Jehovas Zeugen: Aktuelle News

23.06.2017

Jehovas Zeugen Kongress 2017: Kindesmissbrauch – Opfer sind selbst Schuld!

Jehovas Zeugen im Deutschsprachigen Raum erleben nun ihren Regional-Kongress 2017. Am Samstag hörten sie die Ansprache: „Schützt eure Kinder vor dem, was Böse ist“ – offensichtlich als Antwort auf den wachsenden Skandal der Missbrauchsfälle.

Jeder, der momentan „Zeugen Jehovas“ bei Google eintippt, wird schnell feststellen, dass die Suchmaschine viele Ergebnisse im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch anzeigt (besonders im englischsprachigen Raum): Nachrichten über die Vertuschung von Kindesmissbrauch, über die Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer oder die erschütternden Ergebnisse der Australian Royal Commisson über den institutionellen Umgang mit dem Thema. Durch eine kürzlich von „Reveal News“ organisierte, fachübergreifende Konferenz mit Rechtsanwälten, Journalisten, Aktivisten und Vertretern von Strafverfolgungsbehörden, erhielt dieser Skandal erneut mediale Aufmerksamkeit und wird langsam auch das zentrale Thema, über das die WTG definiert wird.

Es ist daher keine Überraschung, dass beim Regional-Kongress 2017, am Samstag der Programmpunkt: „Schützt eure Kinder vor dem, was Böse ist“ auftaucht – offensichtlich als Antwort auf den wachsenden Skandal. Die Ansprache enthält Ratschläge, wie man Kinder vor Missbrauch schützen kann.

Wie alle anderen WTG-Manuskripte, wurde dieses online geleakt und kann über die Webseite AvoidJW.org abgerufen werden, die über eine umfangreiche Bibliothek vieler Wachtturm-Dokumente und Analysen zu WTG-News und Lehren verfügt.

Wir haben diese Entwürfe analysiert und obwohl die Ansprachen im Großen und Ganzen nicht so kontrovers erscheinen, wie die des berüchtigten Kongresses 2016, fällt uns der Vortrag über Kindesmissbrauch in zweierlei Hinsicht als extrem problematisch auf: einmal wegen dem, was er enthält und gleichermaßen wegen dem, was er nicht enthält.

Es nicht herausfordern

Die Ansprache beginnt mit grundsätzlich vernünftigen Ratschlägen für Eltern. Es wird darauf hingewiesen, dass der Täter oft ein Bekannter und eine Vertrauensperson des Kindes sein kann und deutlich gemacht, bei welchen Verhaltensauffälligkeiten des Kindes die Alarmglocken schrillen sollten. Mögliche Situationen, die die Risiken eines Missbrauchs erhöhen, werden zur Diskussion gestellt und Eltern werden ermuntert, ehrlich, offen und altersgerecht ein Gespräch mit ihren Kindern über Sex zu führen.
Danach heißt es in dem Manuskript:

“Parents ask yourselves; Have I trained my children regarding what are proper displays of affection, the importance of wearing modest clothing, and the need for others to respect their privacy.”

„Eltern, fragt euch selbst; habe ich meinem Kind beigebracht, wie es seine Zuneigung auf angebrachte Weise zum Ausdruck bringt, wie wichtig es ist, angemessene Kleidung zu tragen und das Bedürfnis der anderen nach Privatsphäre zu respektieren.“

Beschütze Deine Kinder mit göttlicher Weisheit (5 Min)

Eltern haben eine gottgegebene Verantwortung, ihren Kindern beizubringen, was die Bibel über angemessenes sexuelles Verhalten sagt. (Eph 6:4) Kinder, auch kleine, verdienen es, das Richtige über Sex von ihren gottesfürchtigen Eltern zu lernen, bevor sie über das Internet, Fernsehen, Schule und Gleichaltrige falsch informiert werden. Ebenso können der soziokulturelle Hintergrund, Erziehung und Einfluss Gleichaltriger das Gespräch über sexuelle Angelegenheiten mit dem Kind erschweren; dennoch werden verantwortungsvolle, christliche Eltern dies tun. (w98 2/15 8-11)

Vermittle Deinem Kind altersgerechte Informationen, nicht als einmaliges Gespräch während seiner Teenager-Jahre, sondern als fortlaufende kleine Diskussionen, die sich schrittweise seinem Wissensstand anpassen (De 6:7). Eltern, fragt euch selbst; habe ich meinem Kind beigebracht, wie es seine Zuneigung auf angebrachte Weise zum Ausdruck bringt, wie wichtig es ist, angemessene Kleidung zu tragen und das Bedürfnis der anderen nach Privatsphäre zu respektieren.“

Im Wesentlichen fordert diese Ansprache Kinder auf, sich angemessen zu kleiden, um sexuelle Angriffe zu vermeiden. Die WTG suggeriert hier, dass Kinder, die nach ihrem Verständnis „unpassend“ bekleidet sind, eine Mitschuld an der eigenen Vergewaltigung tragen, da sie ihren Vergewaltiger verführt haben. Ein solcher Gedanke ist leider sehr verbreitet, wenn es um sexuelle Übergriffe geht. “Hast Du gesehen, was sie anhatte? Sie hat es doch herausgefordert, wenn wir ehrlich sind.“

Fakt ist: niemand wird jemals um einen sexuellen Übergriff bitten, egal was er trägt. So eine Haltung leistet einer Beschuldigung der Opfer Vorschub und führt dazu, dass diese – ohnehin nach dieser Tortur, auch oft noch mit Schuldgefühlen kämpfend – sich noch schlechter fühlen. Es spielt auch den Tätern in die Hände, die so etwas als Rechtfertigung und Ausrede zur Relativierung ihrer Schuld benutzen, welche eigentlich zentnerschwer auf ihnen liegen sollte. Es ist schlimm genug, dass erwachsene Missbrauchsopfer so behandelt werden, aber diese Geisteshaltung und Denkweise der Opferbeschuldigung auch auf Kinder anzuwenden, ist widerwärtig. Hinzu kommt der unglückliche Nebeneffekt, dass Kinder schon als sexuelle Wesen betrachtet werden, die verführerisch und anziehend wirken können, wenn sie in bestimmter Weise gekleidet sind – was ganz klar keine gesunde Einstellung ist, die man, wenn auch unbeabsichtigt, verbreiten sollte.

Offenkundige Versäumnisse

Die schwerwiegenden und offenkundigen Versäumnisse in den Regularien der WTG, die bei der ARC festgestellt wurden, werden in dem Vortrag nirgends aufgegriffen. Somit ist er nicht nur anzuprangern für das, was er enthält, sondern auch für das, was fehlt.

  • Nirgends werden die Eltern dazu aufgefordert, Kontakt mit der Polizei aufzunehmen, falls der Verdacht auf Missbrauch besteht oder sich das Kind diesbezüglich äußert.
  • Nirgends werden die Ältesten aufgefordert, die Polizei zu kontaktieren und Ermittlungen bestmöglich zu unterstützen, falls Missbrauchsvorwürfe an die Ältestenschaften durch öffentliche Stellen herangetragen werden.
  • Nirgends werden die Zuhörer über die aktuellen Regeln der WTG zum Umgang mit Kindesmissbrauch informiert.
  • Nirgendwo wird den Kindern versichert, dass die Ältesten sie unterstützen und die Anzeige bei der Polizei in ihren Namen machen, falls sie sich im Vertrauen an die Ältesten wenden.
  • Nirgends wird erwähnt, dass die Ältesten nur auf Grundlage von zwei Zeugen gegen den Täter vorgehen und in der Gemeinde aktiv werden.
  • Nirgends wird darauf hingewiesen, dass Älteste die Versammlung nicht vor Kinderschändern in den eigenen Reihen warnen dürfen, obwohl sie davon wissen, außer das Bethel fordert/genehmigt dies.
  • Nirgends wird erwähnt, dass bisher ein deutliches und systematisches Versagen bezüglich des Schutzes von Kindern ermittelt wurde, wie die ARC in den Fallstudien 29 und 54 zeigt.
  • Nirgends wird Opfern professionelle psychologische Hilfe oder Beratung als wirksame Hilfe empfohlen.
  • Nirgends in der Ansprache ist eine Entschuldigung an die tausende Opfer zu erkennen, die unter den Versäumnissen der WTG leiden (mussten).
  • Nirgends werden Missbrauchsopfer darüber informiert, welche Arten von Entschädigungen ihnen zustehen, wenn sie glauben, dass die Gesellschaft fahrlässig mit ihrem Fall umgegangen ist.

Die WTG versteht es immer noch nicht

Zusammengefasst lesen wir einen Vortrag, der auf der positiven Seite eine geringes Maß an nützlichen Informationen zu grundlegenden Fragen der Wachsamkeit und Gefahren verzeichnet, jedoch andererseits eine schlimme Form der Opferbeschuldigung enthält und eine „Anstandskultur“ bewirbt, welche Kinder sexualisiert und die Schuld des Täters relativiert.

Auch ist der ganze Inhalt auf die Verantwortung der Eltern und Familien fokussiert und greift die Verantwortung der Ältesten, als Vertreter der WTG, bei Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen nicht auf. Und zuletzt behandelt diese Ansprache auch nicht im Geringsten, was nach einem derartigen Vorfall mit der Versammlung passiert, die mit Opfer und Täter weiter umgehen muss.

Kurzum: Wenn dieser Vortrag ein Indikator ist, dann hat die WTG keinerlei Intentionen, mit dem herannahenden Donnerwetter des Skandals und den massiven Anklagen sinnvoll umzugehen. Mit steigenden Gerichtskosten und der immer schlechteren Reputation der Marke „Wachtturm-Gesellschaft“, fragt man sich schon, was noch geschehen muss, bis die Leitende Körperschaft versteht, dass ihre veralteten Regeln zum Umgang mit Kindesmissbrauch keinen Platz mehr im 21. Jahrhundert haben.

Quelle: jwsurvey.org

17.06.2017

Missbrauchswelle bei den Zeugen Jehovas Basel: Wachturmverteiler gar nicht wachsam

Gut gekleidet, harmlos lächelnd ziehen sie durchs Quartier, klingeln am Wochenende hier und dort und verteilen den Wachtturm in Basler Haushalte. In den beiden Basel leben und missionieren 1’400 Zeugen. Die Fragen zur Endzeitsekte Zeugen Jehovas haben Rekordhöhe erreicht, nachdem weltweit Missbrauchsfälle bekannt wurden.

«Wenn die Zeugen Jehovas im öffentlichen Raum auftreten, wirken sie mit ihren Klappplakaten und Broschüren eigentlich harmlos», erklärt Susanne Schaaf von der Beratungsstelle Infosekta in Zürich. Auch ein erstes Gespräch könne durchaus harmlos und freundlich verlaufen, erst später folge eine eigentliche Verengung des Denkens und Fühlens. «Die Normen in der Glaubensgemeinschaft werden strikt umgesetzt», sagt die Psychologin und Sektenexpertin. Die Statistik der Beratungsstelle zeigt, dass es im vergangenen Jahr zu 44 Erstanfragen betreffend Zeugen Jehovas aus Basel kam. Neben den Zeugen Jehovas sei auch die Eröffnung der Ideale Org der Scientologen im Frühjahr 2015 ein Thema gewesen und auch rund ums «Praise Camp» in der Messe habe es einige Anfragen gegeben.

Schweizweit sind die Erstanfragen zu den Zeugen Jehovas am stärksten. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Zeugen Jehovas wegen sexuellen Übergriffen und vor allem dem problematischen Umgang mit den Vorfällen immer mehr in die Schlagzeilen geraten. Die Ansichten der Wachtturm-Gemeinschaft zur Sexualität sind zwar rigoros. So wird Jugendlichen empfohlen: «Gemäß der Bibel ist Sex nur etwas für Mann und Frau, die miteinander verheiratet sind (Sprüche 5:18). Wer also Gott gefallen möchte, wird erst dann sexuell aktiv, wenn er/sie verheiratet ist». Und auch sonst solle man die Finger voneinander lassen, wie die Website der Zeugen zu Sex und Moral erklärt: « Wer schon Sex hatte — und dazu zählt eben auch Oralsex und Analsex sowie das Befriedigen einer anderen Person — kann nicht von sich behaupten, noch Jungfrau zu sein.»

Rigorose Normen und Gebote

Diese verklemmte Weltsicht passt zur Idee, die gegenwärtige Weltordnung sei nur vorübergehend. Die selbsternannte Wachtturm-Gesellschaft wartet auf das Reich Jehovas. Dieses wird dann von Jesus und genau 144’000 Mitherrschern regiert werden. Um ein solcher Mitherrscher zu werden, strampeln sich die Zeugen Jehovas Tag für Tag ab. Der getaufte Zeuge lebe in einer Welt von engen Normen und rigorosen Geboten. Für Infosekta ist darüber hinaus äusserst problematisch, dass die Zeugen Jehovas eine eigene Gerichtsbarkeit kennen. Während in Australien über 500 sexuelle Übergriffe von den Tätern gestanden worden waren, tun sich andere Länder noch schwer mit Untersuchungen gegen die Gemeinschaft.

Für Susanne Schaaf ist problematisch, dass die Zeugen sehr patriachalisch und hierarchisch funktionieren. Etwa, dass die Rolle von Frauen und Mädchen systematisch geschwächt wird. Innerhalb der Gemeinschaft werde ein Vorwurf von sexuellem Missbrauch nur untersucht, wenn es zwei Zeugen gebe. Gibt es neben dem Opfer keinen Zeugen, werde der Fall einfach in Jehovas Hände gelegt. Es liegt allerdings in der Natur der Sache, dass bei sexuellem Missbrauch ausser den Beteiligten kaum weitere Zeugen gibt. Die Regel funktioniert somit im Sinne des Täterschutzes. In einem Schreiben der Organisation vom Herbst 2016 an die Ältesten werden verschiedene Anweisungen festgehalten, wohl als Folge der Ergebnisse der Untersuchungskommission: So sei den Opfern oder deren Eltern neu explizit erlaubt, Anzeige bei den Behörden zu erstatten. Oder dass der Missbrauch dann angezeigt werden soll, wenn es die Rechtsprechung des Landes erfordert. Und dass ein minderjähriges Opfer nicht mehr vom Ältesten alleine befragt wird, sondern ein Elternteil zugegen ist. Jedoch erst kürzlich bestätigte der Zeugen Jehovas-Sprecher Terrence O’Brien vor der Kommission, dass die Zwei Zeugen-Regel von den Schriften verlangt und daher nicht abgeändert werde – das sei die Position.

Unvermeidlich traumatisierend

Mittlerweile laufen auch in den USA Dutzende von Verfahren wegen des Missbrauchs von Kindern. Innerhalb der Gemeinschaft seien die Kinder und Frauen zu wenig geschützt, sagt Susanne Schaaf. Das belegen auch die aufgedeckten Fälle aus Australien: Es sei «unvermeidlich traumatisierend», dass die minderjährigen Opfer der sexuellen Übergriffe bei der Befragung dem Täter gegenübertreten müssten und ausschliesslich von Männern befragt würden.

Während in der Schweiz noch kaum Fälle bekannt geworden sind, herrscht in Deutschland Aufruhr. So berichtet eine ehemalige Zeugin auf der Plattform Silent Lambs davon, wie ihre Tochter von einem Glaubensbruder missbraucht worden sei, der ihrer Tochter eine Gute-Nacht-Geschichte erzählen wollte, so sagt Cornelia Wagner: «Sie müssen sich vorstellen, ich steh und mach meine Bügelwäsche, mach meinen Abwasch und dieser junge Mann ist im Zimmer meiner Tochter, liest ihr Geschichten vor und missbraucht sie im Zimmer weiter.» Ihre Tochter ergänzt: «Ich hab auf eine gewisse Weise gewusst, dass es nicht recht ist, was der macht. Aber ich war irritiert, bei den Zeugen Jehovas gab’s ja so was nicht.»

Verhängnisvolle, abgeschottete Welt

Das Opfer Ursel Wagner erklärt: «Wie die Leute damals damit umgegangen sind, das macht mich heute noch wütend. Ich bin mir sicher, wir hätten bestimmt einige Mädchen schützen können. Und es ist nichts passiert, gar nichts.» Trotz der weltweiten Enthüllungen geben sich die Zeugen unbelehrbar, so sagt Cornelia Wagner: «Also, man hat uns sehr spüren lassen, dass wir auf einmal zu, dass die Rolle umgedreht wird, dass wir Täter werden. Wir sind Ankläger und das passte überhaupt ja gar nicht in dieses perfekte Bild.»

Für Susanne Schaaf und Infosekta ist klar, dass die totalitären Strukturen Gewalt gegen Kinder und mangelnden Schutz der Opfer begünstigen. In ihrem Alltag hat sie vor allem mit persönlichen Dramen zu tun: «Wenn die Leute aussteigen wollen, so stehen viele plötzlich vor dem Nichts.» Den Ausstiegswilligen fehle generell die Unterstützung, da sie ja über Jahre in der Organisation sozialisiert worden seien. Die Missbrauchsbeispiele zeigen, wie verhängnisvoll eine derart abgeschottete Welt sein kann.

Quelle: barfi.ch

17.06.2017

„Sie wurde depressiv, als ich aus der Sekte austrat“

Francisco Ahumada war fast 30 Jahre lang Zeuge Jehovas. Als er austrat, wurde die Beziehung zu seiner Mutter schlechter. Sein Leben verbesserte sich jedoch sehr.

Wie viele Kinder mit ihren Eltern brechen, ist nicht untersucht – doch es kommt offenbar häufig vor. So gibt es inzwischen in Bern, Luzern, Winterthur oder St. Gallen Selbsthilfegruppen für Eltern oder Kinder, die unter der Funkstille leiden. Doch was bewegt Menschen zu einem so radikalen Schritt? Unzählige Leser sind unserem Aufruf gefolgt und haben erzählt, warum sie mit ihren Eltern gebrochen haben. 20 Minuten stellt drei von ihnen in einer Porträtserie vor – dies ist Teil drei, Teil zwei finden Sie hier.

Seit etwa fünf Jahren herrscht zwischen Francisco Ahumada und seiner Mutter endgültig Funkstille: «Als meine Schwester sich scheiden liess, sagte meine Mutter, dass sie nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte. Da habe ich den Kontakt abgebrochen», sagt der 42-jährige Zürcher.

