Geheime Richtlinien der Kreisaufseher

Über einen vermutlich tief frustrierenden Kreisaufseher ist ein hochbrisantes internes Dokument veröffentlicht worden, das die Wachtturm-Gesellschaft lieber geheim gehalten hätte.

Es handelt sich um die internen Anweisungen der Gesellschaft für die dortigen Kreisaufseher, die sehr detailliert auf insgesamt 130 Seiten niedergelegt worden sind.

Praktischerweise folgen an dieser Stelle nur einige ausgewählte Passagen, bei denen man annehmen kann, dass sie für einen breiteres Publikum von Interesse sind, jedoch gibt es die gesamten Anweisungen am Ende des Artikels per Datei (pdf) zum Download.

Nur Kenntnis, wenn nötig
Das Dokument beginnt mit der üblichen Bemerkung,

“ … dass es sich um ein geistiges Eigentum der Wachtturm Bibel und Traktatgesellschaft von Pennsylvania handelt, das (nur) den ernannten Kreisaufsehern und ihren Stellvertretern zugänglich gemacht wird und das keinen Dritten zur Einsicht überlassen werden darf. Wenn ein Kreisaufseher oder Stellvertreter aus dieser Funktion ausscheidet, soll er seine Kopie ebenso vernichten wie alle elektronischen Ausfertigungen.“ (Einführung – Punkt 4)

Begrenzte Dienstzeit
Die Anweisung der Gesellschaft macht keinen Hehl daraus, dass es eine Altersgrenze für den Dienst als Kreisaufseher gibt. Dieser Personenkreis kann damit rechnen, dass er nach dem Erreichen des 70ten Lebensjahrs aus dieser Funktion abberufen wird.

Das Zweigbüro hat ein Interesse am Wohlergehen aller Kreisaufseher. Aus diesem Grund wird ein Kreisaufseher an dem 1. September, der am Ende des Dienstjahres, in dem er 70 Jahre alt wird folgt, als Sonderpionier eingesetzt. Diese Regelung gilt auch, wenn er den Turnus von drei Jahren in dieser Funktion nicht abgeschlossen hat.(Kapitel 2 – Punkt 6)

Es mutet seltsam an, wenn derartige Altersregelungen in einer Organisation verfügt werden, in der das älteste Mitglied der leitenden Körperschaft, Samuel Herd, in diesem Jahr 81 Jahre alt wird, während Versammlungskoordinatoren nicht älter als 80 Jahre sein können.

Fragwürdige Korrespondenzregelungen
Bist Du ein Kreisaufseher oder ein anderer Amtsinhaber, der es liebt und gewohnt ist, für seinen Schriftverkehr einen Briefkopf zu verwenden, der auf seine Funktion hinweist? Wenn ja, gibt es Regelungen die beachtet werden sollten:

Korrespondenz sollte nicht auf Briefpapier mit einem Briefkopfdesign, der ähnlich dem ist, der durch die Geschäftsstelle der Gesellschaft verwendet wird. Diese Richtlinie gilt auch für Schreiben von Kreisaufsehern bei ihrer Korrespondenz mit den Versammlungen. Einige Personen könnten zu Unrecht zu dem Schluss kommen, dass es sich um Schreiben offizieller Art handelt, die von der Gesellschaft herausgegeben worden sind. Wenn es Versammlungen gibt, die mit fragwürdigen Briefköpfen korrespondieren, sollten die Ältesten entsprechend angewiesen werden.(Kapitel 5 – Punkt 3)

Betrachte Dich hiermit als belehrt!

Hinterlasse keine Spuren im Fall von Kindesmissbrauchsfällen
Wenn Sie eine geheime Sekte mit einem negativen Ruf für die Vertuschung und Kindesmissbrauch sind, ist das Letzte, was Sie wollen, den Kritikern und Strafverfolgern mehr Nachweise ihrer Fahrlässigkeit zu liefern. So kann es nicht verwundern, dass die Kreisaufseher entsprechende Anweisungen erhalten

Wenn es für die Kreisaufseher notwendig wird, im Hinblick auf andere Angelegenheiten Entscheidungen der Gesellschaft einzuholen oder an sie zu berichten, sollte dies klar, spezifisch, faktenbasiert und vollständig berichtet werden. Relevante Details wie Namen, die Abfolge der Ereignisse und, falls möglich, Zeitangaben sollten aufgeführt werden. Die Kommunikation im Zusammenhang mit Kindesmissbrauchsangelegenheiten sollen über Telefon erfolgen.(Kapitel 5 – Punkt 4)

Sehr intelligent, weil es nicht sehr transparent ist und etwas, was ein misstrauisch werden lässt.

