Prophet“.

Daß aber 1925 verstrich und die neuesten Voraussagen sich als falsch erwiesen, zeigte, daß die Voraussagenden sich nicht als“ treuer und verstän­diger Sklave“ erwiesen hatten. Sie hatten sieh nicht treu und bescheiden an Gottes Wort gehalten, dem allein Ausdrücke wie „unbestreitbar“, „absolut und uneingeschränkt zutreffend“, „unbestreitbar feststehend“ zukommen. Ebensowenig war es verständig, derartig dogmatische Behauptungen jahre­lang weltweit auszuposaunen, wie Rutherford es letztlich auch zugab, als er eingestand, sich lächerlich gemacht zu haben.

Die einschüchternde Sprache, die im angeblichen „Kanal“ Gottes, dem Wachtturm, gebraucht wurde, der Vorwurf des Ehrgeizes, des Stolzes und der Untreue gegenüber Christus, gerichtet gegen die, die diesem vermessenen Weg nicht folgen mochten, all das sorgte sicherlich dafür, daß die Mehrzahl ihrem Führer mit seinen, wie er zugab, lächerlichen Behauptun­gen die Stange hielt. Viele aber glaubten, einem so verantwortungslosen Weg nicht mehr folgen zu können, und so erlitt die Organisation nach 1925 einen starken Rückgang in der Zahl ihrer Anhänger.[8]

Wie wird die Situation des Jahres 1925 in den Veröffentlichungen der Organisation heute dargestellt? Im Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1975 wurde das Problem nicht bei der Organisation gesehen, die die Information verbreitete, sondern bei den „Brüdern“, die sie lasen:

Das Jahr 1925 kam und verstrich. Die gesalbten Nachfolger Jesu wa­ren als Gruppe immer noch auf der Erde. Die Treuen der alten Zeit – Abraham, David und andere – waren nicht auferweckt worden, um Fürsten auf der Erde zu sein (Ps 45:10). Anna MacDonald erinnert sich: Das Jahr 1925 war für viele Brüder ein trauriges Jahr. Einige strauchelten; ihre Hoffnungen waren enttäuscht worden. Sie hatten gehofft, daß einige der alttestamentlichen ‚Überwinder‘ auferstehen würden. Statt dies als eine Wahrscheinlichkeit anzusehen, lasen sie hinein, daß dies mit Sicherheit kommen würde, und manche bereiteten alles für ihre lieben Angehörigen vor, da sie deren Auferstehung erwarteten.

Läßt sich dieses Abschieben der Verantwortung auf die „Brüder“, die sich so große Hoffnungen gemacht hätten und dann enttäuscht worden seien, im geringsten rechtfertigen, wenn man all die hier ausgebreiteten Belege aus dem Wachtturm kennt? [188] Im Jahrbuch 1980 (das im selben Jahr herauskam, in dem Präsident Franz den Mitarbeitern des Hauptbüros von Rutherfords persönlicher Bemerkung berichtete) wird die Angelegenheit in ähnlich schiefem Licht dargestellt.

Dort wird von einem Besuch Rutherfords anläßlich eines Kongresses in der Schweiz im Mai 1926 berichtet, bei dem auch eine Fragestunde stattfand. In dieser kam unter anderem folgendes zur Sprache:

Frage: Sind die Alttestamentlichen Überwinder schon auferstanden?

Antwort: Sicherlich sind sie noch nicht auferstanden. Niemand hat sie gesehen. Es wäre töricht, eine gegenteilige Behauptung aufzustellen. Im Millionen- und Trostbüchlein wurde gesagt, daß man sie vernünftigerweise kurz nach 1925 erwarten dürfe. Aber dies wurde nur als Meinung aus­gesprochen.

Jeder hat das Recht, Ansichten zu äußern. Doch Männer, die den Anspruch erheben, das Sprachrohr Gottes auf Erden zu sein, haben mit Sicherheit nicht das Recht, etwas als Privatmeinung auszugeben und dabei zu behaup­ten, ihre Worte würden durch die Bibel gestützt und seien als ihr ebenbürtig anzunehmen. Wenn man auf der ganzen Welt Äußerungen als Gottes Botschaft an die Menschheit verbreitet, als „geistige Speise zur rechten Zeit“, dann sind diejenigen, die sie veröffentlichen, weder treu noch verständig, wenn sie verantwortungslos unwahre Ansichten von sich geben, hartnäckig an ihnen festhalten und andere herabsetzen, die nicht ihrer Meinung sind, oder, schlimmer noch, deren Treue und Ergebenheit gegen­über Gott in Zweifel ziehen.