Die Scheidung machte Franciscos Mutter wütend, weil sich die Schwester von einem Zeugen Jehovas scheiden liess. «Meine Mutter ist als Zeugin aufgewachsen und ist bis heute in der Sekte.» Francisco begann mit 28 Jahren, sich von seiner Mutter und den Zeugen loszulösen. «Ich begann, vieles zu hinterfragen, besonders das Verbot von Bluttransfusionen. Wenn mein Kind eine Transfusion braucht, wieso ist es dann richtig, es sterben zu lassen?», fragt er.

«Prügeln war Männersache, die Mutter hat nur gelacht»

Schon zuvor, mit 17, hatte Francisco begonnen, in der Schule und Lehre Freundschaften ausserhalb der Sekte zu schliessen. «Bei den Zeugen gelten alle ausserhalb der Sekte als böse und meine Mutter billigte meine Freunde nicht.» Francisco genoss aber mit 17 etwas mehr Freiheit, nachdem sein strenger Vater Suizid begangen hatte. «Ich war nicht allzu traurig über seinen Tod, eher erleichtert. Mein Vater war ein Tyrann», sagt Francisco.

«Die Zeugen nehmen die Bibel wortwörtlich. Das heisst, es gab sehr viel Prügel vom Vater, wenn wir Kinder nicht gehorchten», erklärt er. «Als ich sieben Jahre alt war, begrüsste ich einmal nach der ‹Versammlung› eine ‹Schwester› nicht. Da gab es zu Hause fürchterliche Prügel mit dem Gürtel, ich hatte überall blaue Streifen und Flecken.» Ein weiteres Mal habe sich Francisco heftige Prügel eingefangen, weil er ein Stück fettiges Fleisch nicht essen wollte. Die Mutter sei nie handgreiflich geworden. «Prügeln war Männersache, meine Mutter stand aber daneben und lachte.»

«Entweder Austritt oder Selbstmord»

Auch sonst hat Francisco keine guten Erinnerungen an sein Leben als Zeuge Jehovas: «Wir mussten jede Woche fünf Stunden in die Bibellektion und dazu auch noch bei den Leuten missionieren.» Irgendwann stand Francisco selbst an der Schwelle zum Suizid. «Ich stand vor der Entscheidung: Entweder Austritt oder Selbstmord. Als ich offiziell ausgetreten bin, fiel meine Mutter in eine Depression.»

Francisco fühlt sich heute freier und glücklicher. «Ich verspüre zwar keinen Hass gegenüber meiner Mutter, aber ich vermisse sie auch nicht. Elterliche Liebe bekomme ich von meinen Schwiegereltern.» Francisco ist inzwischen verheiratet und hat selbst drei Kinder. «Ich habe mich mit 18 in eine ‹weltliche, böse, vom Teufel geschickte›, wunderschöne Frau verliebt. Fast zehn Jahre später, als ich mich von der Sekte löste, haben wir geheiratet und sind bis heute zusammen», sagt Francisco.

Nach einem Unfall konnte er nicht mehr in seinem Beruf als Fahrer im Behinderten-Transport arbeiten und ist jetzt Hausmann. Er hat durch andere Formen der Spiritualität seinen inneren Frieden gefunden. «Ich glaube zwar weiter an eine höhere Macht, aber ich werde meine Kinder nicht religiös erziehen. In meinem Haus ist keine Bibel zu finden.»

Quelle: 20min.ch

13.06.2017

Jehovas Zeugen – Der schwierige Ausstieg

21.000 Zeugen Jehovas leben in Österreich. Robert Jagarinec ist nicht mehr dabei. „Als ich begonnen habe, kritische Fragen zu stellen, bin ich gegen eine Mauer gelaufen. Da habe ich beschlossen, zu gehen“, erzählt der Familienvater.

08.05.2017

Jehovas Zeugen – Systematische Vernichtung aller Unterlagen über Kindesmissbrauch

„An die Vorsitzführenden Aufseher
aller Versammlungen in Deutschland

Liebe Brüder,

in den letzten Jahren haben Gegner und Abtrünnige wiederholt versucht, Jehovas wahre Diener durch falsche Behauptungen im Zusammenhang mit Fällen von Kindesmissbrauch zu diskreditieren.

Wie ihr wisst, sind wir stets bestrebt, Jehovas Versammlung rein zu erhalten. Jehova selbst hat uns entsprechende Anweisungen gegeben, wie in solchen Fällen zu verfahren ist. In bestimmten Einzelfällen mag die Anwendung biblischer Maßstäbe dazu geführt haben, dass anderslautende Gebote “obrigkeitlicher Gewalten“ nicht immer in vollem Umfang eingehalten werden konnten.

Während wir für gewöhnlich eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen arbeiten, so ist es auch unser göttlicher Auftrag, die Versammlung vor den Anschlägen Satans zu schützen. Diese Anschläge mögen auch in Gestalt von Ermittlungsmaßnahmen, die gegen Jehovas Organisation gerichtet sind, hereinbrechen.

Wir bitten Euch daher, in eurer Versammlungsablage nachzusehen, ob ihr noch Unterlagen oder Aufzeichnungen von Ältestenbesprechungen oder Rechtskomiteesitzungen vorliegen habt, die sich mit konkreten Fällen oder Verdächtigungen im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch befassen. Gegebenenfalls mögt ihr auch eure private Ablage in eure Nachforschungen einbeziehen.

Bitte übersendet uns bis zum 1. Februar 2007 sämtliche euch vorliegenden Unterlagen in diesen Angelegenheiten. Es sollten keine Aufzeichnungen im Original oder in Kopie in der Versammlungsablage oder euren privaten Unterlagen verbleiben. Wir werden diese Unterlagen dann gesammelt einer vertraulichen Vernichtung zuführen. Fügt diesen Brief den Unterlagen bei; behaltet keine Kopie in der Versammlungsablage.

Mit euch weiterhin ernstlich bemüht, Jehovas Willen zu tun
Eure Brüder
Jehovas Zeugen in Deutschland

Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in Deutschland K.D.Ö.R, Grünauer Str. 104, 12557 Berlin“

06.06.2017

Jehovas Zeugen – Ausstieg ins Leben

Der ehemalige Zeuge Jehovas Konja Simon Rohde erzählt bei Vera von seinem Leben in der Wachtturm-Organisation. Sein Vater war Katholik, hatte sogar katholische Theologie studiert, bis er zu den Zeugen Jehovas konvertierte. Simon berichtet über den Suizid seines Bruders, Gewalt in der Familie, erste Zweifel in der Organisation bzgl. Kindesmissbrauch und der „Zwei-Zeugen-Regelung“, sowie den psychischen Folgen.

02.06.2017

Zeuge Jehovas, der beinahe wegen abgelehnter Bluttransfusion starb, kritisiert „schädliche“ Lehre der Organisation

Ein Mann, der beinahe gestorben wäre, nachdem er eine Bluttransfusion verweigert hatte, kritisiert die „schädliche“ Praxis der Religionsgemeinschaft Zeugen Jehovas, welche ihm die Transfusion untersagt hatte. Phil Dunne war ein treuer Zeuge Jehovas, damals vor fünf Jahren, als bei ihm Krebs diagnostiziert wurde. Die Ärzte sagten ihm, dass er sterben würde, wenn er keine Bluttransfusion annehme, um die inneren Blutungen, die durch einen Magentumor verursacht wurden, zu verhindern. Zeugen Jehovas ist es untersagt, Bluttransfusion anzunehmen „auch wenn es um Leben und Tod geht“. Die Gemeinschaft verzeichnet rund 8,3 Millionen Anhänger/innen.

In einem Gespräch mit RTÉ Radio One’s Liveline beschrieb Dunne, wie er damals bereit war, eher zu sterben, als gegen die Lehre der Organisation zu verstossen. „Ich hatte damals meinen letzten Willen für meinen Schwiegervater niedergeschrieben, weil ich zu schwach und bettlägerig war. Ich gab ihm alle Anweisungen, was zu tun sei, und habe mich darauf vorbereitet, sterben zu müssen“. Dunne, der ursprünglich aus County Wicklow (Anm: eine Grafschaft in Irland) stammt und in den Staaten aufwuchs, war damals ein aktives Mitglieder seiner Religionsgemeinschaft und besuchte die Versammlungen der Zeugen Jehovas, seit er sieben war.

Er berichtete, dass er vier Tage im Spital verbracht hatte, bis die Ärzte über alternative Behandlungsmethoden nachdachten, die keine Transfusion beinhalteten. „Ich glaube, sie (die Ärzte) hatten gehofft, ich würde zusammenbrechen und letztendlich die Bluttransfusion akzeptieren. „Sie beschlossen, eine sehr intensive, gezielte Bestrahlung einzusetzen und das Tumorgewerbe so rasch zu verkleinern, dass sie in der Lage sind, die Blutungen zu stoppen. Dann wäre es mir möglich, eine Chemotherapie zu beginnen, um den Krebs wirksam zu kontrollieren, sobald sie mich stabilisiert haben“. Die Ärzte hätten dies als „allerletzte“ Lösung betrachtet. Das Verfahren erwies sich als erfolgreich: Dunne lebt seither ohne Krebs.

Diese Erfahrung führte Dunne aber dazu, sein Engagement in der Gemeinschaft zu überdenken. „Alle um mich herum waren so stolz auf mich, ich wurde ein leuchtendes Beispiel für treuen Glauben. Das war schon schräg, denn innerlich lagen meine Gefühle im Widerstreit. Es fühlte sich so an, wie wenn Du hinaus auf die Strasse trittst und jemand zerrt Dich weg, kurz bevor Dich ein Bus überfahren hätte. Ich fragte mich: Wenn ich damals ohne Grund gestorben wäre, hätte ich tatsächlich an die Lehre geglaubt?“

Allmählich wurde Dunne desillusioniert in Bezug auf seinen Glauben. Zwei Jahre später verliess er die Religionsgemeinschaft. Dies führte zur Scheidung, und er verliess die Gegend, in der er gelebt hatte. „Ich gelangte an einen Punkt, wo ich nicht mehr mit der Heuchelei leben konnte, dass ich etwas predigte, an das ich gar nicht glaubte. Sie versetzen Dich wirklich in Angst und Schrecken, ja niemandem zu , dass Du irgendwelche Zweifel hegst. Also habe ich das vor den anderen über lange Zeit verborgen gehalten. Deswegen bin ich psychisch zusammengebrochen, habe mich jämmerlich verhalten, es ging mich wirklich nicht gut – und das beeinflusste meine Ehe negativ.“

Wenn jemand beschliesst, die Zeugen Jehovas zu verlassen, dann sei er so gut wie „exkommuniziert“, gemäss den Aussagen von Dunne. „Sie können Dich offiziell ächten, sie nennen das Gemeinschaftsentzug (dis-fellowshipping). Es ist im Grunde dasselbe wie Exkommunikation. Niemand sollte mehr mit Dir reden. Du selber sollst auch nicht Hallo sagen, wenn Du sie auf der Strasse antriffst. Wenn die Leute erfahren, dass Du Dich selbst distanzierst, nehmen sie an, dass Du ein sog. Abtrünniger bist. Du bist das, was sie als ‚psychisch kranke Person‘ beschreiben.“

Dunne führte weiter aus, dass er „nichts gegen einzelne Zeugen habe“, er sei aber überzeugt, dass die Lehren der Organisation „schädlich sein können“. Dunne: „Menschen müssen sich der Gefahren, die mit solchen Organisationen verbunden sind, bewusst sein.“

Quelle: independent.ie

30.05.2017

Erste Verurteilung nach Verbot der Zeugen Jehovas in Russland

Erstmals seit dem Verbot der Zeugen Jehovas in Russland im April ist ein Mitglied der Glaubensgemeinschaft verurteilt worden. Ein dänisches Mitglied sei zu zwei Monaten Haft wegen „Extremismus“ verurteilt worden, sagte ein Vertreter der Zeugen Jehovas, Jaroslaw Siwulski, am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Dennis Christensen sei am Donnerstagabend in der Stadt Orel 350 Kilometer südlich von Moskau zusammen mit 50 weiteren Zeugen Jehovas von bewaffneten Vertretern des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB festgenommen worden. Bis auf Christensen seien alle Teilnehmer der Versammlung wieder freigelassen worden.

Am Freitag sei Christensen von einem örtlichen Gericht wegen „Teilnahme an extremistischen Aktivitäten“ schuldig gesprochen und zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sein Anwalt habe Berufung eingelegt. Es sei das erste Mal seit dem Ende der Sowjetunion, dass ein Zeuge Jehovas zu einer Haftstrafe verurteilt worden sei, sagte Siwulski.

Das Oberste Gericht in Moskau hatte die Zeugen Jehovas im April auf Antrag des Justizministeriums verboten. Es berief sich dabei auf ein Gesetz, welches das Verbot „extremistischer Organisationen“ zulässt.

Die Zeugen Jehovas, die bislang 395 Zentren in ganz Russland unterhielten, wurden dort seit 1996 wiederholt beschuldigt, mit aggressiven Methoden Gläubige anzuwerben. Wegen des Vorgehens der Behörden gegen die Religionsgemeinschaft wurde Russland bereits mehrfach vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu Schadenersatzzahlungen verurteilt. Dabei wurde unter anderem auf Verstöße gegen Grundrechte wie Religions-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit verwiesen.

Quelle: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de

25.05.2017

Jehovas Zeugen – 100 Millionen Euro Strafzahlung wegen Kindesmissbrauch

Australien: Es wird jetzt um die Höchstgrenze verhandelt, mit der Opfer entschädigt werden. Vorgeschlagen von der ARC waren 200.000 A$, die Regierung schlägt 150.000 A$ vor.

Die WTG verhandelt nicht mit den anderen am runden Tisch, sie verhandelt direkt mit der zuständigen Abteilung der Regierung. Bei der Anhörung in Australien wurde bisher 1.006 Täter bei den ZJ ermittelt. Die Opferzahlen liegen bei ca. 1.800 Personen. Da die Entschädigungssummen differieren werden, ein Rechenbeispiel, einfach basierend auf der Anzahl der Täter:

150.000,00 A$ x 1.006 Täter = 150.900.000 A$, sprich rund 100,5 Millionen Euro.

Dabei handelt es sich nur um Australien. Die WTG wird finanziell stark zu kämpfen haben, wenn man sich die Situation z.B. in der USA und anderen Ländern anschaut.

Quelle: abc.net

20.05.2017

Jehovas Zeugen – Die Folgen des Ausstiegs

Der ehemalige Zeuge Jehovas und Buchautor Konja Simon Rohde spricht über seine Erlebnisse und Erfahrungen der umstrittenen Glaubensgemeinschaft. Dabei geht es insbesondere über die Ächtung der eigenen Familienangehörigen, dem Suizid seines Bruders, die Indoktrinierung innerhalb der Gemeinschaft, die Langzeitfolgen wie psychosomatische Störungen sowie dem erfolgreichen Leben danach.

16.05.2017

Der Wahrheit auf der Spur

Mariette Scheidegger wurde in eine Zeugen Jehovas-Familie hineingeboren. Der Weg hinaus war geprägt von großen inneren Kämpfen. In dem 12minütigen Porträt erzählt sie ihre Geschichte.

DER WAHRHEIT AUF DER SPUR (TRUTH BE TOLD) ist eine Dokumentation in Spielfilmlänge über das Aufwachsen in der Religion der Zeugen Jehovas. Der Titel spielt auf die Tendenz der Zeugen Jehovas an, ihren Glauben als die einzige „Wahrheit“ anzusehen. In einer Reihe an informellen Interviews berichten ehemalige Zeugen Jehovas über ihre Lebenserfahrungen in der Organisation, etwa über den Einfluss der Religion auf ihre Kindheit und ihre Familie, auf ihre Schulbildung, ihre Jugend und ihre Haltung zu Beziehungen und Ehe.

06.05.2017

Jehovas Zeugen – Ein Aussteiger packt aus

Die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas ist in Österreich rechtlich anerkannt. Dennoch gibt es viele Stimmen, welche sich gegen die Organisation erheben. Wir haben mit einem Aussteiger gesprochen. Er erzählt, warum die Zeugen aus seiner Sicht ganz und gar nicht unbedenklich sind.

20.04.2017

Oberstes Gericht verbietet und enteignet Zeugen Jehovas

Das Oberste Gericht Russlands hat die Zeugen Jehovas verboten. Bei der Religionsgemeinschaft handle es sich um eine extremistische Organisation, hieß es zur Begründung. Die Zeugen Jehovas stehen mit der Entscheidung auf einer Stufe mit der Terrormiliz Islamischer Staat.

Nach Angaben der Zeitung „Moscow Times“ gibt es in Russland 175.000 Mitglieder der Religionsgemeinschaft. Das Gericht hatte sich zuvor geweigert, sie als Opfer von politischer Unterdrückung anzuerkennen und lehnte es ab, Zeugen Jehovas anzuhören.
Als extremistisch stufte die Behörde vor allem die Zeitschrift „Der Wachtturm“ ein, die trotz Verbots weiter verteilt werde. Dass die Zeugen Jehovas ihren Mitgliedern Bluttransfusionen verbieten, sei ein Verstoß gegen Menschenrechte.

Am 17. März hatte das russische Justizministerium beim Obersten Gericht beantragt, die Religionsgemeinschaft verbieten zu lassen. Die Zeugen Jehovas „stellen eine Bedrohung für Bürgerrechte, die öffentliche Ordnung sowie die öffentliche Sicherheit dar“, sagte die Anwältin des Justizministeriums, Swetlana Borisowa.

Staat beschlagnahmt sämtlichen Besitz

Nach dem Urteil muss die Organisation nun ihr Hauptquartier sowie ihre 395 Standorte in Russland schließen. Sämtliche Besitztümer werden beschlagnahmt. Bereits im letzten Jahr verboten russische Gerichte den Zeugen Jehovas, Literatur zu verbreiten.

Die Anwälte der Religionsgemeinschaft kündigten an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Möglicherweise könnte der Fall erneut vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte landen: Bereits 2010 wies das Gericht in Straßburg ein russisches Gerichtsurteil zurück, nach dem die Moskauer Ortsgemeinschaft der Zeugen Jehovas aufgelöst werden sollte.