Vermeide Wiederholungen
Wenn Sie ein Kreisaufseher sind und Ihre Reisetätigkeit beginnt ein wenig eintönig zu werden, vermeiden Sie es, dies in Ihren regelmäßigen wöchentlichen Berichten durchscheinen zu lassen.

Kreisaufseher sollten es vermeiden, die gleichen Kommentare jede Woche in ihren Berichten abzugeben. Jede Versammlung verfügt über einzigartige Eigenschaften und zeigt einen bestimmten Geist. Die Botschaften von Jesus an die sieben Versammlungen im Kleinasien des ersten Jahrhunderts verdeutlichen, dass jede Versammlung ihre Stärken und Schwächen hat. (Offenbarung, Kapitel 3) Beschreibungen mit identischem Wortlaut, die gewohnheitsmäßig in Berichten erscheinen, sind nicht geeignet.(Kapitel 5 – Punkt 14)

Kreativität und ein gutes Vokabular sind der Schlüssel beim Abfassen der Berichte zum Versammlungsbesuch.

Beurteilungen sind eine besondere Angelegenheit
Es wäre keine sehr gute Sekte, wenn es nicht um das Ausfüllen von Formularen ginge, mit deren Hilfe Menschen einander beurteilen und sich gegenseitig ausspionieren. Dies ist auch ein wichtiger Bestandteil der Dienstanweisung des Kreisaufsehers:

Beim Ausfüllen eines persönlichen Leistungsberichts, sollten Kreisaufseher spezifische Kommentare abgeben und klar hervorheben, für welche Aufgaben der Einzelne gegenwärtig qualifiziert ist und welches Potenzial er für künftige Verwendungen hat. Stellvertretende Kreisaufseher sollte keine bewertenden Berichte über Personen abgeben. (Kapitel 5 – Punkt 16) … Die Zweigstelle überwacht und bewertet die Fortschritte aller temporären Sonderpioniere und der ausgewählten regulären Pioniere, die die Schule für Königreichsverkünder besucht haben. Dieses Auswertungsprogramm dauert nicht länger als drei Jahre nach dem Abschluss des Programms der Aufnahme der vorübergehenden besonderen Pionierarbeit oder dem Abschluss des Lehrgangs bei der Schule. Der Kreisaufseher erstellt keine Beurteilungen über diese Personen, es sei denn, er wird ausdrücklich darum gebeten, dies zu tun. Kreisaufseher sollten keine Personen, deren Dienst bereits ausgewertet wird, darum bitten, nicht zu einer anderen Versammlung zu wechseln, ohne das Zweigbüro vorher konsultiert zu haben.(Kapitel 5 – Punkt 18)

Kein Absolvent der Schule für Königreichsverkündiger oder der als temporär eingesetzte Sonderpionier ist sich der Existenz dieses Beurteilungsprogramms bewusst!

Kreisaufseher und Finanzen
Vielleicht geht es Dir so wie mir und Du denkst, dass Kreisaufseher frei und offen mit den Ältesten der besuchten Versammlungen über die Erstattung ihrer Auslagen sprechen können, aber so ist es nicht. Es ist ein bisschen mehr mit diesem Ritual verbunden:

Kreisaufseher sollten nicht die Initiative ergreifen und verlangen, dass eine Versammlung ihnen die finanziellen Aufwendungen, die während der Dienstwoche angefallen sind, erstattet. Die Aufwendungen können von einer Versammlung nur dann erstattet werden, wenn die Ältesten dies vorschlagen. Eine detaillierte Auflistung der Kosten ist zusammen mit den Belegen, Quittungen und der Bestätigung der Erstattungen schriftlich festzuhalten und aufzubewahren.(Kapitel 9 – Punkt 7)

Es ist seltsam, dass Kreisaufseher sogar in solchen Routineangelegenheiten wie Spesenerstattung zur strikten Einhaltung von Vorschriften gezwungen werden. Es ist schlicht entwürdigend, wenn sie ihre Quittungen für die Woche in den Versammlungen vorlegen sollen.