Im Jahr 1930 ließ die Organisation in San Diego [Kalifornien] ein Gebäude errichten, das Beth Sarim genannt wurde. In dem Buch Die Neue Welt, geschrieben von Fred Franz, steht darüber:

Der Herr Jesus ist nun als Richter zum Tempel gekommen, und die Überrestglieder seines „Leibes“, die noch auf Erden weilen, sind in den Tempelzustand der vollkommenen Einheit mit ihm versammelt worden. (Maleachi 3:1-3) Demzufolge können jene treuen Menschen der alten Zeit_jetzt irgendwann zurückerwartet werden. Die Heilige Schrift gibt guten Grund zu dem Glauben, daß dies kurz vor dem Ausbruch Harmagedons ge­schehen werde. In dieser Erwartung ist im Jahre 1930 in San Diego Kalifornien ein Haus gebaut worden, über welches die religiösen Feinde in der breiten Öffentlichkeit böswillig vieles geredet haben. Es trägt den Namen „Beth Sarim“, was „Haus der Fürsten“ bedeutet. Zur Zeit wird es als Wohnstätte für die [189] zurückkehrenden Fürsten verwaltet. Die jüngsten Geschehnisse zeigen, daß die Religionisten der gegenwärtigen, dem Untergang geweihten Welt we­gen des Zeugnisses, das durch dieses  „Haus der Fürsten“ für die neue Welt gegeben wird, mit den ,Zähnen knirschen‘. Diese Religionisten und ihre Bundesgenossen wird es nicht freuen, daß jene treuen Menschen der alten Zeit zurückkehren, um nach Recht und Gerechtigkeit über das Volk zu herrschen.„[9]

Im Jahr 1941, gerade 16 Jahre nach 1925, versicherte Präsident Rutherford als leitender Kopf der Organisation auf einem Kongreß in St. Louis (Mis­souri) – in einem zurückliegenden Kapitel war davon bereits die Rede – jungen Menschen von neuem, sehr bald würden die treuen Mariner und Frauen aus biblischen Zeiten zurückkehren. Sie würden den jungen Leuten bei der Wahl ihrer Ehegefährten zur Seite stehen, so daß es ratsam wäre, nicht vorher zu heiraten. Im Watchtower, der über diesen Vortrag berich­tete, wurde das bei diesem Anlaß freigegebene Buch Kinder bezeichnet als „das Werkzeug, das der Herr für ihren wirkungsvollsten Einsatz in den vor Harmagedon verbleibenden Monaten zur Verfügung gestellt hatte“.

Annähernd 300 Monate später, im Jahr 1966, tauchte ein neues Datum auf: 1975. [190]

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[1] Jesaja 5:20.

[2] Im Kommentar zu Kapitel 24:25, 26 heißt es im englischen Original: „Und im Jahr 19I8, wenn Gott die Kirchen … “ (englischer Text siehe Anhang).

[3] In der viertletzten Zeile dieses Zitats heißt es in der englischen Ausgabe nicht: „dürften die drei Jahre darstellen, während welcher …“, sondern: „stellen die drei Jahre von 1917 bis 1920 dar, während welcher …“ (sieheAnhang),

[4] Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 98, 100, 104

[5] 1. Johannes 1:5.

[6] Wacht·Turm Oktober 1922, S. 156.

[7] Wacht-Turm Oktober 1922, S. 157.

[8] Unter ihnen war Alvin Franz, der Bruder meines Vaters und der Jüngste der vier Söhne der Familie Franz. 

[9] Einige Jahre nach Herausgabe des Buches im Jahre 1942 wurde das Haus verkauft. Auf einem großen Kongreß der Zeugen Jehovas 1950 im Yankee Stadium in New York hielt Fred Franz eine Ansprache, in der die angekündigte Wiederkehr der „Fürsten“ vor Harmagedon offiziell fallengelassen wurde; dafür sagte man jetzt, die von der Gesellschaft in den Versammlungen ernannten Diener erfüllten diese Fürstenrolle bereits.