Kritiker schätzen die Zeugen Jehovas als autoritäre Gruppe ein, die Gehorsam erwarte und ihre Mitglieder sozial isoliere. In Deutschland sind sie aber wie die großen Kirchen als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt.

Quelle: focus.de / rp-online.de

05.03.2017

Jehovas Zeugen – Die Zerstörung der Familie

Die Zeugin Jehovas Sonja Erikson wächst von Geburt an bei ihren Eltern auf. Diese sind seid Jahren Missionare bzw. später vorbildliche Pioniere in der eigenen Versammlung. Sonja gibt zu erkennen, dass sie innerhalb der Organisation der Zeugen Jehovas niemand verstand. Sie leidet unter Depressionen, Einsamkeit und fühlt sich unverstanden. Sie selbst beschreibt, dass sie weder frei noch glücklich in „Gottes Organisation“ lebt. Später lernt sie einen Arbeitskollegen kennen, wird mit diesem Intim und wird aufgrund dessen von den Ältesten ausgeschlossen. Auch die Familie schmeißt sie aus dem eigenen Haus raus, und bricht den Kontakt völlig ab. Durch Jahrelange Indoktrinierung, und nachdem sie stolze Mutter von zwei Kindern ist, die ihre Großeltern nie kennen gelernt haben, nimmt sie nach 15 Jahren Kontakt zur Versammlung, den Eltern sowie den alten Freunden wieder auf.

Bedauerlich, denn viele Zeugen Jehovas wissen nicht, dass sie Jahrelang einer reinen Aktiengesellschaft gedient haben. So ist auch die Watchtower Inc. unter der ISIN US94111A1060 registriert und im freien Aktienmarkt zu finden.

29.02.2017

An alle Älteste – Ausgeschlossene nicht mehr besuchen

AN ALLE ÄLTESTENSCHAFTEN

Besuche bei Personen, die ausgeschlossen sind oder die Gemeinschaft verlassen haben

Liebe Brüder,

in den vergangenen Jahren sind viele Ausgeschlossene und Personen, die die Gemeinschaft verlassen hatten, zu Jehova zurückgekehrt, nachdem sie Jehovas Zeugen beim Zeugnisgeben in der Öffentlichkeit gesehen hatten. Andere haben die Ältesten angesprochen, nachdem sie die Broschüre Komm zurück zu Jehova gelesen oder sich JW Broadcasting angesehen hatten (Luk. 15:7).

Angesichts dessen hat die leitende Körperschaft beschlossen, in Zukunft auf die förmliche Regelung jährlicher Besuche bei solchen Personen zu verzichten.

Stattdessen werden Älteste einfach mit gutem Urteilsvermögen entscheiden, wann und in welcher Form sie solche Personen kurz kontaktieren. Lässt ein Ausgeschlossener beispielsweise erkennen, dass er in seinem Leben etwas geändert hab könnte ein Ältester ihn daran erinnern, wie er zu Jehova zurückkommen kann. Solch ein kurzer Kontakt könnte erfolgen, während ein Ältester im Haus-zu-Haus-Dienst ist. Vielleicht sieht ein Ältester heim Einkaufen einen Ausgeschlossenen, der mehrere Jahre nicht kontaktiert wurde, und entscheidet, ihn anzusprechen. Ein älterer oder gebrechlicher Ältester zieht es vielleicht vor, per Telefon Kontakt aufzunehmen.

Nach einem solchen Kontakt ist jedes Mal der Koordinator der Ältestenschaft zu informieren. Nicht kontaktiert werden natürlich Personen, die aktive Abtrünnige sind oder andere zur Sünde verleiten wollen oder erklärt haben, dass sie mit der Christenversammlung rechts zu tun haben möchten.

Dieser Hinweis ersetzt das, was im Lehrbuch „Hütet die Herde“, Kapitel 10, Absatz 1 gesagt wird. Jeder Älteste sollte den Absatz streichen und am Rand vermerken: „Siehe Brief an alle Ältestenschaften vom 28. Februar 2017.“

Dieser Brief wurde den Briefen zu Verfahrensweisen hinzugefügt, auf die im Index der Briefe für Ältestenschaften (S-22) verwiesen wird.

Viele Leser fragen sich:

Wie kann es sein, dass die Wachtturm-Organisation nun keinen Wert mehr darauf legt, ausgeschlossene Zeugen Jehovas zu besuchen? Christus lehrte eindeutig, dass er die 99 Schafe zurück lässt, um das eine Schaf zu suchen, dass gebrechlich ist und nicht mehr zur Gemeinschaft von alleine finden konnte. Wieso drehen Jehovas Zeugen die Lehren von Jesus Christus komplett um, indem sie schön umschmückt letztendlich zu verstehen geben, dass ihnen das Schaf, das verloren gegangen ist, egal ist, weil sie ja noch die anderen 99 Schafe in der Herde besitzen? Wo geht aus dem Gleichnis hervor, dass das gebrochene Schaf selbst und von alleine zur Herde zurück finden musste? Ist dies der christliche Weg, den Jesus vorgegeben hat? Warum handeln Jehovas Zeugen exakt entgegengesetzt dem Beispiel und den Lehren Jesus Christus? Kann dies der Segen YHWH’s sein, und führt diese Lehre wirklich auf den heiligen Geist zurück?

Möchte die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas nicht, dass Älteste von sich aus Ausgeschlossene besuchen gehen, weil diese höchst wahrscheinlich durch das Internet und Aufklärungsseiten, wie z.B. wahrheitenjetzt!, genügend Argumente und Beweise haben, um jeden Ältesten deutlich aufzeigen zu können, dass die Wachtturm-Organisation nicht die Wahrheit besitzt und lehrt? Dass sie keine wahren Christen sind und keinesfalls YHWH’s Segen besitzen können?

29.02.2017

Fessler vs. Wachtturm – Stillschweigen gegen Zahlung von 2 Mio. US-Dollar?

Die Rechtsabteilung der Wachtturmgesellschaft der Zeugen Jehovas hat sich bereits nach dem zweiten Verhandlungstag eines Verfahrens in Philadelphia dazu entschlossen, der Klägerin Stephanie Fessleri einen außergerichtlichen Vergleich anzubieten. Fessler hatte das Gerichtsverfahren wegen sexuellem Missbrauchs, der an ihr begangen wurde und dem Versäumnis der Wachtturmgesellschaft, den gesetzlich vorgeschriebenen Weg einer Benachrichtigung der zuständigen Behörden einzuhalten, angestrengt.

In einer überraschenden Wendung hat die Wachtturmorganisation der Klägerin einen außergerichtlichen Vergleichsvorschlag angeboten, der auf eine Summe von zwei Mio. USD geschätzt wird. Die Organisation steht seit siebzehn Jahren wegen ihrer Politik, solche Vorwürfe, wenn immer möglich, intern zu behandeln und auf der umstrittenen Zweizeugen-regelung zu bestehen, unter einem zunehmenden Druck der Öffentlichkeit.

Zu der entscheidenden frühen Wende in dem jüngsten Verfahren kam es, als die JW.org-Repräsentanten behaupteten, dass Ältesten der Glaubensgemeinschaft zu keinem Zeitpunkt von ihrer Leitung geraten worden sei, einen Missbrauch nicht zu melden und dass Älteste oder Mitglieder der Glaubensgemeinschaft ebenso wenig ausgeschlossen oder gemaßregelt worden seien, weil sie einen Missbrauch den Behörden gemeldet hätten.

Eine Steilvorlage, die die Anklage nicht ungenutzt ließ. Sie legte dem Gericht einen Nachweis aus dem sogenannten Dateline-Programm, das bereits im Mai 2002 ausgestrahlt worden war und eine Aufzeichnung der Rechtsabteilung der Gesellschaft vor, die den damaligen Ältesten William H. Bowen anwies, eine Meldung zu einem ihm bekannt geworden sexuellen Missbrauchsfall von einem Kind an die Behörden zu unterlassen.

William H Bowen wurde später wegen seiner Weigerung, dieser Aufforderung nachzukommen, zunächst Beschränkungen unterworfen, so durfte er nicht mehr in den Predigtdienst gehen, und wurde danach sogar ausgeschlossen.

Die Beweisführung war eindeutig und wäre vermutlich auch überzeugend genug für die Jury, sodass die Gesellschaft es nicht auf eine zu erwartende Niederlage durch eine Verurteilung ankommen lassen wollte und einen außergerichtlichen Vergleich vorschlug.

Bowen gründete nach seinem Ausschluss die Organisation Silentlambs, um Missbrauchsopfern eine Stimme zu geben und ihnen zur Seite zu stehen. Sie sollten erfahren, dass sie in ihrer schwierigen Lage nicht alleine seien, so Bowen.

Seit dieser Zeit haben mehr als hundert Opfer Klage gegen die Wachtturmgesellschaft eingereicht, die lange Zeit der Stille der „schweigenden Lämmer“ hatte ein Ende gefunden.

Für die Gesellschaft hat sich die Lage im Verlauf der kommenden Jahre auch in anderer Hinsicht verschlechtert. So kommt sie in Fällen, in denen sie eine außergerichtliche Einigung mit den Opfern erzielen konnte, nicht mehr so billig davon wie noch vor zwanzig Jahren.

Noch in der Mitte der 1990er Jahre brüstete man sich Bill Bowen zufolge in der Rechtsabteilung von JW.org damit, wie man Opfer noch dazu erfolgreich überzeugen konnte, sich mit viel weniger zufrieden zu geben als mit den 125.000 US-Dollar, die die Gesellschaft für solche Zwecke vorgesehen hatte.

Seitdem haben sich jedoch nicht nur die bekannt gewordenen Zahlen der Opfer, sondern auch die an diese gezahlten Summen erhöht. Im Jahr 2007 erhielten siebzehn Opfer durchschnittlich je 750.000 US-Dollar nach einer gerichtlichen Verhandlung, die sich über sechs Jahre hingezogen hatte. Eine Zeitspanne, die der Wachtturm verstreichen ließ, bevor er zur Zahlung bereit war.

Im Jahr 2013 wurden sieben Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch in Kalifornien bereits eine geschätzte Auszahlung von je über $ 2.000.000 nach rechtlichen Auseinandersetzungen, die sich über zwei Jahre hinzogen, zuteil.

In einem Fall, der im Jahr 2014 vor Gericht ging, wurde dem Opfer, Candace Conti, von der Jury sogar die Summe von US-$ 28 Mio. für die Leiden, die ihr von der JW.org-Führung zugefügt, bzw. von dieser sanktioniert worden waren, zugesprochen.

Allerdings handelt es sich in den Vergleichsfällen um (plausible) Annahmen, da um die tatsächlich gezahlten genauen Beträge ein sorgfältig gehütetes Geheimnis gemacht wird.

Die JW.org-Führung möchte es in jedem Fall vermeiden, dass den Mitgliedern und der Öffentlichkeit bekannt wird, welche enormen Zahlungen aus den gespendeten Mitteln für solche Zwecke geleistet werden.

Die Fakten zeigen, dass die Gesellschaft für jeden neuen Fall mit höheren Aufwendungen an Anwaltsgebühren und Gerichtskosten rechnen muss, was zügigere außergerichtliche Einigungen für sie attraktiver machen könnte.

Zudem verliert sie weiteren Boden, da in zunehmend mehr gerichtlichen Präzedenzfällen gesetzlich festgelegt wird, wie Opfer von derartigen Verbrechen entschädigt werden sollten und Entschädigungssummen nach Vorstellung der Wachtturmgesellschaft in der Höhe von 125.000 US-$ wohl endgültig der Vergangenheit angehören.

Wer bezahlt das alles?

Es sind die einfachen Mitglieder der Gemeinschaft, die Zeugen Jehovas, die weltweit durch Zeitschriftenverteilung und ihre eigenen Spenden Millionen von Dollar für die Wachtturmgesellschaft aufbringen.

Der Fall von Stephanie Fessler verdeutlicht, wie die von der Gesellschaft betriebene Rechtspolitik von Obstruktion und Täuschung mittel- bis langfristig das Potenzial hat, die JW.org finanziell in den Abgrund zu stürzen.

Je mehr Opfer erfahren, dass ihre Klagen eine solide Rechtsgrundlage haben, um die Gesellschaft zu verklagen, und je mehr Zeugen Jehovas, die die Politik von JW.org verteidigen müssen, erkennen, dass sie damit der Vergewaltigung von Kindern Vorschub leisten, desto mehr wird die Gesellschaft unter den Druck geraten, der sie zwingt, ihre bisherige Politik zu überdenken und dafür zu sorgen, dass Änderungen für einen besseren Kinderschutz eingeführt werden.

Bis dies geschieht ist es notwendig, dass die Führungsmitglieder der Organisation in derartigen Fällen regelmäßig sanktioniert oder sogar von ihren Positionen entfernt wird, um die entsprechende Anpassungen zum Schutz der Kinder zu erzwingen.

Quelle: (1) silentlambs.org / (2) silentlambs.org / (3) silentlambs.org / (4) silentlambs.org / (5) silentlambs.org / apps.jw.orgisgodimaginary.com

23.02.2017

Zeugen Jehovas: Aussteiger üben heftige Kritik

ERLÖSUNG: Kein Sex vor der Ehe, kein Rauchen, kein übermäßiger Alkoholkonsum, keine Feste und keine Freundschaften außerhalb der Zeugen Jehovas – nur ein kleiner Auszug der Liste an Entbehrungen, die das junge Ehepaar Schwarz bei den Zeugen Jehovas erlebte. Seit August ist Schluss. Daniel Schwarz möchte nun die staatliche Anerkennung der Zeugen fallen sehen.

Ex-Mitglieder berichten von menschenverachtenden Praktiken bei den Zeugen Jehovas. Sie wollen deren staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft kippen.

Früher trottete Sarah Schwarz pflichtbewusst von Tür zu Tür, um neue Mitglieder zu rekrutieren. Sie kann sich noch gut an die Abneigung in den Gesichtern der Menschen erinnern. „Ich wollte das eigentlich nicht machen, es war immer ein innerer Zwang“, erzählt sie. Die 25-Jährige war Zeugin Jehovas, fast ihr ganzes bisheriges Leben lang.

Schwarz sitzt auf der Couch ihrer kleinen Wohnung im niederösterreichischen Wilhelmsburg und blickt auf eine Zeit voller Entbehrungen zurück. Kein Sex vor der Ehe, keine Zigaretten, kein übermäßiger Alkoholkonsum. Keine Filme, Bücher und Videospiele, in denen Zauberei oder Gewalt vorkommen. Keinerlei Teilnahme am politischen Geschehen. Und vor allem: keine Freundschaften außerhalb der Zeugen Jehovas.

Im August des Vorjahres sagte sich Sarah Schwarz endlich von der erzkonservativen Organisation los, gemeinsam mit ihrem Mann Daniel. „Ich gehe jetzt nicht mehr jeden Tag mit dem schlechten Gewissen ins Bett, dass Gott enttäuscht ist, weil ich wieder einmal nicht gebetet oder in der Bibel gelesen habe“, sagt die junge Frau. Die Abkehr von den Zeugen Jehovas brachte Schwarz bisher ungekannte Freiheiten: Bei der Bundespräsidentenwahl setzte sie zum ersten Mal einen Schritt in ein Wahllokal, Wochen später feierte sie ihr erstes Weihnachts- und im Jänner das erste Geburtstagsfest. „Bist du dir wirklich sicher, dass du die Zeugen Jehovas verlassen willst?“, fragte ein enger Verwandter sie im August per SMS. Der Mann ist nach wie vor Zeuge. Auf die Antwort von Schwarz erwiderte er nichts mehr. Seither gibt es keinen Kontakt – obwohl er nur ein paar Straßen weiter wohnt. Auch andere Verwandte, die noch bei den Zeugen sind, meiden sie. Die familiäre Ächtung ist nur konsequent: Zeugen Jehovas „können ihre grundsatztreue Liebe zum Ausdruck bringen, indem sie sich weder mit dem Ausgeschlossenen unterhalten noch mit ihm Umgang haben“, war in der „Wachtturm“-Ausgabe vom April 2015 zu lesen.

Unbedingte Loyalität gefordert

Die Zeitschrift der Religionsgruppe vermittelt den Gläubigen die richtige Auslegung der Bibel. In der Praxis heißt das: unbedingte Loyalität gegenüber der Gemeinschaft, im Extremfall auch zulasten der engsten Verwandten. Wie viele Aussteiger musste sich das Ehepaar Schwarz mühsam aus der sozialen Isolation herauskämpfen und einen neuen Freundeskreis aufbauen.

Wegen menschenverachtender Praktiken wie dieser sind die Zeugen Jehovas umstritten. Ende des 19. Jahrhunderts in den USA gegründet, ist die bibeltreue Bewegung inzwischen weltweit aktiv. Die christliche Organisation zählt in Österreich gut 21.000 Mitglieder und ist seit 2009 anerkannte Religionsgesellschaft. Geht es nach Sarah und Daniel Schwarz, soll sich das ändern. Denn die Gemeinschaft lehnt nicht nur Bluttransfusionen kategorisch ab und verfährt äußerst rigoros mit Ex-Gläubigen, sie hält ihre Mitglieder indirekt auch dazu an, demokratischen Wahlen fernzubleiben.

Gerade dieser Punkt birgt Brisanz: Das Gesetz für Religionsgemeinschaften schreibt ausdrücklich eine „positive Grundeinstellung gegenüber Gesellschaft und Staat“ vor. Wer Wahlen ablehnt, riskiert die Aufhebung des Anerkennungsstatus und damit den Verlust zahlreicher Rechte -von der Grundsteuerbefreiung bis zu konfessionellen Religionslehrern.

Zwei Mal die Woche besuchten Sarah und Daniel Schwarz Bibelkurs und Predigt im Königreichssaal in der Kleinstadt Traisen in Niederösterreich. Dort lernten sie die ausgeprägte Gottesfürchtigkeit der Zeugen Jehovas und deren eigenwillige Auslegung der Bibel kennen: Die Gemeinschaft glaubt an die Apokalypse, an die endzeitliche Schlacht bei Harmagedon. Jesus, so die Erwartung, wird in naher Zukunft eine Engelsarmee befehligen und die irdische Herrschaft Satans auslöschen – und mit ihr alle, die gegen Gott sind. Wer nicht vernichtet werden will, fügt sich Gottes Wort, also den Zeugen Jehovas.