Es ist dagegen vielleicht eher verständlich, wenn Kreisaufsehern die Annahme von Geldzuwendungen durch Sammlungen oder aus dem Versammlungskonto strikt untersagt wird:

Geldgeschenke aus Sammlungen der Versammlungen oder aus ihren Geldbeständen für den Kreisaufseher sollten nicht vorgenommen werden. Ebenso ist es unpassend, Bitten zu äußern, um zu Geldspenden von den Brüdern und Schwestern als Geschenk für einen Kreisaufseher anzuregen. (2. Kor. 8:20) Auf der anderen Seite kann durch individuelle Gaben Wertschätzung der Tätigkeit eines Kreisaufsehers ausgedrückt werden. Durch einen persönlichen Beitrag an den Kreisaufseher wird sein Dienst aufgewertet. Eine solche echt christliche Großzügigkeit der Spender und die Akzeptanz auf Seiten der Kreisaufseher ist eine rein private Angelegenheit zwischen beiden Seiten. Eine Beschaffung von Mitteln aus anderen Quellen, sollte auch auf einer persönlichen Ebene nicht vorgenommen werden.(Kapitel 9 – Punkt 10)

Es ist schon merkwürdig, dass Kreisaufseher sich in finanzieller Hinsicht zurückhalten sollen und sich nicht von den Versammlungen bezahlen lassen dürfen und auch nicht „betteln“ sollen, während der Wachtturm sich selbst dagegen an keine derartige Restriktion hält.

Kreisaufseher haben eine Dienststundenverpflichtung
Das war immer so etwas wie eine Grauzone für mich. Kreisaufseher werden wie Pioniere behandelt, aber unterliegen sie tatsächlich einer konkreten Stundenforderung? Wie es sich jetzt herausstellt, ist es tatsächlich so und sie müssen ihre Zeiten wie jeder andere berichten:

Abgesehen von vorübergehenden gesundheitlichen Problemen und anderen Faktoren, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen, sollte es für die meisten Kreisaufseher und ihre Frauen möglich sein, etwa 17 Stunden pro Woche im Predigtdienst oder etwa 68 Stunden pro Monat zu leisten, wenn es nicht notwendig ist, Zeiten für Kongresse, Einsatz in Baugruppen, Schultätigkeit oder persönliche Zeit zu verwenden. (siehe 4: 8.) Predigtdienstaktivitäten werden über jw.org an das Dienstkomitee oder mit dem monatlichen Dienstbericht des Kreisaufsehers berichtet. (5-301). Diese Berichte sollten nicht später als bis zum 20. Eines jeden Monats bei dem Dienstkomitee eingehen.(Kapitel 10 – Punkt 6)

Ja, wenn Sie also ein Kreisaufseher sind, dann wissen Sie jetzt, dass die Wachtturm-Gesellschaft in der Regel 68 Stunden auf Ihrem Bericht an das Dienstkomitee erwartet!

Die „enge Hosenregel“
Wie kürzlich bereits berichtet wurde, ist es Tony Morris offensichtlich gelungen, seine fixe Idee, zu enge Kleidung betreffend, nunmehr auch zum Bestandteil der festen Wachtturmregeln zu machen. Auch in die Anweisung der Gesellschaft an die Kreisaufseher hat seine bizarre Vorstellung Eingang gefunden:

Wenn die Körperschaft der Ältesten übereinstimmt, dass ein Bruder oder eine Schwester offensichtlich und bewusst erteilten Rat wiederholt ignoriert, weil sein Anzug oder ihre Kleidung und Pflege sich störend auf die Versammlung auswirkt, kann durch die Ältesten beschlossen werden, dass diese Person sich nicht mehr für den Predigtdienst eignet. In solchen seltenen Fällen würde keine Ankündigung vor der Versammlung gemacht werden.(Kapitel 10 – Punkt 9)

Wenn es denn so ist, dass man mit den von homosexuellen Modedesignern entworfenen „störenden“ Beinkleidern herumläuft, darf man nicht mehr erwarten, dass man mit diesem Kleidungs-Gräuel im Predigtdienstwerk paradieren darf. Das wäre natürlich einfach nicht angemessen.