Nach gängiger Lehrmeinung gilt der Krieg auch allen weltlichen Regierungen. „Die Zeugen Jehovas erwarten eine Gottesherrschaft. Das bedingt natürlich eine gewisse Distanz zu säkularen Staaten“, erklärt Religionswissenschafter Gerald Hödl, der an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Wien lehrt. Zwar sind Zeugen Jehovas laut ihrem Selbstverständnis gute Bürger, die ihre Steuern zahlen und die Obrigkeit achten. Die Distanz zum Staat ist dennoch offenkundig: „Ich kenne keinen aktiven Zeugen Jehovas, der je zur Wahl gegangen wäre – und wenn, hätte er sich nie getraut, das offen zuzugeben“, sagt Aussteiger Daniel Schwarz. Offiziell wird die Wahlverweigerung subtil formuliert: „Wahre Christen respektieren, dass andere von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Sie unternehmen nichts gegen Wahlen und halten sich an das, was die gewählte Volksvertretung entscheidet. Sie selbst bleiben jedoch in politischen Angelegenheiten streng neutral“, steht in der Online-Bibliothek der Zeugen Jehovas.

Gebot politischer Abstinenz

Ihre politische Untätigkeit leiten die Zeugen aus dem Johannesevangelium ab. Jesus sagt dort: „Sie (seine Anhänger, Anm.) sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.“ Die Schlussfolgerung der Zeugen: Politik und Wahlen sind irdisch, Zeugen Jehovas haben sich nicht dafür zu interessieren. In der Ausgabe vom November 1999 wurde der „Wachtturm“ noch deutlicher: „Diejenigen, die jemand in ein Amt wählen, können dafür verantwortlich gemacht werden, was er tut.“ Gegenüber profil rechtfertigt die Pressestelle der Zeugen Jehovas das Gebot politischer Abstinenz einigermaßen kryptisch: Es entspreche „dem Wesen moderner Demokratien, die Freiheit, wählen zu gehen oder nicht, zu respektieren“. Mehrere Aussteiger erklären übereinstimmend, wie diese Haltung im geschlossenen Kreis argumentiert wird: „Man hat uns gesagt, weil wir bereits Gottes Königsreich gewählt haben, brauchen wir nicht wählen gehen.“

Im sogenannten „Ältestetenbuch“ der Zeugen Jehovas, einer 142 Seiten umfassenden Handlungsanleitung für die Leiter von Jehovas-Gemeinden, wird unmissverständlich klargestellt: „Wer sich einer nicht neutralen Organisation anschließt, hat die Gemeinschaft (der Zeugen Jehovas, Anm.) zu verlassen.“ Engagement in Parteien und NGOs wird nicht geduldet. Andererseits hat „die Distanz zum Staat nicht nur eine negative Seite“, sagt Religionswissenschafter Hödl: „Die Zeugen Jehovas sind geschlossen dem Nationalsozialismus entgegengetreten.“ René Peknic, 52, sitzt am Esstisch seines Einfamilienhauses in Tiefenthal nahe Wien. „Es ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen“, erinnert er sich an jenen Tag, der sein Leben verändern sollte. Es war im Dezember 2012, nach 33 Jahren bei den Zeugen Jehovas. Seine Bankbetreuerin erzählte ihm, sie mache sich selbstständig und werde in Zukunft Hygieneartikel über Direktvertrieb an Bekannte verkaufen. Das Geschäftsmodell der Bankangestellten erinnerte Peknic frappant an die Praktiken der Zeugen Jehovas. Er begann zu zweifeln und tat etwas, was innerhalb der Glaubensgemeinschaft höchst verpönt ist: Er recherchierte kritische Standpunkte im Internet und las das Buch eines hochrangigen Aussteigers. „Ich habe mein Leben einem Konzern mit religiösem Mantel geopfert“, sagt er heute.

„Konzern“ mit Sitz in New York

Der Begriff „Konzern“ ist durchaus angebracht. Hinter den Zeugen Jehovas steht die amerikanische „Wachtturm“-Gesellschaft mit Sitz in New York, die sich über Spenden ihrer Mitglieder finanziert – und durch Immobilienerlöse. Derzeit verlegt die Gemeinschaft ihren Standort von Brooklyn aufs Land. Das alte Grundstück in einem angesagten Stadtteil New Yorks soll verkauft werden – kolportierter Wert: eine Milliarde Dollar. Das neue Zentrum wird von freiwilligen Helfern aufgebaut.

Peknic, der immer nur Teilzeit arbeitete, um genug Zeit für die Religionsgemeinschaft zu haben, betrachtete seinen Brotberuf stets als zweitrangig: Wer glaubt, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht, kann sich solche Anstrengungen ersparen. In den 33 Jahren bei den Zeugen brachte es Peknic bis zur Funktion des Ältesten seiner Gemeinde.

Auch er nahm in all den Jahren nie an einer demokratischen Wahl teil. „Die Zeugen Jehovas formulieren das sehr geschickt und sagen: ‚Wir sind neutral.‘ Das zeigt nur die Janusköpfigkeit dieser Organisation.“

Peknic und die Familie Schwarz sind nicht die ersten Aussteiger, die ihr Schweigen brechen. Die Zeugen Jehovas haben für solche Fälle eine Standard-Argumentation parat: „Sogenannten Aussteigern“ könne „ein objektiver Aussagegehalt in der Regel nicht zuerkannt werden“. Denn ehemalige Zeugen kompensierten ihr „individuelles Versagen und persönliche Probleme“ dadurch, „dass der ehemaligen Religionsgemeinschaft die Schuld dafür gegeben wird“, so ein Sprecher der Gemeinschaft gegenüber profil.

Persönliche Probleme hat Daniel Schwarz keine mehr. Er mag seinen Job, genießt die neuen Freiheiten mit seiner Frau Sarah und will demnächst in eine größere Wohnung ziehen. „Ich blicke jetzt wieder positiv in die Zukunft.“ Das genügt ihm aber nicht: Er will die staatliche Anerkennung der Zeugen Jehovas fallen sehen. Kurz vor Weihnachten schrieb er ein Mail an das zuständige Kultusamt. Er listete seine persönlichen Erlebnisse mit der Religionsgemeinschaft auf und hofft, dass er bald angehört wird.

Kein leichtes Unterfangen: Die Zeugen Jehovas kämpften seit den 1970er-Jahren um ihre offizielle Anerkennung in Österreich und zogen bis zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg, der ihnen 2008 schließlich Recht gab.

Daniel Schwarz erzählt von seinem Rausschmiss bei den Zeugen Jehovas. Er löcherte die Ältesteten seiner Gemeinde mit kritischen Fragen, bis es ihnen zu bunt wurde: Sie luden den Zweifler vor ein konfessionelles Rechtskomitee. Dort wurde Daniel Schwarz drei Stunden lang von drei Ältesteten verhört. Am Ende sollen sie gesagt haben: „Wir betrachten dich nicht als Abtrünnigen. Du bist ein verlorener Sohn für uns. Wir müssen dich ausschließen, damit du die anderen nicht mit deinem vergifteten Geist infizierst.“ Im biblischen Gleichnis kehrt der verlorene Sohn zurück. Im Fall von Schwarz darf das getrost bezweifelt werden.

Quelle: profil.at

17.02.2017

Großbritannien: Wachtturmgesellschaft lenkt gegenüber der Charity Commission ein

Die britische Wohltätigkeitskommission (Charity Commission) beabsichtigt schon seit längerem, sich mit Vorwürfen an die Adresse der Wachtturmgesellschaft in einer Untersuchung zu befassen. Neben den Praktiken, wie die Gesellschaft im Fall von sexuellem Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen umgeht, geht es auch darum, ob Opfer solcher Taten gezwungen worden sind, ihren Peinigern Auge in Auge zu begegnen.

Die Anwälte der Gesellschaft haben die Untersuchung seit mehr als zwei Jahren mithilfe von Rechtsmitteln verhindert. Die Wachtturmgesellschaft hat diese Bemühungen nunmehr eingestellt und den Rechtsstreit für beendet erklärt.

Die britische Wohltätigkeitskommission hatte mit ihren Nachforschungen bereits im Mai 2014 begonnen, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, dass Opfer von Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch, darunter auch Kinder, gezwungen worden sind, mit ihren Angreifern in internen „Justizausschüssen“ konfrontiert zu werden.

Die Zeugen Jehovas widersetzten sich jedoch einer Untersuchung der Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft von Großbritannien (WTBTS), die die britischen

1.500 Versammlungen des Landes beaufsichtigt und von der angenommen wird, dass ihr eine Schlüsselrolle bei der Entscheidung darüber, wie die Missbrauchsfälle in der Gemeinschaft behandelt werden, zukommt.

Die WTBTS, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von über 80 Millionen britische Pfund erwirtschaftete, legte jedoch eine Reihe von Rechtsmitteln mit dem Ziel ein, eine solche Untersuchung zu verhindern.i

Dazu gehörte der Versuch, im Obersten Gerichtshof des Landes die Entscheidung der Kommission, eine Untersuchung einzuleiten, anzufechten. Die Wohltätigkeitsorganisation kämpfte auch in den unteren Gerichten gegen Anordnungen, die sie verpflichten würden, der Kommission Zugang zu Aufzeichnungen zu gewähren, die aufzeigen könnten, wie sie Anschuldigungen von Kindesmissbrauch behandelt.

Die Kommission gab in der letzten Woche bekannt,ii dass die WTBTS nach nunmehr mehr als zweieinhalb Jahre seit dem Beginn der Untersuchung einige der Dokumente, um die sie die Gesellschaft ersucht hatte, überlassen hat.

Die WTBS hat auch das letzte ihrer Rechtsmittel gegen die Untersuchung fallen gelassen, nachdem das Oberste Gericht sich geweigert hatte, sich mit diesem Fall im Juli d.J. zu befassen.

Obwohl es allgemein betrachtet schon vorkommen könne, dass Wohltätigkeitsorganisationen gegen Entscheidungen der Kommission mit rechtlichen Schritten vorgingen, sei das Verhalten der WTBS in seiner Länge und seinem Ausmaß in den vergangenen Jahren ohne Beispiel gewesen, sagte ein Sprecher der Kommission gegenüber dem The Guardian im letzten Jahr.

Aktuell gibt es jedoch eine neue Entwicklung:

„Im Licht des Verlaufs der Untersuchung und der Informationen, die die Kommission vom Wachtturm und andern Quellen erhalten hat, ist die Gesellschaft damit einverstanden, ihren Widerspruch gegen den Gerichtsbeschluss zur Vorlage von Dokumenten zurückzuziehen. Damit hat der Wachtturm sein Einverständnis erklärt, dass seine diesbezügliche Eingabe gegenstandslos geworden ist und eine gemeinsame Erklärung dem Gericht vorgelegt werden konnte, um die Verhandlungen abzuschließen.

Die Wachtturmgesellschaft wird nun mit der Kommission zusammenarbeiten, um den Sachverhalten auf den Grund zu gehen, die Gegenstand der gesetzlichen Untersuchung sind und um den behördlichen Anliegen der Kommission nachzukommen.“

Die Kommission führt derzeit eine gesonderte Untersuchung in der Gemeinde Manchester New Moston durch,iii wo drei inzwischen erwachsene Missbrauchsopfer angeblich dazu gezwungen worden sind, ihrem Missbraucher gegenüberzutreten, kurz nachdem dieser aus dem Gefängnis entlassen worden war, wo er für seine Übergriffe eine Arreststrafe verbracht hatte.

Er wurde später angeblich von der Gemeinschaft „ausgeschlossen“, oder aus seiner Religion entfernt. Zwei Frauen sagten gegenüber dem The Guardian im letzten Jahr dagegen aus, dass es ihm tatsächlich erlaubt worden war, in der Gemeinschaft zu verbleiben, obwohl Ausschlüsse oft wegen viel geringfügigerer Vergehen, so wie beispielsweise für Glücksspiel, ausgesprochen werden würden.

Eine Frau, die als Erwachsene vergewaltigt worden war, sagte, sie sei von den Ältesten ihrer Versammlung aufgefordert worden, ihrem Vergewaltiger in einer privaten Anhörung gegenüber zu treten, was sie so sehr traumatisiert habe, dass in der Folge ihre Ehe daran zerbrochen sei.

Ein Sprecher der Zeugen Jehovas sagte dazu im vergangenen Jahr: „Wir sind nicht in der Position, so etwas zu verlangen und wollen es auch nicht, dass jedes Opfer eines Missbrauchs dazu gezwungen wird, mit seinem Angreifer konfrontiert zu werden.“

Rechtsanwalt Thomas Beale von AO Advocates, der im vergangenen Jahr einen Zivilprozess gewonnen hatte, in dem festgestellt wurde, dass die Zeugen Jehovas es versäumt hatten, eine Frau vor sexuellem Missbrauch zu schützen, was bei ihr im Alter von vier Jahren begann, sagte zu der Entscheidung der Kommission, dass die jetzt geschlossene Vereinbarung es der WTBS erlauben würde, wichtige Informationen weiterhin zurückhalten.

„Natürlich begrüßen wir die laufende gesetzliche Untersuchung über die Sicherungspolitik der Zeugen Jehovas und freuen uns auf die Möglichkeit, ihre Ergebnisse später überprüfen zu können,“ kommentiert er das Ergebnis.

„Doch angesichts unserer Erfahrung mit den Zeugen Jehovas vor Gericht sehen wir der Möglichkeit einer gründlichen und robusten Untersuchung auch angesichts des jetzigen Einlenkens der WTBS mit Skepsis entgegen. Wir sind der Meinung, dass die Chance für eine vollständige Offenlegung der Information zu Missbrauchsfällen tatsächlich nur sehr gering ist. „

Die Organisation der Zeugen Jehovas sieht sich mit ähnlichen Forderungen auch im Ausland konfrontiert. Im vergangenen Jahr hat eine Untersuchung in Australien entschieden, dass die Organisation Kinder nicht in ausreichender Weise vor sexuellem Missbrauch schütztiv und dass ihre internen Verfahren zum Schutz vor Missbrauch zu schwach sind.

Ähnliche Vorwürfe wurden auch in Kanada erhoben.

Ein Sprecher der Zeugen Jehovas sagte im vergangenen Jahr gegenüber dem The Guardian: „Die Ältesten der Kongregation halten Opfer nicht davor zurück, die Taten anzuzeigen oder schützen die Missbraucher gegenüber den Behörden vor den Konsequenzen ihrer Handlungen.“

Fay Maxted, die Chefin des Survivors Trust, forderte die WTBTS dazu auf, sich bei den Betroffenen dafür zu entschuldigen, dass ihre Taktik zu den „schrecklichen Verzögerungen“ geführt habe.

„Die Glaubensgemeinschaften müssen zur Kenntnis nehmen, dass ihre rechtlichen Eingaben, eine nach der anderen, den Opfern und Überlebenden erhebliche Schäden und Schmerzen verursachen, wenn sie daran gehindert werden, ihre Informationen und Erfahrungen anderen mitzuteilen“,

sagte sie. „Es fällt sehr schwer, unter solchen Umständen daran zu glauben, dass die besten Interessen des Opfers oder Überlebenden in irgendeiner Weise berücksichtigt werden.“

Maxted sagte, sie hoffe, dass die Entscheidung der WTBS, Informationen mit der Kommission zu teilen, nunmehr auch tatsächlich eine Änderung im Hinblick auf die Bedürfnisse von Opfern und Überlebenden bedeutet.

Quellen: theguardian.com / gov.uk / manchestereveningnews.co.uk / theguardian.com (2) / cbc.ca

12.02.2017

Fessler gegen Wachtturmgesellschaft – der erste Gerichtstag

Es ist ein kalter Morgen in Philadelphia als Stephanie Fessler am 7. Februar 2017 gegen 09:45 Uhr in den Gerichtshof von Pennsylvania, Erster Gerichtskreis, Zivilprozess, eintritt. Aber es gibt noch eine andere Uhr, die tickt – es ist die Uhr der Gerechtigkeit.

Eine Zeitmessung, die misst, wie lange es dauert, bis eine Person oder Organisation, die das Leben eines anderen Menschen geschädigt hat, für das, was sie getan oder möglicherweise auch nicht getan hat, zur Rechenschaft gezogen wird.

Es ist 13 Jahre her, dass die Ältesten der Versammlung der Zeugen Jehovas Grove Pennsylvania im Frühjahr zuerst von der sexuellen Beziehung und dem Missbrauch erfahren hatten, der von Terry Monheim im Alter von 49 Jahren gegenüber ihrem Opfer, Stephanie Fessler, die damals erst 14 Jahre alt war, begangen wurde.

Stephanie wurde vor den Ältesten in den Jahren 2004 und 2005 für diese illegitime Beziehung vor ein Komitee der Ältesten zitiert, während diese in grotesker Missachtung des Gesetzes den vermuteten Missbrauch nicht an die Polizei, die Pennsylvania’s Childline oder eine andere Behörde meldeten.

Stattdessen gaben sie das, was sie in Erfahrung gebracht hatten, an die Rechtsabteilung der Wachtturmgesellschaft weiter, die ihrerseits das Staatsrecht von Pennsylvania in gleicher Weise ignorierte und den Verdacht ebenso wenig berichtete wie die Ältesten.

Statt das Opfer vor weiteren Schäden zu schützen, wurde Stephanie zur Sünderin abgestempelt. In den Jahren 2004 und 2005 war sie durch die Ältesten förmlich ermahnt, im zweiten Fall sogar öffentlich vor der ganzen Versammlung als Sünderin gebrandmarkt worden.

Damit wurde das Opfer Stephanie zusätzlich traumatisiert. Zudem wurde ihr die fachkundige Hilfe und der Schutz durch Behörden, die auf diesem Gebiet spezialisiert sind, verweigert.

Dabei ist es nicht geblieben. Die örtlichen Ältesten und die Wachtturmorganisation schikanierten Stephanie danach mehr als einmal. Ihre Beteiligung an dem Missbrauch wurde als eine Sünde bewertet, und nicht als Verbrechen der Täterin. Stephanie sei ein Sünder, sagten sie.

Um 9:52 Uhr betraten die 25 Juroren das Gerichtsgebäude über den Hof von Mary C. Collins und wurden über die Natur dieses Falles unterrichtet. Danach wurde die Liste der Zeugen vorgelesen, die voraussichtlich aussagen würden.