Weiter keine Eile mit der Anzeige von Kindesmissbrauchsfällen
In Kindesmissbrauch liegt der für eine weitere Verschlimmerung wichtige Faktor in dem Versäumnis, jede diesbezügliche Beschuldigung den zuständigen Behörden zu melden. In den Leitlinien des Dokuments für die Kreisaufseher wird Kindesmissbrauch, wie in der folgenden Aussage zwar wiederholt, aber nirgends ist die dringende Notwendigkeit zur Meldung solcher Vorfälle an die Behörden erwähnt:

Wenn der Körper Ältestenrat beschließt, ein Rechtskomitee zu bilden, um einen Fall von sexuellem Kindesmissbrauch zu behandeln, wird der Versammlungskoordinator zunächst Kontakt mit dem Kreisaufseher aufnehmen. Der Kreisaufseher sollte einen erfahrenen Ältesten benennen, der im Rechtskomitee als Vorsitzender des Justizausschusses dient und, wenn nötig, einen weiteren Ältesten aus der Liste des Berufungskomitees bestimmen.(Kapitel 13 – Punkt 5)

Jeder, dem die Komplexität von Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern bekannt ist, kennt auch die dringende Notwendigkeit, die Behörden so früh wie möglich einzubeziehen!

Neben der Wiederholungsgefahr wird die Wahrscheinlichkeit, Beweise für eine erfolgreiche Strafverfolgung beibringen zu können, in dem zeitlichen Umfang vermindert, in dem ein solcher Fall nicht den zuständigen Organen gemeldet wird. In den Köpfen der leitenden Körperschaft bleibt dieser Gesichtspunkt gegenüber der erwünschten vertraulichen Behandlung des Falles nachrangig. Der Wunsch, die Angelegenheit in eigener Zuständigkeit regeln zu wollen und die geforderte Zwei-Zeugen-Regel stehen im Vordergrund.

Einen weiteren Hinweis für den chronischen Mangel an Ernsthaftigkeit, mit der Wachtturm-Gesellschaft mit Kindesmissbrauch umgeht, kann man in Anhang D finden, wo eine Checkliste für die Prüfung der Ernennung/Abberufung von Ältesten und Dienern in einer kurzen Liste aufgeführt wird. Eine Anklage des Kindesmissbrauchs als „Vergangenheitssünde“ rangiert neben Pornografie, die gleichermaßen bewertet wird.

Der Wachtturm möchte manchmal Deine Hautfarbe erfahren
Sind Sie ein Zeuge Jehovas, der aufgrund einer Indiskretion ausgeschlossen worden ist? Wenn ja, und wenn Sie Ihr Recht Berufung einzulegen wahrnehmen möchten, stellt sich die Farbe Ihrer Haut als eine relevante Information für Wachtturm-Gesellschaft zur Beurteilung ihres Falles dar.

Bevor ein Berufungsausschuss seine Tätigkeit aufnimmt, sollte der Kreisaufseher den Namen des Beschuldigten, seine Rasse neben den Taten, die ihm zur Last gelegt werden und einige Fakten über den Fall in Erfahrung bringen.(Kapitel 13 – Punkt 7)

Warum ist bei der Beurteilung eines Berufungsfalles die ethnische Zugehörigkeit einer Person von Bedeutung? Ist Gott parteiisch? Nein! Biblisch gibt es dazu keine Grundlage, es ist reiner Rassismus!

Die Kreisaufseher und die monatliche Abgabeverpflichtung
Im vergangenen Jahr berichteten wir über die „Zwangsabgabeinitiative“ der Wachtturm-Gesellschaft, mit der die Versammlungen (in den USA) zu regelmäßigen monatlichen Zahlungen aufgefordert wurden. Wenn eine Versammlung bereits aufgrund eines Bauvorhabens verschuldet war, würden die regelmäßigen Zahlungen zur Schuldentilgung verwendet.

Eine unverschuldete Versammlung sollte allerdings ebenso verfahren und regelmäßige monatliche Zahlungen an die Gesellschaft leisten. So, als ob sie einen laufenden Kredit bedienen müsste. Nunmehr scheint es, dass die Kreisaufseher in diesem Regelwerk eine wichtige Rolle spielen sollen, um diese Regelung durchzusetzen und dafür zu sorgen, dass überschüssige Beträge an die Wachtturm-Gesellschaft überwiesen werden:

Der Kreisaufseher sollte gemeinsam mit den Ältesten bestätigen, dass die finanziellen Aufwendungen zum Betrieb und zur Unterhaltung ihres Königreichssaals sowie der Beschluss zur Unterstützung des weltweiten Bauprogramms der Gesellschaft jährlich auf ihre Einhaltung überprüft werden. Der Kreisaufseher sollte auch überprüfen, ob die vorhandenen Guthaben im Hinblick auf die örtlichen Gegebenheiten angemessen sind.(Kapitel 14 – Punkt 2)

Erstaunlicherweise werden die Kreisaufseher angewiesen, darauf hinzuwirken, dass jeder Überschussbetrag an die Gesellschaft transferiert wird, wenn sie einen solchen entdecken.