Gegen 10:25 Uhr wurden alle bis auf zehn Geschworene entlassen und damit war die Jury war vollständig. Acht Juroren mit zwei Stellvertretern werden nunmehr über das Schicksal der Wachtturm Bibel und Trakt-Gesellschaft von New York sowie der christlichen Versammlung der Zeugen Jehovas, der Versammlung der Zeugen in Spring Grove und, in geringerem Maße, auch über die Täterin Terry Monheim entscheiden.

Vorherige Entwicklungen

Kurz vor der Eröffnungsrede hatten sich bereits die Anwälte der Klägerin, Stephanie Fessler, und die der Verteidigung ein juristisches Gefecht geliefert, ohne dass die Jury anwesend war. Richterin Collins musste über mehr als ein Dutzend Anträge entscheiden.

In diesen werden beispielsweise die Voraussetzungen festgelegt, unter denen Be-weise in die Verhandlung eingebracht werden können oder nicht.

Es dauerte nicht lange, bis sich die Schlacht aufheizte als Spring Grove Verteidiger, Jud Aaron, seine Stimme gegen die Einführung eines neuen Zeugen, eines Ältesten im York County, PA, erhob. Er argumentierte, dass dies ein Zeuge sei, den der Kläger unnötigerweise aufgerufen habe, da dessen Aussage irrelevant sei und der außerdem nicht von der Verteidigung benannt worden sei.

Richterin Collins stimmte der Verteidigung insoweit zu, dass die Beweise dieses Zeugen während der ersten Phase des Prozesses nicht zugelassen würden, aber während der Strafphase des Prozesses erlaubt werden würden.

Damit war die Bühne wohl schon für die unvermeidliche Niederlage des Wachtturms vorbereitet, noch bevor die Juroren einen einzigen Zeugen befragten.

In einem weiteren Antrag versuchte die Verteidigung, das Zeugnis des Detektivs Lisa Layden, einer sachverständigen Zeugin mit der Begründung auszuschließen, dass ihr Zeugnis „nur eine Meinung“ und daher nicht erlaubt sei. Nach einer schlüssigen Widerlegung dieser Aussage durch Rechtsanwalt, Jeffrey Fritz, lehnte Richterin Collins den Antrag ab; Lisa Layden wird bezeugen.

Es war auch keine Überraschung, dass die Verteidigung versuchen würde, das Klerusprivileg geltend zu machen. Sie argumentierte, dass Äußerungen, die gegenüber den Ältesten in vertraulichen Gesprächen gemacht würden, privilegiert und geschützt seien. Ihre Einbringung in Gerichtsverfahren würden daher Klerusprivilegien, welche die Bekenntnisse an Geistliche schützen sollen, verletzen.

Diese Forderung traf auf eine harsche Erwiderung von Stephanies Rechtsanwalt Jeffrey Fritz. Er teilte der Richterin mit, dass das Klerusprivileg in diesem Fall keine Anwendung haben könne, da von vornherein keine Erwartung einer Vertraulichkeit bestanden habe, als die Ältesten Fessler zu einer Ältestenversammlung hinzuzogen und sie zu ihrer Beziehung zu Monheim befragt worden sei.

Der Älteste Eric Hoffman, der vor mehr als zwei Jahren abgesetzt worden war, hatte sich seinerseits in keinem Fall auf das Klerusprivileg berufen, sondern verletzte die gebotene Vertraulichkeit selbst, indem er jeden Aspekt von Stephanies Bericht an mehrere andere Älteste sowie an das Rechtsreferat der Wachtturmgesellschaft in New York weitergab.

Als Herrn Fritz angesichts seines Engagements und seiner Erregung der Schweiß auf der Stirn stand, gab Richterin Collins ihm Recht. Er sei in dieser Frage „richtig auf den Punkt“ gekommen, das Klerusprivileg könne in diesem Fall nicht aufgerufen werden. Für den Wachtturm, der in der Vergangenheit mehrfach versucht hatte, dieses Privileg für sich zu beanspruchen, war dies eine weitere Niederlage.

In einer etwas überraschenden Stellungnahme der Verteidigung behauptete der Bevollmächtigte Jud Aaron, dass der Anwalt des Klägers versuche, die Religion der Zeugen Jehovas vor Gericht zu stellen, indem er Dutzende von Wachtturm und Erwachet! Artikeln in seine Beweisführung eingebracht habe. Es war ein verzweifelter Zug, aber Judge Collins fiel nicht darauf herein.

Der Prozess beginnt

Aus den privaten Hinterräumen des Gerichts betrat die Jury nunmehr den Gerichtssaal. Drei schwarze Männer, zwei weiße Frauen und fünf schwarze Frauen traten ein und nahmen ihre zugewiesenen Plätze ein. Richterin Collins beglückwünschte sie für ihre Bereitschaft zur Annahme der Verpflichtung als Geschworene bei Gericht tätig zu werden und erinnerte sie daran, dass sie es sei, die während des Prozesses über alle Angelegenheiten des Gesetzes entscheide und die Geschworenen ihrer Entscheidung Folge zu leisten hätten.

Allerdings erinnerte sie die Jury auch daran, dass die Verantwortung zur Bewertung der Aussagen und der Tatsachen im vorliegenden Fall allein in ihrer Hand liege. Collins erklärte die Definition von einem „Übergewicht der Beweislast“ und gab der Jury die Abbildung einer Skala, die den Kläger und die Verteidigung auf beiden Seiten des Zentrums darstellt. Sie stellte fest, dass die Klägerin, wenn die Waagschale nur geringfügig zugunsten des Klägers ausschlage, das Erfordernis der Beweisführung erfüllt und die Beklagte daher schuldig sei.

Nach einer Mittagspause wurde das Gericht um 13:45 Uhr wieder einberufen und Richterin Collins verlas gegenüber der Jury das Gesetz des Staates, das eine Meldung in einem Fall von Kindesmissbrauch verpflichtend macht.

Nunmehr erhielt der Kläger das Wort und Rechtsanwalt Gregg Zeff hielt seine Eröffnungsrede an die Jury. Er erklärte, dass auch ein Angehöriger des Klerus einen vermuteten Missbrauch melden müsse und dass Älteste niemals einen mutmaßlichen Missbrauch verheimlichen dürften, um die Organisation der Zeugen Jehovas zu beschützen.

Zeff verlas einen Brief der WTBS an die Ältestenorganisation, der am 1. Juli 1989 abgefasst worden war und in dem die Ältesten daran erinnert wurden, dass wegen möglicher Gerichtsverfahren äußerste Vertraulichkeit gewahrt werden müsse. In dem Brief werden die Ältesten auf die „unsachgemäße Verwendung der Zunge“ hingewiesen.

Danach erklärte Zeff in einer Zeitleiste, wie die Ältesten zuerst von dem vermuteten Missbrauch von Fessler im Jahr 2004 erfahren haben, von sexuellen Aktivitäten, die auch Umarmungen und Küsse einschlossen.

Die Ältesten von der Versammlung Spring Grove (Stephanies Versammlung) und die von der Versammlung von Freeland Maryland (Terry Seipp-Monheims Versammlung) waren somit über die Beziehung im Bilde, unterließen es aber, die Behörden zu kontaktieren. Stattdessen bildeten sie ein eigenes Rechtskomitee, das sowohl das Opfer als auch ihre Täterin verurteilte.

Rechtsanwalt Zeff spielte der Jury eine Videoaufzeichnung vor, in der die Mutter von Stephanie Fessler, Jodie Fessler ausführt, dass der Älteste Eric Hoffmann ihr zu keinem Zeitpunkt mitgeteilt habe, dass die Behörden kontaktiert werden müssten.

Erst im Jahr 2011 war Stephanie Fessler in der Lage, die Polizei anzusprechen. Damals wurde Monheim verhaftet und eingesperrt. Die Zeugenaussage von Detective Layden gegenüber der Jury wird darauf hinauslaufen, dass die Ältesten entsprechend ihrer gesetzlichen Verpflichtung die Polizei und die Childline sofort hätten kontaktieren müssen. Stattdessen, so die Feststellung von Zeff, wurden Regeln gebrochen, um die Versammlung zu beschützen und sie vor Schaden zu bewahren.

Der Nachweis der Anklage wird aufzeigen, dass Stephanie mit 14 Jahren eine öffentliche Schule besuchte, ansonsten aber nach den schulischen Aktivitäten von anderen Jugendlichen völlig isoliert lebte. Stattdessen sorgte sie für ihre Mutter, eine Zeugin Jehovas, die bereits auf eine lange Geschichte von psychischen Erkrankungen zurückblicken konnte.

Stephanie erblickte in Terry Seipp (Monheim) eine emotionale Unterstützung, aber Seipp brach dieses Vertrauen, indem sie in eine sexuelle Beziehung mit Stephanie eintrat. Stephanie hatte keine vorherigen Beziehungen.

Die Anklage wird den professionellen Therapeuten Debbie Bauer in den Zeugenstand rufen, der die psychischen Schäden an Stephanie, die nicht nur durch den anfänglichen Missbrauch, sondern auch durch die lang andauernde Beziehung von über zwei Jahren entstanden, ansprechen wird.

Die Mitangeklagte Terry Monheim ist reumütig. Sie hat ihre Gefängnisstrafe bereits hinter sich.

Die Anklage wird argumentieren, dass die Beklagten, die Wachtturmgesellschaft, die christliche Versammlung der Zeugen Jehovas und die Versammlung von Spring Grove für ihr Versäumnis verantwortlich gemacht werden müssten, den Verdachtsfall eines sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen zu melden.

Eröffnung der Verteidigung

Jud Aaron begann seine Ausführungen mit der Aussage, dass „es im Leben Konsequenzen dafür gebe, nicht die Wahrheit zu sagen.“ Er behauptete, dass die Aufzeichnungen des Therapeuten Lori Bartons beweisen würden, dass es keine sexuelle Beziehung in jener Zeit gegeben habe, als die Ältesten in Spring Grove von der Verbindung zwischen Fessler und Terry Seipp (Monheim) erfahren hätten. Er sagte:

„Sie konnten nicht berichten, was sie nicht gewusst haben.“

Aaron sagte weiterhin, dass die „Beziehung“ zwischen Fessler und Seipp im Jahr 2005 vorüber war.

Die Klägerin Stephanie Fessler saß in einem Augenblick großer Erregung nur wenige Meter von Jud Aaron entfernt, als er sagte:

„Stephanie Fessler hat nicht die Wahrheit gesagt … Folglich wurde auch kein Bericht gemacht.“

So, als ob er diesen Punkt der Jury einhämmern wollte, wiederholte Herr Aaron seinen früheren Kommentar in einer finalen Erklärung:

„Eines ist klar – Stephanie hat nicht die Wahrheit gesagt, so dass die Ältesten nichts zu berichten hatten. Sie konnten daher auch Stephanie Fessler nicht schützen, weil sie nicht die Wahrheit gesagt hatte.“

Als nächster wurde Herr John Miller, Anwalt für die Wachtturm-Bibel und Trakt-Gesellschaft aufgerufen. Miller, selbst ein Zeuge Jehovas und Mitglied der Rechtsabteilung der Gesellschaft in Patterson, New York, erklärte, dass die Zeugen Jehovas eine christliche Religion seien und dass die Jury hören werde, dass der Wachtturm dort in New York „einige Dinge besitze“.

Nachdem er seine Erklärungen für die verschiedenen Gesellschaften und Korporationen, die sich im Besitz der WTBS befinden, abgegeben hatte, wiederholte er im Wesentlichen die Worte seines Partners, Jud Aaron. Er erklärte auch, dass Terry Monheim nicht vor Gericht erscheinen werde, um sich hier zu verteidigen.

Ferner stellte er fest, dass weder die Wachtturmgesellschaft noch das CCJW eine rechtliche Verpflichtung dazu gehabt hätten, die Behörden darüber in Kenntnis zu setzen, was sie von den Versammlungsältesten gehört hatten.

Miller wiederholte auch, dass der Schlüssel zur Verteidigung in den Notizen des Therapeuten Lori Barton enthalten sei. Miller in der besten Gerichtssaaldramatik:

„Aufzeichnungen können nicht lügen.“

Rechtsanwalt Miller unterstrich seine Ausführungen gegenüber der Jury und schloss mit der Aussage: „Wir, (der Wachtturm), haben nichts mit diesem Fall zu tun.“ Miller witzelte, dass Älteste „nur Laien“ seien, und schloss seine Stellungnahme mit der Bemerkung ab, dass „der Wachtturm und die CCJW nicht einmal hierhergehörten.“

Der Rechtsanwalt für die CCJW, die christliche Versammlung der Zeugen Jehovas, Louis Lombardi, gab gegenüber der Jury keine Erklärung ab. Er saß schweigend zwischen Aaron und Miller am Verteidigungstisch und ließ die Frage aufkommen, ob er jemals in der Verteidigung der Zeugenorganisation auftreten und das Wort ergreifen wird.

03.02.2017

Geschworenenliste vollständig – neuer Gerichtsfall gegen die WTG in den USA

Zum ersten Mal seit dem aufsehenerregenden Prozess von Candace Conti gegen die Wachtturm-Bibel und Trakt-Gesellschaft von New Yorki im Jahr 2011, wird erneut eine Jury in einem Fall von sexuellem Kindesmissbrauch in den Reihen der Zeugen Jehovas eine Entscheidung treffen.

In diesem Fall geht es um den sexuellen Missbrauch eines 14-jährigen Mädchens. Verschiedene Älteste der Zeugen in zwei Bundesstaaten waren über diese Tat informiert, unterließen es jedoch, die zuständigen Behörden und die Polizei darüber in Kenntnis zu setzen.

Die Meldung unterblieb selbst nachdem die Angelegenheit der zuständigen Rechtsabteilung der Wachtturmgesellschaft gemeldet worden war.

Die Klägerin, Stephanie Fessler aus Lancaster Pennsylvania gibt an, dass Älteste aus den Versammlungen der Zeugen Jehovas Freeland, Maryland, und Spring Grove, Pennsylvania, es versäumten, Kontakt zu Strafverfolgungsbehörden aufzunehmen, nachdem ihnen bekannt geworden war, dass eine sexuelle Beziehung zwischen Frau Fessler, damals im Alter von 14-16 Jahren und der weiteren Beklagten, Frau Terry Jeanne Monheim, damals 49-51 Jahre alt, bestand.

Der Missbrauch begann 2003, wurde im Sommer 2004 entdeckt und als die Eltern von Stephanie auf den Missbrauch aufmerksam wurden, kontaktierten sie die Ältesten ihrer Versammlung.

Der Älteste Eric Hoffman initiierte eine interne Untersuchung der Anschuldigungen, zu der auch zwei weitere Älteste, Neal Cluck und John Ness, hinzugezogen wurden. Keiner der Ältesten schlug den Eltern vor, die Behörden zu kontaktieren. Sie selbst versäumten es ebenso den Vorfall zu melden. Statt Stephanie zu beschützen, bestraften sie sie, das Opfer, indem sie ihr gegenüber einen Verweis aussprachen.

Den Gerichtsdokumenten zufolge verhörten die Spring Grove-Ältesten zwar das Opfer Stephanie Fessler, unterließen es jedoch, die 49-jährigen Terry Seipp (Monheim) zu befragen und versuchten auch nicht, sich an die Polizei- oder Kinderschutzbehörden zu wenden.

Statt ihr Schutz zu gewähren, wurde Stephanie von ihren Ältesten mit einem Verweis, einer internen Disziplinierungsmaßnahme bei den Zeugen Jehovas, bestraft.

In einer schriftlichen Stellungnahme gab der Älteste Eric Hoffman zu, dass er von vermutetem Missbrauch wusste, aber dennoch nicht mit den zuständigen Behörden in Verbindung trat.

Die Ältesten der Freeland Maryland Versammlung wurden über die sexuellen Missbrauchsanklagen gegen ihr Mitglied, Terry Seipp (Monheim) informiert, aber ebenso wie die Spring Grove Ältesten unterließen auch sie es, sich an die Regierungsbehörden zu wenden. Auch sie beließen es bei einer Ermahnung gegenüber der Täterin.

Die Ältesten der Versammlung von Spring Grove setzten sich jedoch in Kontakt mit der Rechtsabteilung des Wachtturms in Patterson, New York, und berichteten das Vorkommnis.

Die Gerichtsakten deuten jedoch darauf hin, dass die Meldung eines mutmaßlichen Missbrauchs an die Behörden und die Polizei auch in diesem Stadium unterblieb, weswegen vermutlich gegen die gesetzliche Bestimmung des Pennsylvania’s Child Protective Services Laws (CPSL) verstoßen worden ist.

Als unmittelbare Folge dieses Vorgehens und dem Versäumnis, den gesetzlichen Vorschriften sowohl von Pennsylvania als auch von Maryland nachzukommen, musste die Klägerin ein weiteres Jahr des Missbrauchs ertragen, bis es dem Ehemann der Angeklagten gelang, die Beziehung seiner Frau zu dem Mädchen aufzudecken.

Er hatte einen privaten Ermittler mit Nachforschungen beauftragt, dem es gelang, einen fotografischen Beweis für die Beziehung zwischen Fessler, Alter damals 15, und Monheim, jetzt 50 Jahre alt, zu erbringen.

Den zuständigen Ältesten wurden die Beweise vorgelegt, aber diese weigerten sich weiterhin, die Polizei oder die Kinderschutzbehörden zu kontaktieren. Sie bestraften Stephanie erneut, dieses Mal mit einem öffentlichen Verweis, der der gesamten Versammlung zur Kenntnis gebracht worden ist.

Täter unter Strafverfolgung – das Opfer leidet weiter

Erst im Jahr 2011 wurde der Missbrauch von Stephanie Fessler, jetzt 22 Jahre alt, direkt der Polizei gemeldet, die Terry Seipp (Monheim) aufgrund mehrerer krimineller Verstöße verhaftete. Seipp bekannte sich schuldig und wurde zu einer Gefängnisstrafe und Bewährung verurteilt.

Unterdessen litt Fessler unter schweren posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD), die sich bei ihr in extremen Angstzuständen, Schlaflosigkeit und Albträumen auswirkten, so dass eine professionelle Therapie erforderlich wurde.

Es ist offensichtlich, dass die Organisation der Zeugen Jehovas mit ihrem Vorgehen nicht nur gegen die Gesetze von Pennsylvania und Maryland verstoßen, sondern auch dem Opfer Stephanie zusätzlich geschadet hat, indem ihr angemessene Hilfe zur rechten Zeit durch Beratungsstellen versagt wurde.

Durch ihre private und öffentliche Zurechtweisung wurde ihr zusätzlicher Stress zugefügt, da sie mit dem Stigma fertig werden musste, von allen ihren Zeugenfreunden als „schlechter Umgang“ angesehen zu werden.

Stephanie wurde im Alter von 10 Jahren als Zeuge Jehovas getauft, eine Entscheidung, mit der sie sich dauerhaft mit der Zeugnisorganisation und ihren Ältesten verband, denen gegenüber sie damit rechenschaftspflichtig wurde.

Während Kinder außerhalb der Zeugengemeinschaft von praktischer Unterstützung, Zuspruch und Ermutigung profitieren können, wenn sie missbraucht werden, befindet sich ein getauftes Zeugenkind in einer Lage, in der es vor einer Gruppe von männlichen Ältesten dazu gezwungen wird, sein Trauma wieder und wieder durchzumachen, um manchmal anschließend sogar bestraft zu werden.

Stephanie sagt:

“Mir wurden sechs Jahre meiner Kindheit gestohlen. Ich habe nichts von Sex gewusst … von jemandem missbraucht und dafür noch bestraft zu werden, hat mich seelisch und emotional in einer Weise verletzt, die ich mit Worten nicht beschreiben kann.“

Das Gerichtsverfahren

Der primäre oder erste Angeklagte in diesem Fall ist die Wachtturm-Bibel- und Traktatgesellschaft von New York und daneben die CCJW (Christliche Kongregation des Zeugen Jehovas).

Fesslers Rechtsanwalt, Jeffrey P. Fritz von Soloff & Zervanos, P.C.,ii will der Jury gegenüber nachweisen, dass die Rechtsabteilung der Wachtturmbehörde es versäumt hat, die Ältesten, die in diesen Fall involviert waren, anzuweisen, den verbindlichen Gesetzen von Maryland und Pennsylvania für sexuellen Kindesmissbrauch nachzukommen.

Dieses Verhalten stehe im Gegensatz zu der eigenen schriftlichen und veröffentlichten Dokumentation des Wachtturms, die anerkennt, dass Kindesmissbrauch ein Verbrechen darstellt, und dass „kein Ältester jemanden kritisieren wird, der eine solche Angelegenheit den Behörden meldet.“ (Brief der WTG an die Ältesten vom15. Februar 2002)

Allerdings ist es so, dass die Ältesten im Einklang mit den widersprüchlichen rechtlichen Empfehlungen des Wachtturms nicht ausdrücklich angehalten sind, Angelegenheiten des Kindesmissbrauchs an die Justizbehörden zu melden. Dieser Schritt soll als letztes Mittel (nur) in den Staaten erfolgen, in denen die Pflichtberichterstattung strikt vorgeschrieben ist.

Der Wachtturm beruft ich auf die Anwendung von Klerusprivilegien wie dem Beichtgeheimnis, obwohl es auch Ausnahmen gibt, die es einem Angehörigen des Klerus (Ältesten) erlauben, Vorwürfe an die zuständigen Behörden zu melden.

Wie in vergangenen Artikeln schon berichtet wurde,iii verwenden Wachtturmanwälte häufig den Begriff „absolutes Recht“ bei der Beschreibung ihres Vorschlags an die Opfer, sich mit Missbrauchsanzeigen selbst auseinanderzusetzen.

Das ist eine Praxis, die darauf abzielt, lediglich den Anschein zu erwecken, dass man sich für Opferrechte engagiert, tatsächlich aber darauf bedacht ist, eigene Anstrengungen und Initiativen, etwas im Berichtsprozess unternehmen zu müssen, zu vermeiden.

Es ist diese Strategie, die letztendlich zu der Unterlassung von Anzeigen in Missbrauchsfällen geführt hat. Die meisten Opfer und ihre Familien sind so durch den Missbrauch traumatisiert, sie in aller Regel Abstand davon nehmen, sich an die zuständigen Behörden und die Polizei zu wenden.

Ein weiterer Grund, warum es nicht zu Meldungen kommt, liegt darin, dass die Ältesten die Zeugen Jehovas regelmäßig ermahnen, nichts zu tun, was „dem Namens Jehovas Unehre“ bereiten könnte. Eine Strategie und bekannte Zeugenpolitik, die in erster Linie den Ruf der Organisation schützen soll und nicht der Sorge für die Opfer dient.

Die Jury für das anstehende Gerichtsverfahren ist nunmehr ausgewählt worden und der Prozess wird am Dienstag, den 7. Februar im Rathaus in Philadelphia, Pennsylvania, beginnen.

JW Survey wird kontinuierlich über den Fortgang des Verfahrens bis zum Ergehen eines endgültigen Urteils berichten.

Quellen: nytimes.com / oloffandzervanos.com / jwsurvey.org

03.02.2017

Jehovas Zeugen – Der Club der Geächteten

Er verteilte „Wachtürme“, studierte die Bibel, ging zu den Gottesdiensten – dann verließ Andreas Wendt die Zeugen Jehovas und sucht nun nach Gleichgesinnten. „Wer den Kopf zu weit rausstreckt, wird schneller platt gemacht.“ Andreas Wendt* schaut sich unruhig um. Seine Hände zittern. Es fällt ihm schwer, den Blick zu halten. Der Verfolgungswahn ist geblieben. Die Angst auch.

Das Erlebte liegt beinahe zwei Jahrzehnte in der Vergangenheit. „Einer muss ja den Anfang machen“ sagt Andreas Wendt. Er ist ein Aussteiger der religiösen Sondergemeinschaft Zeugen Jehovas. „Ich habe viele Jahre gebraucht, um wieder auf eigenen Beinen zu stehen“, sagt er. Die Erinnerungen schmerzen. „Wenn man der Gruppierung den Rücken zukehrt, heißt das nicht, dass man alles vergisst, was man jahrelang löffelweise eingeflößt bekam.“ Er war noch ein Kind, als er in den Sog der Gruppierung geriet. „Ich war naiv, hatte den Aussagen der Organisation nicht viel entgegen zu setzen.“ Er ging zwei- bis dreimal in der Woche zur sogenannten Zusammenkunft, dem Gottesdienst der Zeugen Jehovas. Er studierte die Bibel, klingelte mit der Zeitschrift „Wachturm“ in der Hand an Haustüren, versuchte Unbekannte zu bekehren. „Ich habe mich nicht wohl dabei gefühlt bei Fremden zu klingeln“, sagt er heute. „Das war nicht meins.“

Gezieltes Ansprechen von Trauernden

Laut den Zeugen Jehovas gibt es in Deutschland derzeit knapp 170 000 Verkünder, von denen mehr als 1800 in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause sind. Bestätigt werden konnte diese Zahl vom Statistischen Landesamt allerdings nicht. Daten zur Zugehörigkeit zu Glaubensrichtungen würden demnach nicht erhoben. Die Glaubensgemeinschaft hält ihre Treffen in so genannten Königreichssaalgebäuden ab. Auch in MV gibt es 20 solcher Lokalitäten, unter anderem in Rostock, Schwerin, Güstrow und Stralsund.

Pastor Jörg Pegelow warnt davor, die Zeugen Jehovas als Sekte zu bezeichnen. „Nicht alles, was religiös ist, ist eine Sekte. Früher wurde durch den Begriff eine Gemeinschaft definiert, die sich von einer Weltreligion abgespalten hat. In der öffentlichen Diskussion ist daraus ein Bewertungsbegriff geworden. In Hinblick auf die Zeugen Jehovas benutzen wir daher den Begriff der christlichen Sondergemeinschaft“, erklärt der Leiter der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der Nordkirche in Hamburg.

Sich als Religionsgemeinschaft organisieren zu dürfen, ergibt sich unter anderem aus dem Recht der Glaubensfreiheit, definiert in Artikel vier des Grundgesetzes. 2006 erhielt die Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland zusätzlich die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts, verliehen durch das Bundesverfassungsgericht. Vorangegangen war ein insgesamt 15 Jahre andauerndes Verfahren, in dem geprüft wurde, ob sich die Gemeinschaft rechtstreu verhalte. Mit dem Körperschaftsstatus stellt der Staat den Gemeinschaften besondere Rechte zur Verfügung, zum Beispiel die Rechtssetzungsgewalt, nach der eine Organisation die Befugnis erhält, eigene Rechtsvorschriften und Satzungen zu entwickeln und anzuwenden. Darüber hinaus geht der Status mit Steuervorteilen einher.

Momentan konzentrierten sich die Zeugen Jehovas bei ihrer Akquise verstärkt auf Migranten. „Sie gehen offenbar gezielt auf Flüchtlingsunterkünfte zu, haben sogar ein Merkblatt zur Bearbeitung von Asylheimen erarbeitet. Sie dürfen zwar nicht reingehen, aber davor jemanden anzusprechen, ist ihnen nicht verboten“, beschreibt Pegelow. Im Jahresabschlussbericht der Gemeinschaft heißt es: „Viele lernten eine neue Fremdsprache, um mit ihren ausländischen Nachbarn besser kommunizieren“ – und sich über Glaubensfragen austauschen zu können. Ihre Dokumente – Audio-, Video-, Printdateien – wurden inzwischen in mehr als 870 Sprachen übersetzt. „Jehovas Zeugen sind davon überzeugt, dass die biblische Botschaft für alle Menschen zugänglich sein muss“, so die Begründung seitens der Glaubensgemeinschaft. „Die größte Zahl ihrer Mitglieder gewinnen die Zeugen Jehovas durch familiäre Zusammenhänge. Meistens gehört die gesamte Familie der Gemeinschaft an“, erläutert Jörg Pegelow. „Aller Wahrscheinlichkeit ist die Erfolgsquote der Straßen- und Haustürtätigkeit sehr gering. Geschätzt wird ein Erfolg pro 50 Mitglieder pro Jahr.“ Eine weitere Methode sei laut Pegelow Briefe an Trauernde zu schreiben. „Sie gehen Zeitungsannoncen durch, suchen nach Todesanzeigen, sagen den Angehörigen, dass sie bei den Zeugen Jehovas neuen Mut für die Zukunft schöpfen können.“ Nach Einschätzung des Pastors sei die Gemeinschaft friedfertig. „Aber was die lebensbestimmenden Dimensionen in der Psyche eines Menschen auslösen können, ist eine andere Frage. “

Jahrzehnte im Schatten der Gesellschaft

Andreas Wendt verließ die Gemeinschaft Mitte der 90er-Jahre. „Ein erstes Umdenken setzte ein, als ich als Wehrdienstverweigerer in der DDR in Haft saß.“ 20 Monate hätten an ihm gezerrt wie zehn Jahre. Die Zweifel wurden stark. „Eigentlich sollte es mir doch gut gehen, doch mir ging es nicht gut. Die Zeugen Jehovas zeigen Bilder von einer schönen heilen Welt, doch die Realität ist eine andere. Sie gehen Konflikten aus dem Weg, leben in ihrem Paralleluniversum.“

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis blieb Andreas Wendt von Versammlungen fern. Er hinterfragte die Lehren, kritisierte sie. Seine Kinder und damalige Frau hielten an den Gesetzen der Gemeinschaft fest. „Sie sagte, ich hätte die Prüfung nicht bestanden, weil ich nicht die richtige Herzenseinstellung zum Glauben hatte.“ Nach der Scheidung brach der Kontakt zu seiner Familie vollständig ab. „Sie sagte, sie müsse die Kinder vor mir schützen.“ Auch von der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas wurde er verstoßen. „Wenn Mitglieder mich sahen, haben sie die Straßenseite gewechselt oder mich ignoriert.“

Die Entscheidung auszusteigen, habe sein Leben auf den Kopf gestellt. Dennoch ist Andreas Wendt kein Ungläubiger geworden. „Aber ich sage niemandem mehr, wie er die Bibel zu verstehen hat.“ Den Erfolg der Zeugen Jehovas sieht er in der Hoffnungslosigkeit der Menschen. „Viele suchen nach einem Sinn, nach Halt im Leben.“ Die Gemeinschaft glaubt an Harmagedon, an die Endzeit, die nur diejenigen überleben, die sich an die strengen Regeln der Gruppierung halten. „Anhand der Bibel formt sich die Lebenseinstellung. Man hat keinen Geburtstag und es wird auch nicht Weihnachten gefeiert. Sich damit in die Gesellschaft zu integrieren, ist nicht immer einfach.“ Andreas Wendt spricht aus Erfahrung. „Vieles von dem, was die anderen machen, ist Sünde. Sie verhalten sich unmoralisch. Und wer sich in Sünde begibt, verliert das ewige Leben“, erklärt er. Harmagedon habe er selbst schon vier Mal erlebt. „Die Zeugen Jehovas sagen, dies seien alles voreilige Verkündungen gewesen. Das wahre Ende wird noch kommen.“ An die Lehren zu glauben, sei naiv gewesen, sagt er mit dem nötigen Abstand. „Ich habe das teuer bezahlen müssen. Jahrzehntelang stand ich alleine da.“

Neuen Lebensmut fand er erst durch Selbsthilfegruppen. Nun will er ein eigenes Treffen ins Leben rufen, weitere Aussteiger aus ihrer Deckung locken. Am 6. Februar wird er ab 18 Uhr in der KISS-Beratungsstelle, Spieltordamm 9, in Schwerin auf Gleichgesinnte warten. „Es gibt ein Leben nach den Zeugen Jehovas und das ist gar nicht mal so schlecht. Um das zu realisieren, benötigt man manchmal nur einen kleinen Anstoß. Ich hoffe, dass jemand kommt. Wir sind der Club der Geächteten.“

*Name von der Redaktion geändert

Quelle: svz.de

30.01.2017

Die Strippenzieher hinter JW.ORG, d.h. der WATCHTOWER BIBLE & TRACT SOCIETY

Wer von den aktiven Zeugen Jehovas glaubt, es sei alles mit der Organisation nicht so schlimm und YHWH wird schon wissen was er „mit seiner Organisation“ tut, sollte einmal den Blick auf den unten angeführten Link werfen. Auf jeden Fall sind die sieben älteren Herren der leitenden Körperschaft nicht die großen Macher bei JW.ORG. Eher sind es diverse Strippenzieher im Hintergrund, unter ihnen die Immobilienmogule in den USA. Erstaunlich ist auch, dass sich in der Mehrzahl Menschen jüdischer Abstammung dort tummeln, weshalb sich der Gedanke der NWO und zionistischen Bewegung verhärtet.

Quelle: marketvisual.com

24.01.2017

Jahrbuch der Zeugen Jehovas und ihre Statistik für das Jahr 2016

Das Jahrbuch der Zeugen Jehovas 2017 ist jetzt in Englisch verfügbar:

Gedächtnismahl-Anwesende: 20.085.142 (+1,1%)
Von den Gedächtnismahlsymbolen nahmen: 18.013 (+20%)

Verkündiger (Monatsdurchschnitt): 8.132.358 (+1,8%)
Getaufte: 264.535
Organisation verlassen: ~120.000

Hilfspioniere (Monatsdurchschnitt): 459.393
Pioniere (Monatsdurchschnitt): 1.157.017
Predigtdienststunden insgesamt: 1.983.763.754
Bibelstudien (Monatsdurchschnitt): 10.115.264

Im Dienstjahr 2016 gaben Jehovas Zeugen 213 (-10%) Millionen Dollar aus, um die Sonderpioniere, Missionare und reisenden Aufseher zu unterstützen.

Außerdem sind weltweit insgesamt 19.818 (-25%) ordinierte Diener Gottes in den Zweigbüros tätig.

Quelle: jw.org

Ein theoretischer Ansatz:
Schauen wir uns die Weltbevölkerung 2016 genauer an erhalten wir eine Einwohnerzahl von 7.486.589.916 Menschen. Im Jahr 2016 starben 57.920.669 Menschen. Geboren wurden 146.474.696 Menschen. Diese Zahlen von countrymeters.info dienen als Berechnungsgrundlage!

Wir berechnen zunächst wie viele Menschen bei den Zeugen Jehovas im Jahr 2016 verstorben sind:

57.920.669 (Weltweit verst.) / 7.486.589.916 (Weltbev.) = 0,0077 (gerundet)

0,0077 * 8.132.358 (Verk.) = 62.916 (Statistisch verstorbene Zeugen Jehovas)

Nun stellen wir die theoretische Geburtenrate mit ähnlicher Rechnung auf. Allerdings rechnen wir (zugunsten der Zeugen Jehovas) damit das weder Vollzeit-Pioniere noch Missionare oder Bethelmitarbeiter Kinder bekommen. Auch werden viele Zeugen Jehovas keine Kinder bekommen, da sie diese nicht der „bösen Welt Satans“ aussetzen wollen. Wir rechnen also:

8.132.358 (Verk.) – 1.157.017 (Pio/Missio) – 19.818 (Zweigbü.) = 6.995.523 (Verk.)

Wir rechnen damit das von den übrigen eben nur 1/2 Kinder möchte:

6.995.523 (Verk.) / 2 = 3.477.762 (Kinderwillige)

Nun berechnen wir statistisch die theoretischen Geburten bei den Zeugen Jehovas im Jahr 2016:

146.474.696 (Weltweit geb.) / 7.486.589.916 (Weltbev.) = 0,0196 (gerundet)

0,0196 (gerundet) * 3.477.762 (Kinderwillige) = 68.164 (Kinder bei Zeugen Jehovas 2016)

Es ist davon auszugehen das die Toten bereits statistisch bei „Organisation verlassen“ eingerechnet sind. Daher ziehen wir von den 68.164 Kindern die 62.916 Toten ab. (Zur Berechnung wird von dem absoluten, weltweiten Schnitt ausgegangen denn Fluktuation und Geburtenraten unterschiedlicher Länder können nicht berücksichtigt werden!)

Daraus ergibt sich das Tod und Leben fast gleichauf wären. Wie kann es sein das bei fast 2 Milliarden Stunden im Predigtdienst und über 10 Millionen Bibelstudien die in der Regel nicht länger dauern sollten als EIN JAHR (bei Zeugen Jehovas) nur ein Wachstum von 1,8% stehen bleibt? Ein Zuwachs von 146.382 Verkündigern?