Überprüfen Sie die durchschnittlichen Salden der finanziellen Mittel sowohl der Versammlung als auch der für die Zweigstelle anhand der jüngsten monatlichen Abrechnungen der Versammlung (Form 5-30). Befinden sich die Beträge im Gleichgewicht mit denen, die die Zweigstelle als Betriebskosten der Versammlung für ihren Königreichssaal vorsieht? Sollten sich Überschussbeträge ergeben, sollte der Kreisaufseher darauf hinwirken, dass diese an die Organisation überwiesen werden.(Anlage-Anhang C – Punkt 5)

Somit sind nicht nur die Ältesten aufgefordert, jeden Überschuss an die Organisation abzuführen (so, dass nur noch $ 5.000 und der Wert für ein paar Monatsaufwendungen für Betriebskosten bei der Versammlung verbleiben dürfen) — nein, nunmehr stehen auch die Kreisaufseher in der Pflicht, sicherzustellen, dass diese Regelung durchgeführt wird.

Die finanzielle Autonomie von Versammlungen ist damit wohl endgültig Vergangenheit!

Zwang zum Verstoßen von Ausgeschiedenen erhöht
Es wäre sicher keine anständige Anweisung für die Kreisaufseher, wenn sie nicht die dringende Notwendigkeit, Ausgestoßene zu meiden, betonen würde. In dieser Hinsicht sind die vorliegenden Kreisaufseherrichtlinien keine Enttäuschung:

Einige haben ihre Spiritualität im Hinblick auf den Umgang mit ausgeschlossenen Verwandten getestet. So haben sie zum Beispiel Hochzeiten besucht, bei denen ausgeschlossene Personen anwesend waren. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zu der biblischen Ermahnung im 1. Korinther 5:11, wo es heißt, „keinen Umgang“ mehr mit solchen Personen zu haben. Wenn ein Gastgeber die Absicht verfolgt, gegen diese Regelung zu verstoßen und Ausgeschlossene zu einer Feier einladen will, hat er die Verpflichtung, alle Hochzeitsgäste zu informieren, dass eine ausgeschlossene Person anwesend sein wird, so dass sie für sich entscheiden können, ob sie teilnehmen. Andere haben die Hochzeit eines getauften Verkündigers besucht, der oder die einen Ungläubigen heiratet oder haben finanzielle Unterstützung für diesen Zweck zur Verfügung gestellt und damit deren unbiblisches Vorhaben eines ungleichen Jochs unterstützt. (1. Kor 07:39; 2. Kor 6:14). Wenn ein Ältester oder ein Dienstamtgehilfe ein derartiges schlechtes Urteilsvermögen in diesen Bereichen aufweist, in einem Grad, dass ernsthafte Fragen in den Köpfen anderer Brüder und Schwestern aufgeworfen werden, kann er von seinem Amt entbunden werden 1. Tim. 03:13.(Kapitel 17 – Punkt 29)

All dies bedeutet, wenn Sie die Gemeinschaft verlassen und einen gläubigen Zeugen Jehovas als Bruder, Onkel, Vater oder Großvater haben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Sie gemieden werden, zunimmt, wenn dieser ein Ältester oder Dienstamtgehilfe ist. Es geht nicht nur um einen möglichen schlechten Ruf, in den er geraten könnte, er riskiert es sogar auch, seine Position zu verlieren.

Das ist genau die Art von Regel, die man in einer Organisation, die die Liebe auf ihre Fahnen geschrieben hat, erwarten würde — oder? Wie weit sind nur diese Regelungen von YHWH und seinem Gebot entfremdet!

Ein Hauch von Frauenfeindlichkeit
Frage: Was kann man von einer Organisation erwarten, die über viele Jahrzehnte hinweg von männlichen Führer aufgebaut worden ist, basierend auf heiligen Texten, die ebenso nur von Männern geschrieben worden sind?

Antwort: Frauenfeindlichkeit und davon viel. Und wenn man Frauenfeindlichkeit sagt, dann meint man auch die wirklich hässliche Art, die sich nicht freundlich gegenüber Frauen verhält, die „Gespräche dominieren“.