Ziehen wir davon die „hauseigenen Geburten“ ab, landen wir bei lediglich 78.218 NEUEN Zeugen Jehovas. Welch reicher Segen!

Aufmerksame Leser fragen sich deshalb: 
Wieso gab es bis zu -25% weniger Tätigkeit in den Zweigbüros? Liegt es daran, dass die Organisation viele Bethelheime schließt und Arbeiter entlässt, um Kosten zu sparen? Auch wenn es unter dem Schnitt einen sehr geringen Zuwachs gab, liegt es nicht am Ende daran, weil sich viele Kinder von Jehovas Zeugen einfach taufen lassen haben, und nicht explizit „neue Interessierte“ hinzugekommen sind? Liegt es nicht daran, dass Menschen insbesondere dort vermehrt zu der Organisation finden, wo keine nötige Aufklärung stattgefunden hat? Ist es nicht auch so, dass Ausgeschlossene und sogenannte „Abtrünnige“, die sich nicht direkt aus den Statistiken und Daten der Zeugen Jehovas wie z.B. Selters austragen lassen haben, immer noch dazu gezählt werden? Müsste laut den Bibelstudien, die geführt werden (10.115.264 pro Monat), der Zuwachs nicht immens höher sein? Sieht so die „reiche Mehrung“ des „wahren Volkes Gottes“ wirklich aus? Warum haben andere christliche Gemeinden einen viel höheren Zuwachs, obwohl sie noch keine einzige Stunde mit dem Missionieren verbracht haben, wenn doch in der „Endzeit“ das Volk Gottes gemäß den Schriften einen extremen Zuwachs haben sollte? Wie kann es sein, dass es weltweit eine 20%igen Zuwachs an aktiven Abendmahl-Teilnehmern gab? Erkennen immer mehr Jehovas Zeugen richtigerweise an, dass jeder Christ, wenn er zu dem Bund Gottes gehören möchte und ewig leben will, aktiv von den Gedächtnismahl-Symbolen nehmen muss, und sie nicht ablehnt, so wie es auch Satanisten tun, um Abscheu vor Christus zu symbolisieren?

21.01.2017

„Make Brooklyn great again!“

Wahrscheinlich unter dem Motto „Make Brooklyn great again“ kaufte der Schwiegersohn von Donald Trump, Jared Kushner, große Teile der Immobilien der Wachtturm-Gesellschaft für kolportierte 340 Mio US-Dollar. Er will den Stadtteil aufwerten und luxuriöse Büros und Verkaufsflächen entwickeln. Ob der pink leuchtende Schriftzug WATCHTOWER, der seit 47 Jahren von der Brooklyn Bridge aus zu sehen ist, erhalten bleibt ist nicht bekannt. Er kaufte bereits fünf ihrer anderen Gebäude im Jahr 2013 für 373 Mio. US-Dollar in den so genannten Dumbo Heights (Brooklyn).

Quelle: brooklynpaper.com

20.01.2017

JW.ORG warnt vor Emojis und Smileys

Fast jeder Handy Nutzer kennt Emojis oder Smileys. Doch ist dir bewusst welche Gefahren von Emojis ausgehen? JW.ORG hat es zum Glück erkannt und warnende Arbeitsblätter für Jugendliche herausgegeben. Leider wissen wir jetzt nicht, ob man lachen oder weinen soll. Jeder Leser stellt sich die Frage, ob die „geistreiche Speise“ des „treuen und verständigen Sklaven“ wirklich sich jetzt auf solches Niveau begibt. Christen sind mit einer Vielzahl an Problemen in der Welt konfrontiert – sicherlich gehören Emojis nicht dazu!

11.01.2017

Zeugen Jehovas verkaufen ihren Königreichssaal in Grenzach-Wyhlen

Die Zeugen Jehovas verkaufen ihren Königreichssaal im Lindweg. Das 1971 erbaute Gemeindezentrum mit dem 1986 erstellten Anbau wurde vor zwei Jahren renoviert und befindet sich laut einer Immobilienanzeige im Internet „in einem sehr gepflegten Zustand“. Grund für den Verkauf ist unter anderem eine Neuausrichtung der Gemeindestrukturen der Zeugen Jehovas.

Für 340 000 Euro ist das Gebäude mit einer gesamten Nutzfläche von 260 Quadratmetern ausgeschrieben. Das Grundstück ist 549 Quadratmeter groß. Im Erdgeschoss befinden sich der Hauptsaal, zwei Toiletten und eine Garderobe im Eingangsbereich, im Untergeschoss sind zwei größere Besprechungsräume sowie weiterer Lagerplatz. Zurzeit wird das Objekt noch als Gemeindezentrum mit insgesamt 185 Sitzplätzen in den drei Räumen genutzt.

Der Königreichssaal ist der zentrale Treffpunkt der Gemeinde und wird in einer Information aus der Öffentlichkeitsarbeit der Zeugen Jehovas im Zweigbüro Zentraleuropa in Selters im Taunus als Kirchengebäude bezeichnet. Als Grund für die Aufgabe des Königreichssaals vermeldet die Zentrale in Selters „einerseits in näherer Zukunft anfallende Renovierungsarbeiten“. Andererseits wolle man auch Königreichssaalgebäude im näheren Umkreis besser ausgelastet wissen. Aus diesem Grund werden die ungefähr 80 Glaubensangehörigen der sogenannten Versammlung Grenzach-Wyhlen, also vergleichbar einer Kirchengemeinde, in die beiden Nachbargemeinden Lörrach und Rheinfelden integriert.

Bereits im September 2015 hatte die Versammlung Weil am Rhein ihr Gebäude veräußert, das die Lörracher Freikirche Gemeinde Gottes erworben hatte. Als Grund für die Aufgabe des dortigen Saals der Zeugen Jehovas war unter anderem auch die Parksituation genannt worden, die im Lindweg auch eine Rolle spielt, wie im Gespräch zu erfahren war. Zwar gibt es mehrere Parkplätze am Saal, aber nicht so viele, wie zuletzt benötigt worden seien. Zudem hieß es in einem Artikel über den Weiler Verkauf, dass die Zentrale in Selters, wie auch die katholische und evangelische Kirche, bestrebt sei, größere Einheiten zu bilden. Die Gemeindemitglieder der Zeugen Jehovas aus Weil wechselten nach Lörrach.

Der Verkauf des Wyhlener Königreichssaals ist auch eine Folge des Bestrebens nach größeren Einheiten. „Aufgrund der guten Lage und den vorhandenen Parkplätzen wäre eine Nutzung des Hauses als Büro, Praxis, Schulungsräume oder ein Gewerbe mit Platzbedarf umsetzbar, wobei eine Umnutzung vom Käufer beantragt werden muss“, heißt es in der Verkaufsanzeige. Laut Informationen des Bauamts Grenzach-Wyhlen handelt es sich beim Lindweg, der im gleichnamigen Bebauungsplan bauleitplanerisch geregelt wird, um ein allgemeines Wohngebiet. Bürgermeister Tobias Benz war auf Anfrage von dem anstehenden Verkauf noch nichts bekannt.

Dabei schaue sich die Gemeindeverwaltung grundsätzlich Objekte an, ob sie eventuell auch für eine öffentliche Nutzung geeignet sein könnten. Ob dies auf das Objekt der Zeugen Jehovas zutreffe, könne er nicht sagen.

Bei den Zeugen Jehovas ist man jedenfalls zuversichtlich, das Gebäude bald verkauft zu bekommen. Es gebe durchaus Interesse daran. Informationen über eine mögliche Nachnutzung würden aber erst möglich, wenn dies feststünde.

Stefan Petryna, als Koordinator der Versammlung Grenzach-Wyhlen sozusagen ein Gemeindeoberhaupt, ließ schriftlich mitteilen: „Wir haben uns im Lindweg sehr wohlgefühlt. Hervorzuheben ist das jahrelange harmonische Zusammenwirken mit den Nachbarn. Dafür möchten wir uns schon jetzt herzlich bedanken.“

Quelle: suedkurier.de

03.01.2017

Weil die Zeugen Jehovas in der Regel nicht wählen gehen, hat Selters ein Problem

Selters hat ein Demokratieproblem. Finden zumindest die Freien Wähler Selters und die Unabhängigen Wähler Eisenbach. Deshalb haben die Gruppierungen gemeinsam eine Petition an den Hessischen Landtag verfasst. Dessen Antwort ist erstaunlich. Selters-Eisenbach: Georg Horz macht gerne den Mund auf. Seit März sitzt er für die Unabhängigen Wähler Eisenbach (UWE) im Gemeindeparlament. Und die finden, dass Eisenbach, wenn es um Bürgerbeteiligung geht, ein Problem hat.

Denn in Eisenbach wohnen rund 900 Zeugen Jehovas, einer Gemeinschaft, deren Mitglieder in der Regel aus religiösen Gründen nicht zur Wahl gehen. Zwar gab es in Selters noch nie einen Bürgerentscheid. Doch wenn es einen gäbe, würde diese Tatsache ihn deutlich erschweren. Deshalb haben Horz für die UWE und Hans-Willi Ort für die Freien Wähler Selters (FWS) beim Hessischen Landtag eine Petition eingereicht.

Das steht in der Petition

Selters hat 6614 Wahlberechtigte. Rund 900 von ihnen, also fast 14 Prozent, gehören den Zeugen Jehovas an. Bei einem möglichen Bürgerentscheid ist das ein Nachteil: Damit er als gewonnen gilt, muss er die Mehrheit der gültigen Stimmen bekommen haben – mindestens aber die Stimmen von 25 Prozent aller Wahlberechtigten. Weil die in Selters schwieriger zu bekommen seien, forderten UWE und FWS die Landesregierung auf, zu überprüfen, ob das Quorum in Gemeinden, in denen Zeugen Jehovas leben, abhängig von deren Zahl gesenkt werden könnte. Sie rechnen sich Chancen aus. „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagt Horz.

Das sagen Jehovas Zeugen

„Zeugen Jehovas sind dafür bekannt, dass sie bei persönlichen Entscheidungen biblische Grundsätze berücksichtigen“, sagt Wolfram Slupina, Pressesprecher der Gemeinschaft. Sie berufen sich dabei zum Beispiel auf das Johannesevangelium, in dem Jesus sagt: „Sie (seine Anhänger) sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.“ (Joh 17, 16). Da Politik ein sehr weltliches Geschäft sei, halte man sich von ihr fern.

Weiter verweisen die Zeugen Jehovas auf 1,10 des Korintherbriefs: „Ich ermahne euch aber, Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung.“ Auch daraus ergebe sich, dass man für niemanden Partei ergreifen dürfe. Sonst könnte man ja auch nicht mit allen gleichermaßen „über die frohe Botschaft von Gottes Königreich“ reden. Slupina sagt aber auch: „Jeder Zeuge Jehovas handelt eigenverantwortlich. Ob ein Zeuge Jehovas an einer Wahl teilnimmt, ist folglich eine individuelle Entscheidung jedes Einzelnen.“

Das sagt der Landtag

Der Landtag lehnt eine Senkung des Quorums ab. Und zwar aus drei Gründen: Erstens gingen auch in anderen Gemeinden aus verschiedenen Gründen Menschen nicht zur Wahl. Das sei ihr Recht, da „bei Bürgerentscheiden nur ein Recht, aber keine Verpflichtung zur Abstimmung besteht“. Die Situation in Selters sei damit also nicht anders zu bewerten als in anderen Gemeinden. Zweitens wäre „nicht sichergestellt“, dass diejenigen Zeugen Jehovas, die doch wählen wollen, sich beteiligen können. Und eine Einschränkung des Stimmrechts aufgrund der Religion widerspreche Artikel 1 der Hessischen Verfassung. Und drittens würde „der Grundsatz der repräsentativen Demokratie abgewertet, wenn es durch eine allzu niedrige Ausgestaltung des Abstimmungsquorums ,Aktivbürgern‘ sehr leicht gemacht werden würde, ihre speziellen Interessen durchzusetzen“.

„Die Begründung ist nachvollziehbar“, sagt Georg Horz. Am Problem ändere das allerdings nichts. „Diejenigen, die in Zukunft ein Bürgerbegehren machen wollen, müssen sich in Selters eben ein bisschen mehr ins Zeug legen als anderswo.“

Quelle: nnp.de

01.01.2017

„Gott züchtigt seine Söhne“

Lächelnd ziehen sie von Haus zu Haus und werben neue Jünger. Doch üben die Zeugen Jehovas Tugendterror und bespitzeln ihre Mitglieder. Der Sektenkonzern macht Milliardenumsätze. Jetzt will er in Deutschland offiziell als Kirche anerkannt werden, gleichgestellt mit Katholiken und Protestanten.

Das Kinderzimmer ist leer, die Regale sind ausgeräumt, die beiden Betten wurden seit Monaten nicht mehr benutzt. Nur eine neonbunte Schultasche liegt noch auf dem Boden.

Vor einiger Zeit waren die Brüder Alexander, 18, und Sorian, 15, in den Dunstkreis der Zeugen Jehovas geraten. In diesem Sommer, so beobachtete eine Bekannte in der Nachbarschaft, kam ein Abgesandter der Sekte mit seinem Mercedes und holte die beiden ab. „Sie sind mit dem ganzen Gepäck weg“, sagt der verlassene Vater Ljubomir Petkow, 38. Wo sie jetzt sind, weiß der Exil-Bulgare nicht.

Beim Jugendamt in Friedrichshafen fand Petkow, geschiedener Zahnarzt aus Überlingen, keine Hilfe. Der zuständige Sozialarbeiter Volkmar Blenn, 56, wollte sich nicht einmischen. Schließlich seien die Zeugen Jehovas eine „anerkannte Religionsgemeinschaft“.

Derartige Schicksale häufen sich. Die Sekte wirbt vermehrt um Entwurzelte und Randständige der deutschen Gesellschaft. In Asylbewerberheimen wird der Wachtturm, das Zentralorgan der Zeugen Jehovas, in der Muttersprache der Ankömmlinge durch den Zaun geschoben. In Aussiedlerunterkünften werden Insassen auf den Zimmern umworben.

Jetzt wollen die Zeugen Jehovas per Gerichtsentscheid die Anerkennung als Körperschaft des Öffentlichen Rechts erwirken; sie wären damit der evangelischen und katholischen Kirche gleichgestellt und könnten Kirchensteuern erheben, Seelsorger in Gefängnisse schicken und Vertreter in Rundfunkräte entsenden.

Weltweit bekennen sich 4,7 Millionen Menschen zu den Zeugen Jehovas, die Verkündiger der Sektenbotschaft sind in 231 Ländern aktiv – von Bolivien bis Bosnien-Herzegowina. In Deutschland zählen die Zeugen 166 500 Anhänger, davon 35 000 in den neuen Bundesländern. Vielen hilft der Glaube der Sekte. Labile finden Halt, Drogensüchtige werden entwöhnt. Die Religion der Zeugen verspricht „ewiges Leben im Paradies auf Erden“, ohne Hunger und Kriege, ohne Verbrechen. „Und selbst der Löwe wird Stroh fressen so wie der Stier“, zitiert eine Jehova-Schrift die Bibel (Jesaja 11:7).

Vorher droht allerdings der – terminlich nach mehreren Fehlschlägen nicht mehr exakt festgelegte – Weltuntergang („Harmagedon“). Den werden nur die überleben, die den Versuchungen des Satans widerstehen und den „Richtlinien und Gesetzen Gottes gehorchen“.
Das Berliner Verwaltungsgericht hat einen „Rechtsanspruch“ der Zeugen Jehovas auf Gleichstellung mit anderen Kirchen in Deutschland festgestellt. Der Berliner Senat legte jedoch Berufung beim Oberverwaltungsgericht ein. Die Zeugen Jehovas, begründet Senats-Justitiar Dietrich Reupke, 38, den Widerstand der Landesregierung, wiesen „Merkmale einer totalitären Sekte“ auf.

Ein internes Handbuch für Führungskräfte belegt, daß der Tugendterror in der weltweit operierenden Gemeinschaft tatsächlich bestens organisiert ist: Psychischer Druck, ein Spitzelsystem und ein ausgefeilter Strafenkatalog halten die „Herde“ beisammen. Die Mitglieder müssen sich strengen Regeln unterwerfen und werden rigoros überwacht.

Bis heute sind den Sektenmitgliedern unter Berufung auf die Bibel („Niemand unter euch darf Blut genießen“) Bluttransfusionen untersagt. Als im September 1993 in Neufundland und Kalifornien zwei Kinder, 12 und 15 Jahre alt, an Leukämie starben, weil sie Blutübertragungen verweigert hatten, pries das Sektenmagazin Erwachet die beiden als „Jugendliche, die Gott den Vorrang geben“. Zuletzt starben im September in Spanien zwei Kinder an Hirnhautentzündung und Leukämie, weil ihre Eltern Transfusionen verboten hatten.

Um die Sektenmoral zu sichern, lassen die Sektenführer kranke Mitglieder beaufsichtigen. Damit der todkranke Patient nicht im letzten Moment schwach oder gegen seinen Willen von Ärzten mit Blut versorgt werde, sei es in Einzelfällen „erforderlich, daß rund um die Uhr jemand Wache hält“, heißt es in einem Schulungsbuch für Sektenfunktionäre – Titel: „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“.

Das Brevier belegt die straffe Aufsicht über das gesamte Leben der Jehova-Jünger. An fünf Tagen pro Woche sollen sie an „Versammlungszusammenkünften“ teilnehmen, dazu kommen regelmäßige Kreis-Treffen, Bezirkskongresse und die Jehova-typische Akquisition neuer Anhänger, das „Jüngermachen“ an den Haustüren.

„Spornt die Brüder zu regelmäßiger, geplanter Tätigkeit im Evangelisierungswerk an“, fordert das Schulungsbuch. Fast 20 Stunden wöchentlich arbeitet der Durchschnitts-Zeuge im Sektendienst, oft neben dem bürgerlichen Beruf. Sogenannte Sonderpioniere arbeiten 117 Stunden im Monat.