Die Frau eines Bruders (der als Pionier dient) sollte auch Pionier sein. Sie sollte anderen gegenüber in ihrem Verhalten und in ihrem Umgang beispielhaft sein. Sie sollte auch ein guter Prediger sein. Sie sollte sich in ihre Rolle fügen, nicht für ihren Mann sprechen oder Gespräche dominieren (1. Petrus 3: 3, 4).(Kapitel 21 – Punkt 4)

Wenn dies Sie als Frau lesen, und annehmen, dass Sie in der Lage sind, „ihre Rolle so zu verstehen,“ könnte man davon ausgehen, dass Sie gut geeignet sind, eines Tages die Frau eines Kreisaufsehers zu werden, wenn Sie auch in der Lage sind, ihre Beschwerden auf ein Minimum zu reduzieren und einen „ruhigen und milden Geist“ entwickeln können:

Wenn Frauen von Kreisaufseher einen ruhigen und milden Geist, Wärme und Liebe und ein glückliches Gesicht zeigen und einen willigen Geist haben, können sie die Unterstützung und das Vertrauen anderer gewinnen. Sie sollten ein gutes Beispiel setzen für andere zu folgen. Jeder Kreisaufseher sollte seiner Frau helfen, im Außendienst eifrig tätig zu sein, sinnvolle Kommentare in den Zusammenkünften abzugeben und durch Arbeiten unter seiner Leitung die Achtung und Anerkennung seiner Führungsrolle zeigen.(Kapitel 23 – Punkt 2)

Vielleicht gelingt es Ihnen, einen Kreisaufseher als Mann für sich zu gewinnen und Sie erfreuen sich der Aussicht, von Ihren Mitschwestern bewundert zu werden. Aber denken Sie daran, dass Sie, wenn möglich, im Dienst nur mit Schwestern arbeiten sollen. Nach allem, was die Verkündigung der guten Botschaft betrifft, ist die Geschlechtertrennung der Schlüssel in „Jehovas Organisation“.

Die Frau eines Kreisaufsehers sollte vorzugsweise mit Schwestern und jüngeren Verkündigern im Predigtdienst tätig sein. Es ist zwar nicht unbedingt unpassend, wenn sie mit einem Bruder tätig ist, dies sollte aber im Hinblick auf die Anzahl der zur Verfügung stehenden Schwestern nur selten erforderlich sein.(Kapitel 23 – Punkt 3)

Und was immer Sie tun, wenn Ihr Mann ein Video bei einem seiner Vorträge zeigen möchte, versuchen Sie, Ihre zierlichen Hände weg von der Ausrüstung zu halten:

Wenn die Zweigstelle darum bittet, dass ein Video in der Versammlung gezeigt werden soll, ist der Kreisaufseher persönlich für die Präsentation verantwortlich. Wenn er jemanden bei der Einrichtung oder für den Betrieb des Geräts zu seiner Unterstützung braucht, wählt er für diesen Zweck einen geeigneten und verlässlichen Bruder aus.(Kapitel 23 – Punkt 6)

Völlige Kontrolle
Wenn Sie noch immer nicht davon überzeugt sind, dass die leitende Körperschaft die totale Kontrolle ihrer Gläubigen in allen Bereichen ihres Lebens anstrebt:

Bei der Beurteilung, ob eine Person sich für ein Dienstamt disqualifiziert hat, weil sie eine Verlobung gelöst hat, müssen die Ältesten ein gutes Urteilsvermögen anwenden. Gab es gute Gründe dafür, diese Verbindung zu lösen oder hat die Person die mit einer Verlobung einhergehenden Verpflichtungen zu leichtgenommen?(Anhang H – Punkt 2)

Wenn Sie also beabsichtigen sollten, Ihre Verlobung mit jemand abzubrechen, der oder die Ihre Besorgnisse oder Gefühle nicht teilt, machen Sie sich darauf gefasst, dass die Ältesten oder sogar der Kreisaufseher sich in ihre Entscheidung einmischen.

Gründe für Optimismus
Natürlich gib es in diesem Dokument weit mehr, über dass man schreiben könnte.

Dieses sensible Dokument ist zum Download verfügbar. Dadurch wird deutlich, dass es für die Wachtturm-Gesellschaft immer schwieriger wird, auflagenstarke Dokumente geheim zu halten. Das dient der guten Sache und ist für diejenigen unter uns von Vorteil, die sich nach Licht in dem bisherigen Dunkel dieser Organisation sehnen! Wahre Anbeter YHWH’s werden deutlich durch den heiligen Geist erkennen, dass die Organisation nicht Gottes Gedanken denkt, sondern Menschenwort verkündigt, wie auch damals die Pharisäer!