Das Regelwerk bestimmt, gestrenger noch als jeder katholische Sündenkatalog zur Sexualmoral, wie sich die Brüder und Schwestern im Bett zu benehmen haben. _(* Beim Druck der russischen ) _(Wachtturm-Ausgabe. ) Als „zügelloser Wandel“ strafbar ist etwa „vorsätzliches und gewohnheitsmäßiges leidenschaftliches Petting sowie vorsätzliches und gewohnheitsmäßiges Streicheln der Brüste“.

Schlimmer noch sei „Hurerei“, wozu nach Zeugen-Regeln „Homosexualität und Lesbianismus“ zählen, aber auch „oraler und analer Geschlechtsverkehr oder gegenseitige Masturbation unter Personen, die nicht miteinander verheiratet sind“.

Geburtstagsfeiern sind gläubigen Zeugen genauso untersagt wie ein Flirt ohne Heiratsabsicht oder das Ausfüllen eines Lottoscheins. Sporttreiben ist verpönt, ein Hochschulstudium gilt zumeist als Zeitvergeudung. Neue Mitglieder sind, so das Führer-Handbuch, besonders zu umsorgen: „Dadurch wird das Vakuum ausgefüllt, das entsteht, wenn sie frühere Bekanntschaften und weltliche Unterhaltung aufgeben.“

Fehltritte verfolgen die Sektenoberen in einem eigenen „Rechtsverfahren“. Ein Norweger, 102 Jahre alt, wurde ausgeschlossen, weil er beim Genuß von Schnupftabak erwischt worden war. Der Pop-Sänger Michael Jackson zog, so seine Schwester La Toya, als Sektenmitglied, getarnt mit aufblasbarem Gummianzug, der ihn dicker aussehen ließ, durch Los Angeles und verteilte den Wachtturm. Trotz dieses Eifers mußte er Abbitte leisten wegen satanistischer Anklänge in seinem Video-Clip „Thriller“ („Ich würde so etwas nie wieder tun“). 1987 trat er aus.

Beim Prozeß vor dem sogenannten Rechtskomitee dürfen dem Beschuldigten laut Sektenanweisung „keinerlei Briefe gesandt werden“, die ihn zuvor über den Tatvorwurf ins Bild setzen. Während der Verhandlung sind „keinerlei Tonbandaufnahmen“ zulässig. Auch „Beobachter“ dürfen „nicht zugegen sein“.

Missetätern droht „Zurechtweisung vor den Augen aller“ oder, schlimmer, „Gemeinschaftsentzug“. Die Folge solchen Gruppenzwangs ist, so wollen Psychiater in Schweden, in der Schweiz und den USA herausgefunden haben, daß Zeugen Jehovas überdurchschnittlich oft psychisch erkranken. Typische Diagnosen: Depression und Verfolgungswahn. Schizophrenie komme bei den Sektenanhängern, so eine australische Studie, dreimal so häufig vor wie unter Ungläubigen.
Der norwegische Ex-Funktionär Joseph Wilting, 62, behauptet, daß in vielen Gemeinden in seiner Heimat 40 bis 50 Prozent aller Zeugen Jehovas Neuroleptika oder Anti-Depressiva nehmen. Eine wachsende Zahl von Selbstmorden konstatiert eine Studie des US-Psychologen Jerry R. Bergman.

Um die Gläubigen trotz seelischer Nöte bei der Stange zu halten, kontrolliert ein weltweites Aufsichtssystem das Privatleben der Mitglieder. Ärzte, Krankenschwestern, Rechtsanwälte müssen gemäß internen Sektenrichtlinien („Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“) ihre Schweigepflicht brechen und ernste Sünden melden, Kinder ihre Eltern denunzieren. „Die haben überall ihre Spione“, sagt ein Aussteiger.

Sünden von Jüngern werden protokolliert, Erkenntnisse über Abtrünnige gespeichert und bei Bedarf an die Weltzentrale der Sekte in New York übermittelt. Die „Leitende Körperschaft“, im New Yorker Stadtteil Brooklyn ansässig, steuert die weltweite Überwachung. „Selbst wenn ein Sünder sich im brasilianischen Urwald verstecken würde, wäre er für den internationalen Apparat der Gesellschaft nicht verschwunden“, sagt ein Aufseher.

Die Zentrale der Zeugen in New York betreibt einen immensen Aufwand: 30 Hochhäuser gehören zur Schaltstelle der Religionsgemeinschaft, außerdem Hotels, eine gigantische Computeranlage sowie eine sekteneigene Farm mit 688 Hektar Land.
Als Machtzentrum des 1881 gegründeten Konzerns gilt die Firma Watchtower Bible and Tract Society of Pennsylvania. Der Watchtower Bible and Tract Society of New York Inc., einer Aktiengesellschaft, gehört das Vermögen. Die Bank Watchtower Treasures steuert die Finanzströme, ein Großteil der Spenden geht an die International Bible Students Association, die Firma Watchtower Properties verwaltet die Immobilien.

Insgesamt setzt der Bibel-Konzern nach Schätzungen verschiedener Sektenkenner jährlich weltweit etwa vier Milliarden Mark um. Die Bilanzen sind geheim. Nur eine Zahl wurde dieses Jahr bekanntgegeben: 48 857 112,38 Dollar (84 Millionen Mark) gab die Watchtower Society 1993 für ihre reisenden Vollzeit-Prediger aus.

Offiziell speist sich die Sekte einzig aus Spenden („Gott liebt einen fröhlichen Geber“). Doch einiges kommt auch durch profane Geschäfte herein: Das eigens entwickelte Computerprogramm Meps, das es erlaubt, den Wachtturm simultan in 66 Sprachen zu setzen, wurde an IBM verkauft. In Kanada mehrten millionenschwere Investment-Erträge das Sektenvermögen.

Geschickt nutzt der Konzern sein weltweites Filialnetz für Finanztransfers: Die frommen Brüder treten, wie Tenniscracks und Formel-1-Piloten, als Steuerflüchtlinge auf – allerdings jonglieren sie mit ungleich höheren Summen.

So gelang es in der Schweiz letztes Jahr, den Gewinn mit null Franken zu deklarieren. Dort gelten die Zeugen Jehovas als steuerpflichtiger Kommerzbetrieb mit einem Kapital von 10,37 Millionen Franken. In Luxemburg hingegen lag der – dort steuerfreie – Gewinn letztes Jahr bei 6,1 Millionen Francs (300 000 Mark), trotz üppiger Überweisungen nach Brooklyn.

Die einfachen Jehova-Gläubigen machen sich beim weltweiten Geschäft vor allem als schlechtbezahlte Werktätige nützlich. In der Deutschlandzentrale der Wachtturm-Gesellschaft im hessischen Selters beispielsweise wird jeder der rund 1000 Beschäftigten gerade mal mit 100 Mark Taschengeld im Monat abgespeist.

Den Wert des Anwesens schätzen Experten auf 150 Millionen Mark: Die weitläufige Anlage erstreckt sich über rund 30 Hektar, mit Teichen und Springbrunnen. Eine Druckerei produziert _(* Im schleswig-holsteinischen ) _(Trappenkamp bei Neumünster. ) dort pro Jahr 96 Millionen Zeitschriftenexemplare für 58 Länder von Tahiti bis Tadschikistan, von Grönland bis zum Kongo. 15 000 Ferienhelfer haben die protzige Sektenzentrale gebaut – ehrenamtlich. Der Betrieb braucht weder Steuern noch Sozialabgaben zu zahlen, auch keine Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Der Berliner Senat will die Wachtturm-Gesellschaft nicht als Kirche anerkennen, weil sie sich „regelmäßig und vorsätzlich über geltendes Recht hinweggesetzt hat“. Die Zeugen hätten jahrzehntelang gegen die Sozialversicherungspflicht verstoßen – ausgeschiedene Mitarbeiter standen im Alter plötzlich ohne Rentenanspruch da.

In Ungarn verweigerte die Regierung im vergangenen Jahr den Zeugen jede finanzielle Unterstützung, weil die Sekte als „destruktiv“ gilt. In Frankreich untersagte der Staatsrat eine Adoption durch Zeugen Jehovas, weil das Leben des Kindes gefährdet sei, sollte bei einer Operation eine Bluttransfusion nötig werden.

Auch deutsche Gerichte entscheiden immer häufiger gegen die Zeugen. Im Mai hat das Amtsgericht Hagen einer Jehova-Mutter das Sorgerecht für ihren vierjährigen Sohn entzogen.

Das Amtsgericht Passau entschied letzten Dezember, eine Mutter habe „grob gegen die Erziehungspflicht verstoßen“, weil sie ihren heute siebenjährigen Sohn eingedenk der Sektenmaximen („Gott züchtigt seine Söhne“) mit einem Kochlöffel „wiederholt schwer mißhandelt“ und durch Zwangsunterricht mit Zeugen-Ideologie malträtiert habe. Dem Jungen, befanden die Richter, drohe „lebenslanger Dauerschaden“, wenn er unter der Fuchtel seiner Mutter bleibe.

Die Beschäftigten der Sekte werden mit Taschengeld abgespeist

Quelle: spiegel.de

01.01.2017

Morris III. – Mitglied der leitenden Körperschaft flieht vor einem Journalisten

Auf „JW – Broadcasting“ vom November 2016, fordert uns Gerrit Lösch auf: „Sei ein „Champion der Wahrheit!“ Ein „Champion der Wahrheit“ habe für die Wahrheit einzutreten und alles zu tun, um die Wahrheit und Gottes Namen zu verteidigen. Weiter behauptet er, Jehovas Zeugen und der Wachtturm seien von je her die „Verfechter der Wahrheit“ gewesen – Politiker und Firmen dagegen würden lügen, um ihre Fehler zu vertuschen.

Doch wie steht es mit der Wahrhaftigkeit der Vertreter der “Organisation Gottes”? Erweisen sie sich als „Verfechter der Wahrheit“? Wir werden sehen!

Anthony Morris III und seine Begegnung mit Tre Bundy

Viele Leser werden mit der Arbeit von Tre Bundy, einem investigativen Reporter, der für die „Reveal News“- Organisation arbeitet, vertraut sein. Er versucht schon seit langem, das Thema Missbrauch und die Vertuschung durch die WTG aufzuklären und veröffentlichte bisher auch schon einige Artikel dazu. Sein letzte Arbeit: „Wie die Leitung der ZJ ohne Rücksicht auf Kosten Missbrauchsfälle verschweigt“, wurde begleitend zu einem Podcast veröffentlicht. Der Podcast mit dem Titel „Geheimnisse des Wachtturms“, berichtet über die Bemühungen von Menschen, wie Trey Bundy und dem Anwalt Irwin Zalkin, die die WTG dazu bewegen wollen, ihre detaillierte Liste mit tausenden potentiellen Kinderschändern herauszugeben.

Diese Reportage enthält einige Interviews über den aktuellen Verfahrensstand verschiedener Klagen gegen die WTG, aber herausragend ist die Aufnahme, in der Trey Bundy zufällig auf das LK – Mitglied Anthony Morris III trifft. Zum Hintergrund: Bundy bemüht sich seit mehr als zwei Jahren um ein Interview mit einem Mitglied der leitenden Körperschaft, um auch dieser Seite die Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben. Bisher haben die sieben Mitglieder der leitenden Körperschaft keinerlei Interesse gezeigt, den Medien ihre Sichtweise zu den Geschehnissen des Kindesmissbrauchs in der Organisation und den Vertuschungsvorwürfen, darzulegen. Zwischenzeitlich traf sich Bundy mit einem ehemaligen Betheliten namens Howie, der ihm, bei einem Rundgang um die (ehemalige) Weltzentrale der Zeugen Jehovas in Brooklyn, einen kleinen Einblick in die internen Arbeitsabläufe der Führung gab.

Während ihres Spazierganges sahen sie niemand geringeren als Anthony Morris III die Straße entlang laufen (wer will, könnte darin Gottes Willen sehen). Bundy beeilte sich zu Morris zu gelangen (welcher versuchte, durch den Wechsel der Straßenseite den Kontakt zu vermeiden), um ihn zu den Vorwürfen befragen zu können.

Wie reagierte Morris? Stand er erhobenen Hauptes da und verteidigte die angeblich biblischen Prinzipien? Nutzte er die Gelegenheit, die Anschuldigungen klar als Lügen von Abtrünnigen darzustellen, die Schande auf Gottes Namen brachten? Oh nein!
Er huschte erschrocken vorbei und gab in Richtung Bundys schwache Nicht – Antworten auf dessen berechtigten Fragen. Die Szene endete abrupt, als Morris in einer schnell geöffneten Tür des Bethels und damit außer Reichweite verschwand – keine würdige und respektvolle Reaktion, auf die ernstgemeinten Fragen eines Journalisten.

Die leitende Körperschaft: Angst vor Gegnern?

Dieses Gebaren folgt einem typischen Muster im Verhalten der leitenden Körperschaft. Im absoluten Kontrast zu Jesus und seinen Aposteln, aber auch im Kontrast zu den ersten Führern der Religionsgemeinschaft – wie zum Beispiel Russell oder Rutherford – ist die moderne Führung der leitenden Körperschaft nicht bereit, ihren Standpunkt öffentlich zu vertreten, sobald Kritik zu erwarten ist.

Als beispielsweise Gerrit Lösch vor Gericht geladen wurde, um die Praxis der WTG bezüglich Kindeswohl und Kindesschutz zu verteidigen, zog er es vor, keine klare Stellung zu seiner Sicht der biblischen Prinzipien zu beziehen. Tatsächlich muss ihn die Erwartung eines öffentlichen Kreuzverhörs vor Gericht, derartig in Angst versetzt haben, dass er ein Statement veröffentlichte, in dem er bekannte, nichts mit der WTG und der Religionsleitung zu tun zu haben. Jeder, der nur ein wenig vertraut mit der Organisation ist, weiß wie absurd und falsch dies ist. Dieses Verhalten erinnert stark an den Apostel Petrus, der einen Meineid leistete und abstritt, Jesus zu kennen, um seine eigene Haut zu retten.

Es ging um die Mitverantwortung der Wachtturmgesellschaft an dem Missbrauch an Jose Lopez durch Gonzalo Gampos. Einer der Gründe, warum dieser Rechtsstreit so schlecht für die Wachtturmgesellschaft lief war, das Gerrit Lösch der Vorladung des Gerichts nicht nachkam.

Gerrit Lösch gab eine schriftliche Erklärung ab, um zu begründen, warum er sich weigerte vor Gericht auszusagen. Seine Begründung: „Ich persönlich habe keine Kenntnis über irgend welche Fakten oder Umstände was das Thema dieses Falles betrifft.“ Weiter behauptete er: „Der Wachtturm hat und hatte niemals irgend eine Autorität über mich“

Wie bitte? Der Wachtturm, den er in seiner Ansprache als den Verfechter der Wahrheit bezeichnete, hat für ihn keine Autorität???

Ein weiteres Beispiel ist Geoffrey Jackson, bei den Anhörungen vor der Australian Royal Commission 2015. Es ist nachvollziehbar, dass die Kommission zuerst an einer Befragung Jacksons interessiert war – aufgrund der Position, die er innehat und der besonderen Schwere der Vorwürfe. Mit einem erstaunlichen Täuschungsmanöver versuchte der australische Zweig der WTG (u.a. O’Brien), davon zu überzeugen, dass Jackson keinerlei Beteiligung an der Formulierung oder Anpassung der zur Diskussion stehenden Regeln hätte. Wieder muss man sagen, jeder der die Politik der WTG etwas kennt, weiß wie irreführend und falsch diese Aussage ist. Glücklicherweise war die Kommission mit genug Beweisen ausgestattet, um deutlich zeigen zu können, dass es sich dabei um eine Lüge handelt. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass schon der Versuch des Betrugs einer Royal Commission, mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

Der WTG – Verantwortliche für Australien, Terrence O’Brien, räumte ein, diese irreführenden Informationen an die WTG – Rechtsabteilung gegeben zu haben. Man kann sich schwer vorstellen, dass Jackson diese trügerische Taktik nicht bekannt war und es ist sehr gut vorstellbar, dass er in diesen Täuschungsversuch eingeweiht war.

Als Jackson endlich bereit war, vor der Kommission auszusagen (er musste erscheinen, da er sonst rechtliche Konsequenzen zu erwarten hatte), gab er an, sich über diese Möglichkeit zu freuen. Seine Freude war so groß, dass er sogar bereit war, die Freiheit seiner Untergebenen zu riskieren, um selbst drohenden Ärger von sich abzuwenden. Dies steht natürlich im krassen Gegensatz zu Christus, der seine Nachfolger niemals den Löwen zu Fraß vorgeworfen hätte, nur um seine Haut zu retten. Es sieht so aus, als ob sich Tony Morris nun auch voller Stolz in die Reihen der WTG – Führer einreihen kann, die feige verleugnen und wegrennen, sobald Fragen zum Thema Kindesmissbrauch gestellt werden.

Wovor hat die leitende Körperschaft Angst?

Warum ist das relevant? Neben der selbstverständlichen Verpflichtung, die jeder Vorsitzende einer Organisation hat, zur Aufklärung von Vorwürfen (für die es vielfache Belege gibt), kriminellen Handels unter dem Deckmantel organisationinterner Richtlinien, aktiv und unverzüglich beizutragen, sollte man den Fokus auch noch auf etwas anderes richten.

Die sieben Männer der leitenden Körperschaft beanspruchen für sich, der in Matthäus 24 erwähnte treue und verständige Sklave zu sein – der einzige bevollmächtigte Kanal zwischen Gott und den Menschen. Als besondere Mitglieder dieser ohnehin schon besonderen Gruppe der „Geistgesalbten“, behaupten sie, dass sie baldig in den Himmel auffahren und als machtvolle Geistwesen bei der Hinrichtung aller, die keine Zeugen Jehovas sind, mitwirken.

Angesichts ihrer Ansprüche an Macht, geistiger Autorität und baldigem Supersoldatenstatus, ist es bemerkenswert, dass es für sie zur Zeit nichts beängstigenderes zu geben scheint, als eine informierte Person, die eine begründete und für sie peinliche Frage stellt. Ein „Champion der Wahrheit“ habe für die Wahrheit einzutreten und alles zu tun um die Wahrheit und Gottes Namen zu verteidigen.

Wahrlich, weder Toni Morris noch die übrigen Glieder der leitenden Körperschaft haben sich als „ein„Champion der Wahrheit“ erwiesen.

Quelle: bruderinfo-aktuell.de

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